
Streit zwischen Apotheken und Versendern spitzt sich zu
Die Versandapotheken fühlen sich durch Äußerungen des Apothekerverbandes ABDA kriminalisiert. Per offenem Brief beschweren sich die Distanzhändler - und drohen weitere Schritte an.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentVon Online-Apotheken "eigentlich betrogen"
Konkret stößt sich Buse an zwei Äußerungen von Apothekersprechern. So wirft Peter Homann, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes, den Versendern in einer Pressemitteilung vor, "unkontrollierten Arzneimmittelmissbrauch Tür und Tor zu öffnen".
Thomas Bellartz, Pressesprecher der ABDA, sagte in einem Gespräch mit dem österreichischen Dienst "Pressetext", dass arbeitende Online-Apotheken in Deutschland rar gesät seien. In diesem Text ging es eigentlich um Anzeigen von angeblich illegal arbeitenden Online-Apotheken auf der Seite der Suchmaschine Bing. Bellartz sagt hier wörtlich unter anderem: "Der Konsument wird bei Online-Apotheken eigentlich doppelt betrogen. Einerseits ist nicht gewährleistet, dass er ein Originalprodukt erhält, andererseits verliert er das Geld, das er dafür bezahlt." Besonders mit Angeboten zum Grippe-Impfstoff Tamiflu werde momentan einiges Schindluder getrieben. Der ABDA-Sprecher rät in diesem Text Konsumenten im allgemeinen davon ab, Medikamente im Internet zu bestellen.
Gegen Zwangsmitgliedschaft
Der 26 Mitglieder zählender Verband werde darauf aufmerksam machen, dass die Zwangsmitgliedschaft in den Apothekerkammern nur dadurch zu rechtfertigen sei, dass die Kammern die Belange der Gesamtheit der von ihnen vertretenen Berufsangehörigen wahrnehmen.
Laut Buse verstehen sich ABDA und Landesapothekerkammern lediglich als Interessenvertreter der Präsenzapotheken und würden kontinuierlich Stimmung gegenüber 2.000 ihrer eigenen Mitglieder machen.
1,2 Millionen Euro Geldbuße für Apothekerverbände
Die betroffenen Verbände hätten nach den Erkenntnissen der Behörde ihre Mitglieder wiederholt aufgefordert, vom Pharmagroßhändler Gehe keine Produkte mehr zu beziehen, nachdem dessen Muttergesellschaft Celesio im April 2007 die Versandapotheke DocMorris übernommen hatte.
Die Bußgelbescheide sind noch nicht rechtskräftig, sämtliche Betroffenen haben dagegen Widerspruch eingelegt.
Kein Fremdbesitzverbot
Im Mai hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass das deutsche Fremdbesitzverbot für Apotheken mit dem Europarecht vereinbar sei. Konzerngeführte Apothekenketten sind daher weiterhin in Deutschland nicht möglich. Entsprechende Pläne hatte unter anderem Celesio gemeinsam mit DocMorris verfolgt.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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