Abstrakte 3D-Illustration schwebender geometrischer Formen symbolisiert vielfältige KI-Trends 2025
© Black Forest Labs / Flux

Das sind die KI-Trends für 2025

KI-Agenten, KI mit synthetischer Intuition und eine hohe Nachfrage nach Weiterbildung und menschlicher Expertise. Hier sind neun Trends, die die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in den nächsten Monaten prägen werden.

HVHelmut van RinsumFachjournalist
8 Min.· Aktualisiert am
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1) Die KI-Agenten kommen

Microsoft hat den Copilot, SAP nennt ihn Joule, bei Atlassian ist es Rovo und Salesforce hat kürzlich mit Agentforce eine ganze Plattform an den Start gebracht: Kein Zweifel, die KI-Agenten kommen. Es sind Programme, die wie persönliche Assistenten eigenständig Aufgaben ausführen. Sie fassen Mails zusammen, erstellen Präsentationen, beantworten Nachfragen von Kunden und erstellen eine To-Do-Liste für den anstehenden Tag.

„2025 wird zweifelsfrei das Jahr der KI-Agenten“, sagt Nina Koch, Director Customer Success Central Europe bei Slack. „Nie zuvor gab es eine Technologie, die in der Lage war, komplette, mehrstufige Arbeitsabläufe völlig autonom, von der Entscheidung über die Ausführung bis hin zur Reaktion auf neue Informationen, ohne menschlichen Eingriff durchzuführen.“ Das sieht auch Swen Büttner, Managing Director MGID Deutschland so: „KI-Agenten, fortschrittliche Systeme, die unabhängig arbeiten und Aufgaben eigenständig erledigen, werden sich durchsetzen.“

In Unternehmen könnte das Fachkräftemangel lindern und Kostenthemen dämpfen, vor allem Bereiche wie Kundenservice, Vertrieb und Marketing gelten als Profiteure der Entwicklung. Und in mobilen Version werden die Assistenten zum ständigen Begleiter. Chunyang Chen, Professor für Software Engineering und AI bei der TUM: „Smartphone-Assistenten haben großes Potenzial und werden immer stärker in Arbeitsabläufe integriert.“

2) KI entwickelt synthetische Intuition

Bislang haben multimodale Modelle Text-, Bild und Audiodateien verarbeitet. Jetzt steht die Entwicklung vor einem neuen Sprung. Multimodale Systeme verarbeiten die Datentypen nicht nur, sie entwickeln ein Verständnis für ihre tieferen Zusammenhänge.

„KI-Systeme entwickeln durch die simultane Verarbeitung verschiedener Datentypen eine Art synthetische Intuition“, erklärt Thomas Porwol, Managing Partner Innovation & Digital Experience bei DDB, und nennt auch ein Beispiel: Ein Produkt-Post auf Instagram, kombiniert mit der Tonalität der Kommentare, dem Sharing-Verhalten und aktuellen Verkaufszahlen führt plötzlich zu einem neuen, ganzheitlichen Verständnis von Marktentwicklungen – in Echtzeit.

Oder anders: Ein Modetrend auf TikTok, kombiniert mit Klimadaten und Wirtschaftsindikatoren führt zu präzisen Vorhersagen über kommende Konsumpräferenzen. KI entwickelt also ein intuitives Verständnis von Märkten. „GPT-5 und Google’s Gemini werden wahrscheinlich neue Maßstäbe setzen“, meint Porwol. „Diese nächste Generation wird verschiedene Datentypen nicht nur verarbeiten, sondern wirklich verstehen – von Markttrends bis hin zu kulturellen Verschiebungen.“

3) Das Inference-Tempo nimmt zu

Wenn sich KI-Systeme zu nachdenkenden Einheiten entwickeln, wird sich auch die Reasoning-Time der einzelnen Modelle verringern. Bislang benötigte GPT-4 für komplexe Aufgaben, wie etwa die Ausarbeitung einer Masterarbeit, noch einige Zeit. Dieser Prozess wird sich erheblich beschleunigen, da die Inference-Geschwindigkeit der Lernmodelle immer weiter zunimmt.

„Schon im Jahr 2025 werden wir erleben, wie Large Language Models hochkomplexe Aufgaben in Minuten statt Stunden bewältigen – mit einer Qualität, die heute noch Tage an ‚Denkzeit‘ erfordert“, so Thomas Porwol. „Diese Beschleunigung bedeutet nicht nur schnellere, sondern fundamental bessere Ergebnisse.“ In einem Bruchteil der heutigen Zeit können damit zum Beispiel Verträge juristisch analysiert, technische Konzepte oder strategische Analysen mit allen möglichen Szenarien durchdacht werden.

