Lisa Rentrop, KommtEssen, im Interview: "Wir halten uns alle Türen offen"

Lisa Rentrop, KommtEssen, im Interview: "Wir halten uns alle Türen offen"

Er rauschte durch die Medienwelt, er war (bei uns) ständiges Gesprächsthema in der Kantine - der Lieferdienst Kommtessen.de von Lisa Rentrop. Inzwischen steht KommtEssen beinahe exemplarisch für den Boom im Segment des Abo-Commerce und die Chancen, die sich für den Online-Verkauf von Lebensmitteln bieten. Doch trotz wachsender Konkurrenz wie durch HelloFresh und Unsere Schlemmertüte bleibt Lisa Rentrop gelassen. Kommtessen solle vor allem organisch wachsen, sagt sie im Interview und baut vor ...

OKOlaf KolbrückChefredakteur
4 Min.· Aktualisiert am
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Inzwischen steht KommtEssen beinahe exemplarisch für den Boom im Segment des Abo-Commerce und die Chancen, die sich für den Online-Verkauf von Lebensmitteln bieten.

Doch trotz wachsender Konkurrenz wie durch HelloFresh und Unsere Schlemmertüte  bleibt Lisa Rentrop gelassen.  Kommtessen solle vor allem organisch wachsen, sagt sie im Interview und baut vor allem auf weitere Verbesserungen im Sortiment. 

Kommtessen konnte sich zum Start  über reichlich Medienecho freuen. Wie erklären Sie sich die Resonanz?

Lisa Rentrop:  Die Begeisterung für das Thema ist sicherlich rübergekommen. Außerdem ist es ein gesellschaftlich wichtiges Thema. Es geht um Essen, das geht uns alle an. Zähigkeit gehört natürlich auch dazu.

Sie sind bereits in einigen Großstädten. Wie sehen die weiteren Expansionspläne aus?

Lisa Rentrop:  Wir werden alle größeren Städte Deutschlands beliefern. Als nächste Stadt nehmen wir Stuttgart in Angriff. Alles Weitere bestimmen die Nutzer. Sie können uns über die Plattform mitteilen, wo der Service gewünscht wird. Aber auch im Umfeld der Städte, in denen wir bereits vertreten sind, wird es noch Ausweitungen geben.

Wie hoch sind denn die Chancen jenseits der Ballungszentren?

Lisa Rentrop:  Rund um Lübeck bedienen wir schon kleinere Städte. Aber je größer die Entfernungen sind, desto herausfordernder wird die Logistik. Deshalb wird sich das Wachstum vorerst um große Städte gruppieren.

Sie setzten massiv auf regionale Produkte. Wie schnell können Sie denn da überhaupt wachsen?

Lisa Rentrop:  Die Warenbeschaffung ist das geringste Problem. Die größte Herausforderung ist es, die Kühlkette aufrecht zu erhalten. Die Suche nach passenden lokalen Logistikpartnern und Packstationen stellt sich da manchmal etwas schwierig dar.  Wir arbeiten dabei durchweg mit regionalen Lösungen. Deshalb gibt es in den Städten beim Inhalt der Tüten immer wieder graduelle Unterschiede. Das Qualitätsniveau bleibt natürlich gleich.  

Billig ist das für den Kunden nicht. Wie wollen Sie Verbraucher erreichen, die nicht so viel Geld ausgeben möchten?

Lisa Rentrop:  Wir haben als zusätzliches Angebot eine Tüte für Kunden, die nicht an Premiumprodukten interessiert sind, aber eine Grundausstattung an gutem, gesundem, frischen Essen möchten. Die 4x-Tüte kostet für 4 Mahlzeiten  genauso viel wie die 3Mahl Tüte, die 3 Mahlzeiten beinhaltet. Aber wir verzichten dabei auf besonders kostspielige Zutaten. Damit erreichen wir vor allem Familien mit kleineren Kindern oder schmalerem Budget. In Schweden zeigten Kundenuntersuchungen, dass die Familien nicht mehr Geld für Essen ausgeben mit KommtEssen, sondern es bleibt eher gleich. Durch uns gibt es aber weniger Spontankäufe, und weniger wird weggeschmissen.

Wer ist denn genau die Zielgruppe?

Lisa Rentrop:  Die Zielgruppe ist sehr heterogen. Viele nutzen KommtEssen auch, weil ihnen schlicht die Ideen fehlen, was sie kochen sollen. Es sind nicht nur die berufstätigen Mütter mit zwei Kindern. Wir haben auch Single-Männer unter den Kunden, die das Pizza-Taxi leid sind.

"TV-Spots wird man von uns so schnell nicht sehen."

Es gibt ja mittlerweile eine Reihe von Abo-Anbietern rund ums Essen. Was ist ihr USP?

Lisa Rentrop:  Die Qualität. Wir legen großen Wert darauf, dass wir ausschließlich frische Waren anbieten. Wir haben nicht mal mehr Tiefkühlprodukte in der Tüte. Wir verzichten immer auf unnötige Zusatzstoffe in den Zutaten. Wir achten auch auf den Klimaeinfluss der einzelnen Zutaten,

Wie verbessern Sie die Rezepte?

Lisa Rentrop:  Wir profitieren natürlich von der jahrelangen Erfahrung des schwedischen Mutterunternehmens. Natürlich passen wir die Rezepte für Deutschland an. Außerdem ist uns das Feedback der Nutzer über die Servicekanäle sehr wichtig. Auch Facebook und Co setzen wir verstärkt ein. In den Städten haben wir zudem sogenannte Vertrauenskunden, die für das Qualitätsmanagement sehr wichtig sind 

Sind Kooperationen mit dem klassischen Lebensmittelhandel und Lieferdiensten ein Thema?

Lisa Rentrop:  Wir halten uns alle Türen offen. Der logistische Aufwand bei einer Kooperation mit einem Händler ist natürlich ungleich geringer. Aber zuweilen kann auch solch ein Händler nicht alle Produkte bieten.  

Welche Pläne haben Sie in Sachen Kommunikation?

Lisa Rentrop:  Unser Ziel ist es, organisch zu wachsen. TV-Spots wird man von uns so schnell nicht sehen.

Über KommtEssen:  KommtEssen ist eine Tochter von Middagsfrid in Schweden. Middagsfrid wurde im Sommer 2007 von Kicki Theander gegründet. KommtEssen begann 2010 mit seinen ersten Lieferungen des Essens in Tüten. Als erste deutsche Stadt wurde Hamburg beliefert. Mittlerweile werden auch Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Köln, Mainz, München, Schleswig-Holstein und Wiesbaden beliefert.

Über Lisa Rentrop: Sie kommt, genau wie das Konzept, aus Schweden. Sie ist in Stockholm geboren und aufgewachsen. Dort hat sie Chemietechnik an der Königlich Technischen Hochschule (KTH) studiert und hat einen Abschluss als Dipl.-Ing. Seit 2000 wohnt Sie in Hamburg, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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