
Sanktjohanser wettert gegen einheitlichen Mindestlohn
Auch HDE-Präsident Sankjohanser sagt dem Handel ein gutes Weihnachtsgeschäft vorher. Sorgen bereiten ihm allerdings die Pläne der Großen Koalition - und von Verdi.
Thomas RehmRedakteurBei den laufenden Koalitionsverhandlungen von Union und SPD geraten die Interessen der Wirtschaft aus Sicht des Handels zunehmend aus dem Blick. "Da muss da und dort auch öffentlich ein bisschen mehr Kante gezeigt werden", antwortete Sanktjohanser auf dem an diesem Mittwoch begonnenen Deutschen Handelskongress in Berlin auf die Frage, ob CDU und CSU sich zu sehr von den Sozialdemokraten treiben ließen. Unternehmen investierten, wenn sie sich wohl fühlten und die Rahmenbedingungen stimmen, hob Sanktjohanser hervor. "Da sollte die CDU, vor allem weil die FDP nicht mehr im Bundestag ist, diese Stafette aufnehmen."
Sanktjohanser rechnet demnach fest mit einem flächendeckenden Mindestlohn und kritisierte, dass Schwarz-Rot damit die Tarifautonomie als "großes Institut in unserer Wirtschaft" durch politische Entscheidungen ersetzte. "Generell erleben wir Verhandlungen, die regulierende Themen mehr beherrschen als Themen, die die Wirtschaft fördern und Investitionen anregen."
Schlussverkäufe im Weihnachtsgeschäft
Das Weihnachtsgeschäft wird in diesem Jahr nach Einschätzung Sanktjohansers erstmals die Marke von 80 Milliarden Euro überschreiten. Hintergrund seien steigende Löhne, eine gute Beschäftigungslage und eine niedrige Inflation.
In den Läden lasse sich eine zunehmende Hektik bei Preisnachlässen feststellen. "Nie gab es mehr Schlussverkäufe als heute", sagte Sanktjohanser. Grund dafür seien die immer neuen Möglichkeiten des Online-Shoppings. Schließlich versuchten sich die neuen Anbieter zuerst über den Preis zu etablieren. "Es gibt nahezu täglich neue Konkurrenten - unabhängig davon, wie viele dieser Geschäftsideen sich am Ende tatsächlich rechnen."
Freilich könnten laut HDE-Präsident Störfeuer das Weihnachtsgeschäft negativ beeinflussen. "Da sind zum Beispiel die steigenden Energiepreise. Sie senken die Kaufkraft der Verbraucher in einer für die Binnenkonjunktur sehr gefährlichen Art und Weise.", so Sanktjohanser. Zudem bestehe in der Handelsbranche große Unsicherheit durch die laufenden Koalitionsverhandlungen. "Steuererhöhungen scheinen noch immer nicht vom Tisch."
"Ich warne die Gewerkschaft"
Und schließlich befürchtet Sanktjohanser Streiks im Weihnachtsgeschäft. "Das hat Verdi zuletzt ja mehrfach betont. Ich warne die Gewerkschaft allerdings vor einem Arbeitskampf im Weihnachtsgeschäft. Wer die Unternehmen in dieser wichtigen Zeit belastet, spielt auch mit dem Schicksal der Beschäftigten." Seit geraumer Zeit verhandeln Einzelhandelsarbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi um einen neuen Tarifvertrag. Bisher gibt es keine Ergebnisse. Für Sanktjohanser ist es immerhin ein positives Signal, "dass die Verhandlungen nicht vor dem Abbruch stehen".
An diesem Mittwoch hat in Berlin der Deutsche Handelskongress begonnen. Für den morgigen zweiten Tag der Veranstaltung wird Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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