4) Inhouse-Teams für KI

Vermutlich gibt es kaum eine Agentur, kaum einen Dienstleister mehr, der ohne die Unterstützung von Generativer KI arbeitet. Auch in den Unternehmen findet KI immer mehr Einzug. Im November veröffentlichte das Statistische Bundesamt eine Studie, wonach jedes fünfte Unternehmen KI einsetzt, eine Befragung des Bitkom aus dem Oktober kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Das klingt wenig, ist aber eine deutliche Steigerung zum Vorjahr, die sich weiter fortsetzen wird.

Im Zuge dessen werden 2025 in den Unternehmen verstärkt Inhouse-KI-Teams aufgebaut, vor allem in den Marketing-Abteilungen. Damit, so glaubt Siggi Rakovich, CEO und Gründer von Hunch, werde die Abhängigkeit von traditionellen Agenturen verringert. Die Marketingexperten, auch die in den Agenturen, würden sich zu „Master-Marketern“ weiterentwickeln, die komplette Kampagnenlebenszyklen managen, während sich im Hintergrund die KI um die Routine-Aufgaben kümmert.

Ein Beispiel ist die Erstellung von Websites. Mit intelligenten Tools lassen sich inzwischen relativ einfach Landingpages erstellen. Frank Froux, CEO und Gründer von Matelso: „Mit diesen Tools können Unternehmen ihre Online-Präsenz effizienter gestalten, schneller auf Marktveränderungen reagieren und sich unabhängiger vom Fachkräftemangel machen.“

5) Verstärktes Upskilling

Alle Unternehmen, die KI einsetzen, müssen ihre Mitarbeitenden entsprechend schulen. Das schreibt schon der EU AI Act vor. Dies ist aber nicht der einzige Grund, warum Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen bundesweit deutlich zunehmen werden. KI gilt als Schlüsseltechnologie für Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit, gleichzeitig müssen alle Beteiligten wissen, welche Standards und ethischen Prinzipien einzuhalten sind.

„Fundiertes Wissen darüber, wie und wo man KI im Arbeitsalltag einsetzen kann, wird 2025 zu den wichtigsten Fähigkeiten zählen“, sagt Sven Wiesner, Geschäftsführer von Neon Gold Innovations. „Unternehmen müssen deshalb massiv in passende Weiterbildungsangebote investieren, um in den Teams eine einheitliche Wissensbasis zu schaffen.“ Damit lässt sich auch verhindern, dass sich die Mitarbeitenden in Unternehmen in zwei Lager teilen: Die, die bereits täglich KI nutzen. Und die, die noch Berührungsängste haben und sich möglicherweise von einer wichtigen Entwicklung verabschieden.

6) Governance-Modelle sind gefragt

Der gezielte Kompetenzaufbau bei Anwendern, aber auch unter den Entwicklern, wird also ein Schwerpunkt im Jahr 2025. Dazu kommt: Der EU AI Act verlangt von Unternehmen, neue regulatorische Modelle, die über die bisher üblichen Ansätze hinausgehen. Unternehmen müssen klare Richtlinien, Kontrollmechanismen und Prozesse etablieren, um die Anforderungen des Gesetzes – wie Transparenz, Fairness, Datenschutz und Risikominimierung – zu erfüllen.

„Die Einführung des AI Acts stellt Unternehmen vor die Herausforderung, Governance-Modelle zu implementieren, die aktuell vorherrschende Ansätze deutlich übertreffen“, unterstreicht Andreas Liebl, CEO der Applied AI Initiative. Der EU AI Act werde nach einer etwas schwierigeren „Kennenlernphase“ und der sukzessiven Identifikation von Konfliktpunkten mit bestehenden Regulierungen seine Wirkkraft entfalten, bestätigt Tom Peruzzi, Sprecher der Geschäftsführung und CTO von Virtual Minds.

Das hat gravierende Auswirkungen auf das Datenmanagement. Anwender müssen künftig genau wissen, ob die Trainingsdaten, auf denen die Modelle basieren, vertrauenswürdig, relevant und langfristig zuverlässig sind, betont Anila Shah, Project Lead Digital Strategy & Consulting Esome Advertising Technologies. „Das bedeutet, dass Datentransparenz und -provenienz maßgeblich für Investitionsentscheidungen werden.“

7) Menschliche Expertise wird wichtig

Es mag wie ein Widerspruch klingen. Doch gerade wegen der rasanten technologischen Entwicklung wird die Bedeutung der menschlichen Fähigkeiten und Einschätzungen wieder wichtiger.

