Wie Henkel seinen digitalen Umsatz verdoppeln will

Wie Henkel seinen digitalen Umsatz verdoppeln will

Der Konsumgüterkonzern Henkel hat sich festgelegt: Bis 2020 will das Unternehmen seinen digitalen Umsatz verdoppeln. Und so soll es funktionieren.

Iki KühnIki KühnRedakteurin Der Handel / etailment
5 Min.· Aktualisiert am
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Der Konzern mit Sitz in Düsseldorf erwirtschaftet 85 Prozent seines Umsatzes rund um den Globus. Das Geschäft ruht auf drei Standbeinen: Kosmetik- und Körperpflege, Klebstoffe und Waschmittel und Haushaltpflegeprodukte. Aktuell ist Henkel im weltweiten Ranking der größten Konsumgüterhersteller als einziges deutsches Unternehmen unter den Top 50 – nämlich auf Platz 41.

Wachstumsziele bis 2020

Gerade hat der Konzern für das zweite Quartal rekordverdächtige Zahlen vorgelegt. Trotzdem ist die Freude verhalten. Es hätte nach dem Geschmack des Unternehmens mehr sein können. Im zweiten Quartal stiegen die Erlöse um 9,6 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro und erreichten damit einen neuen Höchstwert. Dazu trug auch die US-Übernahme von Sun Products bei – es wird nicht der letzte Zukauf gewesen sein. Abzüglich Wechselkurseffekten und Übernahmen bleibt noch ein Plus von 2,2 Prozent, wie Henkel mitteilte.

Angestrebt hatte der Konzern eine Spanne zwischen zwei und vier Prozent – das heißt, Klassenziel erreicht, aber entsprechend ihrer eigenen Ziele auch nicht mehr. Die Wachstumserwartungen für das Gesamtjahr 2017 werden nicht korrigiert sondern von Van Bylen noch mal bestätigt und das soll in dieser Größenordnung bis 2020 jährlich so weitergehen.

Digitales Wachstum

Ende 2016 hat der Konzern vier strategische Prioritäten bekannt gegeben: Wachstum vorantreiben, Digitalisierung beschleunigen, Agilität steigern und in Wachstum investieren. Damit bleiben keine Zweifel – die Devise ist Wachstum und die digitale Entwicklung. Henkel hat deshalb Rahmyn Kress engagiert. Er soll die Digitalaktivitäten des Unternehmens beschleunigen. Seit dem zweiten Quartal berichtet er als Chief Digital Officer direkt an den Vorstandsvorsitzender. „Wir wollen den über digitale Plattformen erzielten Konzernumsatz bis zum Jahr 2020 auf mehr als vier Milliarden Euro verdoppeln“, so van Byten. Digitale Umsätze werden in erster Linie über das B2B-Geschäft gemacht. „Im Industriegeschäft betreiben wir schon seit längerem sehr erfolgreich eine eigene Online-Plattform für Klebstoffe. Hier erzielen wir mehr als eine Milliarde Euro Umsatz jährlich“, erklärt van Byten gegenüber der Wirtschaftswoche.

Den B2C-Markt will Henkel gemeinsam mit den Handelspartnern ausbauen. Freude machen Henkel nicht die „reifen“ Märkte, sondern vor allem Wachstumsmärkte wie China, wo das Unternehmen über die Plattform Alibaba „den Kosmetikmarkt aufgerollt habe“, war in der Welt zu lesen.Bereits die Hälfte des Umsatzes im Bereich Kosmetik- und Körperpflegemittel wird in China digital erzielt. „Chinesische Verbraucher schätzen Waren, die aus Deutschland kommen – von Kochtöpfen und Küchenutensilien bis hin zu Lebensmitteln und Drogerieartikeln“, erklärte Alibabas Business Development Manager für Deutschland Karl Wehner gegenüber dem Online-Nachrichtenmagazin t3n.

