Shrubs und Chutneys: Es schmeckt nach Holunder und Weißwurst

Shrubs und Chutneys: Es schmeckt nach Holunder und Weißwurst

Je mehr die Verbraucher industriell gefertigte Lebensmittel serviert bekommen, umso stärker wächst die Sehnsucht nach Handgemachtem. Zwei Gründerinnen wollen diese Sehnsucht stillen. Entweder mit Durstlöscher oder einem verfeinerten Essen. Und dabei gibt es Geschmacksrichtungen, die erst einmal ungewöhnlich erscheinen.

Steffen GerthSteffen GerthRedakteur Der Handel und etailment
3 Min.· Aktualisiert am
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Je mehr die Verbraucher industriell gefertigte Lebensmittel serviert bekommen, umso stärker wächst die Sehnsucht nach Handgemachtem. Zwei Gründerinnen wollen diese Sehnsucht stillen. Entweder als Durstlöscherin oder mit einem verfeinerten Essen. Und dabei gibt es Geschmacksrichtungen, die erst einmal ungewöhnlich erscheinen.

Wer einmal eine fachkundig geführte Kräuterwanderung mitgemacht hat, merkt sich möglicherweise einen solcher Sätze: "Der Holunder ist die Apotheke des Waldes." Meint, dass so ein Strauch dem Menschen Medizin gegen allerlei Krankheiten liefert. Eine Limonade auf Holunderbasis kann daher nur ein gutes Getränk sein. Erst recht, wenn es natürlich und ohne jegliche Zusatzstoffe hergestellt wird.

Denn Hanna Schuster pflückt die Holunderblüten eigenhändig von den Büschen, um sie dann in ihrer Manufaktur zu Holunderblütenshrub weiterzuverarbeiten. Die Dolden werden vier Wochen in Apfelessig eingelegt, danach ausgepresst zu Sirup, der dann erhitzt und in Flaschen abgefüllt wird. Shrub? Shrub? Nicht jeder Konsument wird mit diesem Begriff etwas anfangen. Die Erklärung: Shrub kommt aus dem Arabischen und steht für essiggesäuerten Fruchtsirup. Hanna Schuster stellt solche Sirups her, sie sind die Basis für Limonaden, wie man sie vor Jahrzehnten bekam.Seit 2012 produziert und vertreibt Hanna Schuster mit ihrem Start-up Schusters Spezialitäten Shrubs, 25 verschiedene Sorten sind im Angebot, etwa mit Ingwer-, Rosmarin-, oder Zitronengeschmack. Alles möglichst mit Rohstoffen in Bio-Qualität aus der fränkischen Region rund um Untersteinbach im Steigerwald. Aufgegossen sind Shrubs frische und gesunde Sommergetränke und Alternativen zu kalorienhaltigen herkömmlichen Limonaden. Sirups mit Knoblauch und roter Zwiebel wiederum eignen sich zum Abrunden von Dips oder (Grill)-Saucen. Und wer wissen will, wie die Schusters daheim im Fränkischen arbeiten, kann ihnen beim Zubereiten der Shrubs über die Schulter gucken: Die Manufaktur ist gläsern, Gäste sind herzlich willkommen. Verkostung inklusive.

Im Betrieb von Christine Zimmermann kann man nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen. Seit April bietet sie in ihrer Manufaktur Kochkurse an, bis zu 14 Personen können hier gemeinsam ein gesundes Menü zubereiten und dann in der Gruppe genießen. So ein Zelebrieren des guten Geschmacks ist nur konsequent für eine Frau, die mit "meinen Produkten das Traditionelle mit neuen, kreativen Geschmackserlebnissen verbinden will". Christine Zimmermann stellt Fruchtaufstriche und Chutneys her, und hier sind auch abwegige Geschmacksrichtungen dabei - wie Weißwurst und die Smoked-Line, bei der eine zarte Rauchnote für ein besonderes Aroma sorgt.

Zuerst macht Christine Zimmermann eigentlich nichts anders als in Haushalten über Jahrhunderte Tradition hatte: das Einkochen von Früchten. Doch ihr Start-up Meingemachtes Manufaktur übersetzt altes Können eben in eine neue Zeit. Es begann 2011 in Rheinhessen und wurde ende 2018 in Bayern, genauer Steindorf nahe Augsburg fortgesetzt, wohin die gelernte Bankfachwirtin der Liebe wegen gezogen war. "Die alte Kunst des Einmachens verbinde ich mit neuen Geschmackskombinationen und modernen Kreationen", sagt Unternehmerin Zimmermann. Blueberry-Chocolate-Rum, Chilli-Onion-Whisky und Tomato-Plum sind solche Mischungen, die nicht mehr viel zu tun haben mit eingeweckten Sauerkirschen der Oma. Doch die schönsten Traditionen sind immer vielleicht die, die in einem modernen Gewand daherkommen.

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Steffen Gerth
Geschrieben vonSteffen Gerth

Redakteur Der Handel und etailment

Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.

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