Vor zehn Jahren fiel das Rabattgesetz

Vor zehn Jahren fiel das Rabattgesetz

Vor zehn Jahren wurden Rabattgesetz und Zugabeverordnung in Deutschland abgeschafft. Feilschen will deshalb aber noch immer kaum jemand. Dafür starten Händler eine Rabatt-Aktion nach der anderen.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Diese Frage ist zehn Jahre nach Fall von Rabattgesetzes und Zugabeverordnung am 25. Juli 2001 nicht mehr so einfach zu beantworten. Experten beobachten eine regelrechte Inflation an Preisnachlässen, die auf die Verbraucher zukommt. Doch für so manchen Kunden bedeutet das eher Stress als ein Erfolgserlebnis. Feilschen wollen nur wenige.

"Die Rabattaktionen beginnen immer früher. Man kann es auch anders sagen: Sie hören gar nicht mehr auf", schildert der Deutschland-Chef der Werbeagenturgruppe Grey, Uli Veigel. Es gehe längst nicht mehr nur um Sommermode, die zum Saisonende mit Prozenten verkauft wird.

Rabatte in allen Farben und Formen

Rabatte gebe es heute in verschiedenen Formen - vom Rabattmarkenheft über Bonussysteme bis hin zu Vorteilen für eine Weiterempfehlung im Internet. "Wir haben ganz eindeutig eine Rabatt-Inflation", meint Veigel. Das Schnäppchen-Portal Groupon sieht der Werbeexperte als ein Paradebeispiel für das stark wachsende Angebot. Neurowissenschaftler sagten, Rabattaktionen aktivierten das Belohnungszentrum im Kopf.

Sind die Deutschen ein Volk von Schnäppchenjägern, wie häufig behauptet wird? "Rabatt ist für die Verbraucher ein zweischneidiges Schwert", meint der Konsumpsychologe Stephan Grünewald vom Kölner Institut Rheingold. Sie begrüßten ein Entgegenkommen der Händler, wollten aber nicht in die Position geraten, selber feilschen zu müssen wie auf dem Basar.

"Sommerschlussverkauf und Winterschlussverkauf stammen noch aus einer Zeit, in der die Textilwirtschaft in zwei Saisons gedacht hat. Heute gibt es sechs, acht oder mehr Kollektionen im Jahr", erläutert Handelsexperte Thomas Harms von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Zwei Termine für Schlussverkäufe reichten deshalb nicht mehr aus. Reduzierte Ware könne man heute zu jeder Zeit finden.

SSV und WSV sind nach wie vor wichtig

Dennoch seien SSV und WSV weiter wichtig, um die Lager zu räumen. Mit Rabatten vor den gewohnten Terminen der Schlussverkäufe versuchten Unternehmen, die Kauflust frühzeitig auf sich zu ziehen und damit noch größere Preisabschläge bei einem Teil der Ware zu vermeiden.

"Der Handel hat kein Interesse daran, Produkte zu verramschen, aber saisonal bedingt Kundenanreize zu geben", betont Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland. In Zeiten des Rabattgesetzes seien Preisnachlässe stark reglementiert gewesen, der Fokus habe auf den Schlussverkäufen gelegen. Diese seien noch in den Köpfen der Kunden. Heute gebe es über das ganze Jahr vielfältige Rabattformen. Die Preisaktionen im Sommer richteten sich in vielen Bundesländern nach dem Ferienbeginn. "Die aktuellen Nachlässe leiten den Sommerschlussverkauf ein, der Ende Juli sein Finale hat", sagt Genth.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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