
So viele Erwerbstätige wie lange nicht
Im Jahresschnitt gab es 2015 so viele Arbeitsstellen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Entwicklung dürfte anhalten. Auch offene Stellen gibt es viele. Dennoch dürfte es mehr Arbeitslose geben.
Björn BöerChefredakteurDamit setzte sich der seit mehr als zehn Jahren anhaltende Aufwärtstrend fort, obwohl das Plus etwas niedriger ausfiel als 2014 (0,9 Prozent). Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Von der robusten Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt profitierten nach Angaben des Bundesamtes insbesondere Arbeitnehmer. Ihre Zahl kletterte im Jahresdurchschnitt um 421.000 (plus 1,1 Prozent) auf 38,7 Millionen. Erneut gab es dabei auch mehr Jobs mit voller Sozialversicherungspflicht.
Jobmotor Flüchtlingsbetreuung
Auf ein Rekordniveau kletterte Ende 2015 auch die Nachfrage nach Beschäftigten. Im Dezember gab es in deutschen Betrieben und Behörden so viele freie Stellen wie selten zuvor, berichtet die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der Veröffentlichung ihres Stellenindex BA-X. Der Indikator kletterte um einen Punkt auf 206 Zähler - den höchsten Wert seit der Einführung des Stellenbarometers 2004. Ihre Dezember-Arbeitslosenzahlen veröffentlicht die BA am 5. Januar.
Nach BA-Angaben erweist sich derzeit insbesondere die personalintensive Betreuung von Flüchtlingen als Jobmotor. So verzeichneten die Arbeitsagenturen zuletzt eine starke Nachfrage nach
Wach- und Sicherheitspersonal, sozialen Fachkräften und Verwaltungsmitarbeitern. "Dieser Zuwachs dürfte vor allem mit dem hohen Bedarf an Arbeitskräften im Umfeld des Flüchtlingsmanagements zusammenhängen", urteilte die Bundesagentur.
Ökonomen erwarten mehr Arbeitslose
Bei der Arbeitslosenzahl rechnen Experten derweil für den Dezember mit einem etwas kräftigeren Anstieg. Mit 2,7 Millionen seien zum Jahresende rund 70.000 mehr Männer und Frauen ohne Arbeit gewesen als im November, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Fachleute berufen sich dabei auf eigene Berechnungen.
"Die Situation schaut weiter gut aus", erklärte BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar. Dass es im Dezember wieder mehr Arbeitslose gebe, hat nach Ansicht der Experten vor allem saisonale Gründe. So verlieren Mitarbeiter in Gastronomie, Landwirtschaft, Gärtnereien und Landschaftsbau in der kalten Jahreszeit häufig ihre Stelle. Gemischt fällt dagegen der Ausblick der Ökonomen für 2016 aus. Sie erwarten zwischen 40.000 und 100.000 mehr Arbeitslose im Jahresdurchschnitt. Hauptursache: die erwartete wachsende Zahl arbeitsloser Flüchtlinge.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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