Die individuellen Skills an der Mensch-KI-Schnittstelle würden wieder stärker in den Fokus rücken, beobachtet Simon Graff, KI-Experte und Tech-Spezialist. Niedrigschwellige KI-Tools würden zwar für ein schnelles Umsetzen von Ideen und zu einem „generischen Grundrauschen“ führen. Herausstechende Projekte, die KI kreativ und grenzüberschreitend nutzen, werden sich daraus hervorheben. Graff: „Exzellente menschliche Ideen bleiben unersetzlich. Und die Befähigung zur kontrollierten und bewusst-kuratierten KI-Nutzung wird wichtiger denn je.“

Bemerkbar macht sich dieser Wunsch nach menschlicher Expertise auch an anderer Stelle. Denn mit der zu erwartenden Flut an KI-Bots kann beispielsweise im E-Commerce die menschliche Beratung zum Luxus und einem Differenzierungsmerkmal werden. Sören Stamer, CEO und Co-Founder von Core Media: „In Situationen, in denen Automatisierung nicht ausreicht, werden dadurch empathische und persönliche Kundenerlebnisse geschaffen.“

8) Debatte über Öko-Bilanz von KI

Auch wenn das Thema Nachhaltigkeit bei vielen Unternehmen angesichts steigenden wirtschaftlichen Drucks in der Prioritätenliste nach hinten gerückt ist: Im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz wird es in 2025 wieder intensiv diskutiert werden.

Das liegt zum einen an dem immensen Energiebedarf der KI-Modelle, weshalb Microsoft, Google und Amazon tatsächlich darüber diskutieren, Atomenergie einzusetzen. Zum anderen an regulatorischen Anforderungen wie dem EU Act, die eine transparente Bewertung der ökologischen Auswirkungen von KI-Systemen fordern.

Es falle auf, dass sowohl von Angebots- wie auch Nachfrageseite immer mehr Augenmerk auf Lösungswege und Tools gelegt werde, „die energietechnisch und unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten besser vorhersagbar sind und weniger Verbrauch verursachen“, sagt Tom Peruzzi. Anbieter wie Vshosting, die bei ihrem Betrieb der Rechenzentren auf erneuerbare Energien setzen, sehen sich deshalb im Aufwind. „Neben dem alarmierenden Anstieg der Energiekosten rückt für Unternehmen auch der ökologische Fußabdruck, den sie hinterlassen, immer mehr in den Mittelpunkt“, so CEO Damir Spoljaric.

9) Quantencomputing pusht KI

Der Energiebedarf wird auch deshalb steigen, weil Unternehmen wie Google und Microsoft massiv in die Zukunft des Quantencomputings investieren. Es benötigt extrem niedrige Temperaturen, eine spezielle Infrastruktur, aber auch viel Energie. Trotzdem ist die Faszination groß, denn Quantencomputer können viele Zustände gleichzeitig verarbeiten und damit äußerst komplexe Probleme lösen.

Der potenzielle Wert sei unermesslich und reiche von der Beschleunigung der Arzneimittelentwicklung über die genetische Umprogrammierung im Gesundheitswesen bis hin zur Annäherung an die Kernfusion, schreibt Benjamin Bohne, Group Vice President bei Cloudera, in seinen Tech-Trends für 2025. „Im nächsten Jahr wird der erhebliche Einfluss der Quantentechnologie zu einem Wettlauf führen, bei dem Unternehmen mittels der Technologie auch KI-Fähigkeiten verbessern und einen Wettbewerbsvorteil erzielen wollen.“

Die großen Tech-Konzerne stecken deshalb seit Jahren viel Geld in die Forschung von Quantencomputing, auch 2025. Sie versprechen sich von der Technologie auch, dass sie die Rechenleistung im Bereich der Künstlichen Intelligenz nochmal deutlich anschiebt.

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Geschrieben vonHelmut van Rinsum

Fachjournalist

Helmut van Rinsum ist Fachjournalist für Technologie, KI, Medien und Marketing und schrieb unter anderem für Werben & Verkaufen – zuletzt als stellvertretender Chefredakteur – sowie für Internet World und Horizont. Seit 2018 beschäftigt er sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz und gibt den Newsletter und Blog „KI in Marketing“ heraus. Er ist Mitglied eines KI-Kompetenzteams der dfv Mediengruppe und lebt in München.

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