Was nach Online-Shops kommt

Was nach Online-Shops kommt

Eingekauft wird heute nicht mehr nur in Online-Shops und im Laden um die Ecke. Mit Amazons Echo oder Google Home können die Kunden ebenfalls shoppen. Und Chatbots warten auch nur darauf, die Wünsche der Nutzer zu erfüllen. Alexander Graf macht sich in einem Gastbeitrag Gedanken zur Post-Online-Shop-Ära.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
4 Min.· Aktualisiert am
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Chinesen besuchen keine Online-Shops

Im Mai dieses Jahres habe ich auf Kassenzone den Beitrag „Liebes Shopfrontend, die Zeit war schön mit Dir“ gepostet und dazu eine Powerpoint-Präsentation der US-Beraterin Connie Chan. Sie zeigt, was passiert, wenn ein Markt die Shop-Ära einfach überspringt. Zu sehen ist darin nur eine Anwendung: der Messenger WeChat, die chinesische Turbo-Variante von WhatsApp. Chinas Volks-Chat kann alles. Er erlaubt es im Restaurant per QR-Code am Tisch zu bestellen, Arzttermine zu vereinbaren und Mode zu kaufen und das alles per Messenger zu bezahlen – oder zu bewerben. Diese Entwicklung hatte uns bei Spryker bereits Anfang des Jahres aufgerüttelt und mein Mitgründer, CTO Fabian Wesner, hat begonnen Spryker weiterzuentwickeln, von einer Software zu einem Betriebssystem. Denn wir wussten: Neben Online-Shops muss unser Produkt auch Anwendungen für die Messenger-Ära und ihre Maschinen-Intelligenz, hervorbringen. Im Juli dieses Jahres wurde dann bekannt, dass Amazon an einem Chat-Messenger namens „Anytime“ arbeitet.

Alles ist ein Shop

Was also hat unser CTO gemacht? Die Weiterentwicklung ist vergleichbar mit der zwischen von der Nokia-Handy-Software zu Apples iOS: Das Frontend hat keine Gestalt mehr, es ist nur noch ein Tor. Baut ein Unternehmen es zum Shop aus, holt die Spryker-API aus dem Backend die Werkzeuge und Datenformate für die Interaktion mit Online-Kunden. Setzt ein Unternehmen hingegen eine Anwendung für Alexa oder eine Messenger-Anwendung für den Restaurant-Tisch auf, liefert Spryker alles, was es für die Kommunikation mit Maschinen braucht. Das Produkt muss spielend leicht tausend Gesichter annehmen können. Heute sind das Shops oder Apps für Bots, die Bezahlung per Blockchain gehört ebenso dazu wie die Tank-App im Audi. Morgen werden es neue Formate sein, deshalb musste unser System 2017 unendlich erweiterbar werden und kompatibel mit allen Interfaces und Software-Arten.

Mit Usern, Alexa und Schubladen sprechen

Wenn wir heute unseren Kunden Beispiele für den Einsatz von Spryker zeigen wird klar: Die Einsatzgebiete entwickeln sich rasant weiter. Bei unserem Kunden A.T.U wird Spryker ganz anders aussehen als im Einsatz für BOSCH Startups oder der Unternehmensgruppe fischer im Unternehmensbereich Befestigungssysteme. Die freie Werkstattkette A.T.U will es Kunden u.a. zukünftig ermöglichen die Reparatur ihres Autos live am Handy zu begleiten, z.B. um Entscheidungen für Ersatzteile zu treffen. fischer Befestigungssysteme hingegen sieht in Spryker die Basis für eine App, mit der Handwerker ihre Materialschublade im Auto scannen können. Die App erkennt Lücken und bestellt Nachschub bei fischer – einen Online-Shop gibt es nicht. Der Lieferservice ortet das geparkte Fahrzeug anhand der App und bestückt es über Nacht. Der Test-Case „Mobile Material Service” zeigt eine beeindruckende IoT-Anwendung für den B2B-Markt.

Update mit Nebenwirkung: Honey, I shrunk the project

Wie finden bestehende Kunden das denn so, wenn man einfach am Produkt rumschraubt? Was ist mit ihren Online-Shops? Sie profitieren. Es ist nicht als hätten sie das iPhone 6 und dann kommt das 7er, und sie können ihr Produkt nicht unbeschadet in einen Pool werfen. Das Gute an Code ist, dass bestehende Kunden von jedem Update profitieren. Der Ausbau von Spryker in kleine, mobile Zugänge zu Kunden und Künstlicher Intelligenz hat außerdem eine entscheidende Nebenwirkung: Weil die API noch präziser unterscheiden muss, was sie im Backend abfragt, ist der Prozess viel schneller und schlanker geworden und Apps zu bauen noch leichter. Unser Ziel war es Großthemen wie Voice-Commerce und IoT auf Mini-Cases herunterzubrechen, die Hersteller und Händler ohne Mammutprojekte aufsetzen können. Die Ausgangspunkte für solche Mini-Cases liegen schon heute vor unserer Nase: Warum kennt mein Shop die Kaufzyklen für Profi-Laufschuhe nicht? Warum kann der Fahrstuhl nicht selbst seine Wartung bestellen? Und warum ordert die Kaffeemaschine kein Pulver nach?MEHR ZUM THEMA

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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