
Rechnungskauf liegt bei Onlineshops im Trend
Der Kauf auf Rechnung ist bei Onlinekunden beliebt, für Webshops jedoch ein großes Risiko. Zahlreiche Dienstleister versprechen sicher und günstige Lösungen, einige bieten inzwischen auch Ratenkäufe an.
Björn BöerChefredakteurFür Händler ist das Ausliefern der Ware gegen Rechnung freilich ein Glücksspiel - es sei denn er zieht Sicherheitsmechanismen wie Adressen- und Bonitätschecks ein. Da dies eine Wissenschaft für sich ist, gibt es zahlreiche Dienstleister, die sich auf dieses Risikomanagement spezialisiert haben. Der noch junge Markt steht vor einem Boom, meinen Experten. Wir stellen die wichtigsten Dienstleister für Rechnungskäufe im Netz vor.
Aus dem hohen Norden: Klarna
Das schwedische Unternehmen Klarna wurde 2005 gegründet und ist seit 2010 auch in Deutschland vertreten. Klarna bietet seine rechnungsbasierten Zahlungslösungen für Internethändler mittlerweile in sechs Ländern an.
Hierzulande offerieren die Schweden sowohl den Rechnungs- als auch Ratenkauf. Europaweit vertrauen nach Unternehmensangaben aktuell 10.000 Händler auf die Dienstleistungen von Klarna. In Deutschland wird mit den Auskunfteien Schufa, Bürgel, Creditreform und Infoscore zusammengearbeitet.
Im vergangenen Jahr wickelte der Dienstleister eigenen Angaben zufolge knapp neun Millionen Transaktionen mit einem Umsatz von 620 Millionen Euro ab. Im ersten Quartal 2011 waren es bereits drei Millionen Transaktionen. Der Händler zahlt bei Klarna eine Transaktionsgebühr, die sich aus einem Fixbetrag und einem prozentualen Anteil zusammensetzt. Außerdem wird eine monatliche Pauschale in Höhe von 29,95 Euro fällig, unabhängig von der Anzahl der Transaktionen.
"Zu individuell": Billsafe
Das Unternehmen Billsafe wurde 2006 gegründet und ist seit 2009 im Markt aktiv. Im vergangenen Jahr sorgte die Beteiligung der eBay-Tochter PayPal an Billsafe für Schlagzeilen.
Angaben zur Kundenzahl, Transaktions- und Umsatzvolumen verweigert das Unternehmen mit Hinweis auf den Minderheitsgesellschafter, der solche Zahlen generell nicht kommuniziere. Die Disagien und Kosten für Händler seien zu individuell, um aussagekräftige Angaben zu publizieren, heißt es von Billsafe.
Expansiv: Billpay
Hinter Billpay stehen namhafte Internetinvestoren wie RocketInternet (Samwer-Brüder) und Holtzbrinck Ventures. Das Unternehmen kooperiert zudem mit Payment-Service-Providern wie Computop, Saferpay oder Ogone.
Seit März 2010 ist das 2009 gegründete Unternehmen aktiv und betreut derzeit nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Partner-Shops. Die Disagiohöhe orientiert sich am Risikoprofil des Shops, erläutert Geschäftsführer Thies Rixen im Gespräch mit Der Handel. Das Unternehmen bereite zurzeit die Expansion nach Österreich und in die Schweiz vor.
Retouren ausgenommen: Paymorrow
Die Paymorrow GmbH wurde im Juni 2008 gegründet. Derzeit zählen rund 1.700 Onlinehändler zu den Kunden. Angaben zur Transaktions- und Umsatzvolumen macht das Unternehmen nicht.
Je nach Shopportfolio zahlt der Händler an Paymorrow eine Prämie zwischen 5 und 7 Prozent der Rechungssumme für den gesamten Service. Zudem zahlt er die Prämie nur auf die tatsächlich realisierten Umsätze, Retouren sind also ausgenommen.
Im Testbetrieb: Ratepay
Mit Spannung erwartet die Branche den Markteintritt von Ratepay. Das Unternehmen wurde 2009 gegründet, befindet sich aber noch immer "im Testbetrieb mit einigen Kunden", wie Geschäftsführerin Miriam Wohlfarth erläutert.
Die Otto Group findete das angestrebte Geschäftsmodell, Rechnungs- und Ratenkauf für Onlineshops anzubieten, jedoch offenbar so interessant, dass sie sich mit ihrem Tochterunternehmen EOS, dem Zahlungsspezialisten der Hamburger, mit 51 Prozent an Ratepay beteiligte - man darf also gespannt sein.
Die weiteren Anbieter
Zu nennen wäre auch noch die Regionalgesellschaften der Crefo Factoring, einem Unternehmen der Creditreform, die ebenfalls Rechnungskäufe für Internethändler anbieten sowie das Inkassounternehmen Domnowski, das zum Beispiel Yatego zu seinen Kunden zählt.
Eher für Großkunden tätig war bislang die Arvarto-Tochter BFS finance, die sich mit ihrem Produkt "Trust'n pay" nun auch mittelständischen Onlinehändler widmen will.
Wie aus der Branche zu hören ist, will auch die Payment Network AG, Betreiber des Zahlungsdienstes sofortüberweisung.de, schon bald eine Lösung für Rechnungskäufe anbieten. Der Kauf auf Rechnung liegt derzeit also im Trend, der Markt ist munter in Bewegung.
Hanno Bender
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 1/2011 von Online Handel. Ein kostenfreies Probeexemplar erhalten Sie hier.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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