Alibaba ist nicht nur Platzhirsch in China, er öffnet über AliExpress Mall ebenso Türen zum riesigen russischen Markt – und das macht sich Henkel Russia auch zu Nutze und bietet sowohl Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel wie Schönheitspflegeartikel unter anderem die Marken Gliss Kur, Fa, Schauma, Syoss oder Persil.

Neue Wege über neue Technik – Persil Service online

Digitalisierung betrifft nicht nur Kundenansprache und Logistik. Da hat Henkel die ganze Marketingpalette parat von regelmäßigen Online-Newslettern über Apps bis zum Store. „Auch das „Internet of Things“ gewinnt an Bedeutung. In Korea haben wir gerade erfolgreich einen digital steuerbaren Zerstäuber für Mückenschutzmittel eingeführt“, der Konzernchef in einem Interview.Auf dem europäischen Kontinent startete Henkel in Deutschland mit seiner starken Marke Persil einen Online-Wäscheservice und hatte damit zunächst Industriekunden im Visier. Jetzt sollen Privatkunden auch davon profitieren. Die Schmutzwäsche wird per Post verschickt und kommt, so das Versprechen des „Persil-Service“ nach drei Tagen frisch gewaschen zurück. Die Preise reichen von 1,50 Euro für ein Paar Socken bis zu 93 Euro fürs angeschmuddelte Brautkleid. Bei kleinen Mengen kommen 4,90 Euro pauschale Versandgebühr hinzu. Auch andere Geschäftsmodelle laufen bereits, darunter ein Buchungsservice für Friseure – wobei der Haarkünstler selbstredend Henkels hauseigene Schwarzkopf-Serie verwendet, so die Welt.

Erschließung neuer Zielgruppen über Start-up Investitionen

In den vergangenen Jahren hatte der Konzern rund 25 Millionen in unterschiedliche Start-up Unternehmen und Venture-Capital Fonds investiert, so Deutsche Startups.

Ein Beispiel ist Start-up ZipJet aus dem Haus Rocket Internet. Über seine Unternehmenssparte Laundry & Home Care hält Henkel schon seit 2016 eine Minderheitsbeteiligung an dem Wäsche- und Reinigungsservice ZipJet. Aktuell hat Henkel seine Beteiligung erhöht und erneut in ZipJet investiert. Über 50 Mitarbeiter arbeiten bereits für das Startup, das in Deutschland, Großbritannien und Frankreich aktiv ist.

Henkel Ventures gestartet

Jetzt geht das Unternehmen einen Schritt weiter und gründete „Henkel Ventures“ mit 150 Millionen Investitionskapital. “Mit Henkel Ventures bündeln wir unsere Corporate Venture Capital-Aktivitäten unserer drei Unternehmensbereiche – Adhesive Technologies, Beauty Care und Laundry & Home Care. Wir arbeiten mit Startup-Unternehmen zusammen und unterstützen sie dabei, ihre innovativen Ideen beziehungsweise ihre Technologien zu entwickeln. Dabei können sie von unserem Know-how für Kunden und Konsumenten weltweit, unserem Portfolio mit führenden Marken sowie unserer Expertise, Innovationen und neue Technologien erfolgreich in Märkte einzuführen, profitieren“, sagt Henkel Ventures-Macher Robert Günther gegenüber Deutsche Startups.

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Iki Kühn
Geschrieben vonIki Kühn

Redakteurin Der Handel / etailment

Iki Kühn ist Redakteurin von Der Handel und etailment.de. Sie studierte Ernährungs- und Wirtschaftswissenschaften, absolvierte ihr Volontariat bei der Lebensmittel Zeitung im Deutschen Fachverlag, für den sie über zehn Jahre arbeitete, und war unter anderem als Autorin für den Burda-Verlag sowie als stellvertretende Chefredakteurin für Titel der Medienunion tätig. Seit rund zehn Jahren widmet sie sich digitalen Medien wie Online-Publikationen und der Produktion von Kurzvideos.

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