
Verbraucher bleiben bei guter Kauflaune
Flüchtlingskrise? Ach was. Die Deutschen lassen sich davon nicht beirren und geben ihr Geld weiter gerne aus. Zwei Voraussetzungen sind dafür gegeben: Jobsicherheit und gute Einkommen.
Björn BöerChefredakteurAussicht auf mehr Geld hebt die Laune
Solange die Konjunktur stabil bleibt und die Arbeitsplätze sicher sind, "dürfte sich das vorerst auch kaum ändern", sagte der GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl der Deutschen Presse-Agentur. "Und dann kommt vermutlich auch hinzu, dass jetzt die ersten Forderungen der Gewerkschaften im Hinblick auf die Tarifrunden dazugekommen sind", betonte er. "Die Beschäftigten wissen, dass das nicht der Abschluss ist, aber die Forderung weckt Hoffnungen auf eine gute tarifliche Einkommensentwicklung in diesem Jahr", sagte Bürkl. Die Gewerkschaften wollen sechs Prozent mehr Gehalt für die mehr als zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen.
Derzeit dränge die gute Arbeitsmarktlage Faktoren wie die Flüchtlingskrise, die latent vorhandene Terror-Gefahr sowie konjunkturelle Abschwächungen in einer Reihe aufstrebender Wirtschaftsnationen wie China in den Hintergrund. "Nach den Erfahrungen der letzten Jahre gehe ich davon aus, dass sich die Stimmung so lange stabil entwickeln kann, wie die Angst vor Arbeitslosigkeit gering ist", sagte Bürkl.
Flüchtlinge keine Konkurrenten um die Arbeitsplätze
Zwar gehen die Verbraucher demnach davon aus, dass die Arbeitslosigkeit insgesamt wegen der vielen auf den Arbeitsmarkt drängenden Flüchtlinge zunimmt. Der Anteil derjenigen, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, habe sich im Verlauf des vergangenen Jahres allerdings nicht markant verändert.
Nach wie vor schwelten im Hintergrund aber Risiko-Faktoren für die
Verbraucherstimmung: Die bislang ungelöste Flüchtlingskrise mit einer möglichen Abschottung einzelner Länder sowie das Schließen von Grenzen würde besonders Deutschland als Exportnation treffen, warnte Bürkl. Das könnte die konjunkturellen Aussichten dämpfen. Eine Trendwende sei aber keinesfalls abzusehen.
Da sich die Konjunkturerwartungen der Verbraucher immer leicht verzögert zum Ifo-Geschäftsklima entwickle, sei außerdem nicht auszuschließen, dass sich diese eintrübten. Zum Start ins Jahr war der Ifo-Index überraschend deutlich gefallen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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