Schlammschlacht um Praktiker-Pleite

Schlammschlacht um Praktiker-Pleite

Ehemalige Investoren und Manager der insolventen Baumarktkette Praktiker schieben sich die Schuld für das Aus gegenseitig zu. Nur ein Ex-Vorstand räumt strategische Fehler ein.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Die Österreicherin warf dem ehemaligen Vorstandschef Thomas Fox indirekt vor, die Insolvenz des Unternehmens bereits im Frühjahr 2012 provoziert zu haben. Sie habe zunächst gar nicht verstanden, "was der Herr Fox in Wahrheit vorhat", sagte de Krassny. Erst durch Hinweise aus dem Umfeld des Konzerns habe sie von Vorbereitungen für eine Insolvenz erfahren. Auf "Capital"-Anfrage wies Fox den Vorwurf zurück. Die Insolvenz sei keinesfalls sein Ziel gewesen, sagte er.

"Es ist unfassbar"

Die ehemalige Großaktionärin de Krassny bezifferte ihren persönlichen Verlust durch das Engagement bei der Baumarktkette auf rund 15 Millionen Euro. Den Verdacht, sie habe mit Insider-Geschäften noch am Niedergang ihres Unternehmens verdient, wies sie zurück. Zugleich kritisierte sie die hohen Ausgaben des Managements für externe Beratung in den vergangenen Jahren. "Es gibt keinen Berater, den wir nicht hatten. Es ist unfassbar", sagte de Krassny.

Nach "Capital"-Recherchen gab Praktiker allein in den Jahren 2011 und 2012 rund 70 Millionen Euro für Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Finanzdienstleistungen aus. Im ersten Halbjahr 2013 sei ein zweistelliger Millionenbetrag hinzugekommen. "Capital" beruft sich dabei auf interne Dokumente, die dem Magazin vorlägen.

Für seine Sanierung nahm der Konzern seit 2012 insgesamt 175 Millionen Euro am Kapitalmarkt auf. Zu den größten Profiteuren gehörten die Wirtschaftskanzlei Freshfields sowie die Unternehmensberatungen Roland Berger, Boston Consulting Group und McKinsey.

Praktiker-Aufsichtsrat: Jahrmarkt der Eitelkeiten?

Ein vernichtendes Zeugnis für den Praktiker-Aufsichtsrat stellte auch der ehemalige Kontrolleur Alexander Eichner aus. "Dieser Aufsichtsrat war geprägt von Eitelkeiten, Seilschaften, Verschleierung, Claqueuren, Schweigern, Intransparenz und Beißhemmungen. Es gab kein Durchkommen", sagte er "Capital". Der Sanierungsexperte Eichner war Ende 2012 in das Kontrollgremium eingezogen, legte das Mandat aber bereits nach drei Monaten nieder.

Der langjährige Auslandsvorstand, Michael Arnold, räumte in der Tat in "Capital" strategische Fehler von Vorstand und Aufsichtsrat ein. Die Billig-Kampagne "20 Prozent auf alles" habe das Unternehmen in eine Falle geführt. "Natürlich haben wir gesehen, dass das nicht gut geht. Aber niemand von uns wusste, wie wir da wieder rauskommen", sagte er dem Magazin.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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