
Warum sich Preisdynamiken im B2B-Handel gerade grundlegend verschieben
Was auf den ersten Blick wie ein Vorteil wirkt, entwickelt sich in der Praxis zunehmend zum Problem: Häufig wechselnde Preise und Aktionen können den Absatz zwar kurzfristig steigern, erhöhen aber gleichzeitig die operative Komplexität.
Andreas ReuterCEO Schäfer Shop GroupDenn die damit verbundenen Herausforderungen sind oft nicht sofort sichtbar: Unternehmen müssen mit schwankenden Bestellvolumina umgehen, Prozesse permanent anpassen und Kapazitäten flexibel vorhalten. Das betrifft nicht nur den Vertrieb, sondern insbesondere die nachgelagerten Bereiche – von der Disposition bis zur Auslieferung. Die Folge: Ein erheblicher Teil der Kosten entsteht nicht durch den Preis selbst, sondern durch die Dynamik, mit der er gesteuert wird.
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein anderer Aspekt an Bedeutung: Verlässlichkeit.
Stabilität wird zum Wettbewerbsfaktor
Gerade im B2B-Kontext, in dem Beschaffungsprozesse häufig mehrstufig organisiert sind, ist ein stabiler Rahmen wichtiger als kurzfristige Preisvorteile. Wenn Preise konstant bleiben, reduzieren sich Abstimmungsaufwände, Genehmigungsprozesse werden planbarer und Einkaufsentscheidungen lassen sich effizienter treffen. Das verändert die Perspektive auf den Preis grundlegend. Er wird weniger als Instrument zur Steuerung von Nachfrage verstanden, sondern stärker als Ergebnis stabiler Prozesse – die Grundlage, um dauerhaft wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können.
Gleichzeitig gewinnen datenbasierte Pricing-Modelle und KI-gestützte Preissteuerung im B2B-Handel an Bedeutung. Dynamische Preise können helfen, Nachfrage kurzfristig zu steuern oder Marktveränderungen schneller abzubilden. Allerdings steigt damit häufig auch die operative Komplexität. Entscheidend wird deshalb weniger die Frage, ob Preise dynamisch gesteuert werden, sondern wie stabil die dahinterliegenden Prozesse organisiert sind.
Der Blick verschiebt sich in Richtung Wertschöpfung
Mit dieser Entwicklung rücken andere Fragen in den Vordergrund:
Wo entstehen Kosten tatsächlich? Und welche Faktoren lassen sich überhaupt nachhaltig beeinflussen?
Ein zentrales Thema ist dabei die Komplexität von Sortimenten. Viele Handelsmodelle wachsen über Jahre hinweg – mit einer Vielzahl ähnlicher Produkte, die jeweils nur geringe Volumina erreichen. Das erhöht nicht nur die Kapitalbindung, sondern erschwert auch die Steuerung entlang der gesamten Lieferkette.
Auch die Struktur von Lieferantenbeziehungen gewinnt an Bedeutung. Während eine breite Aufstellung kurzfristig Flexibilität verspricht, zeigt sich in der Praxis häufig ein gegenteiliger Effekt: steigender Koordinationsaufwand, uneinheitliche Qualitätsniveaus und begrenzte Einflussmöglichkeiten auf Prozesse.
Ein weiterer Aspekt, der im E-Commerce-Kontext oft unterschätzt wird, ist die operative Abwicklung. Kosten entstehen nicht nur beim Einkauf, sondern vor allem in der Logistik: in der Anzahl der Sendungen, im Umgang mit Verpackung, in der Fehleranfälligkeit von Prozessen. Auch Retouren spielen eine zentrale Rolle – insbesondere dann, wenn sie durch unklare Produktinformationen verursacht werden. Unternehmen, die diesen Faktoren systematisch auf den Grund gehen und Prozesse – wo möglich – verbessern, verändern ihre Kostenbasis nachhaltig. Der Effekt zeigt sich nicht unmittelbar im einzelnen Produktpreis, wohl aber in der Gesamtwirtschaftlichkeit des Geschäftsmodells.
Praxisbeispiel: Wie Schäfer Shop in der Logistik und Lagerhaltung arbeitet, um stabile Preise zu ermöglichen – insbesondere im Schnelllieferbereich
- Kontrolle und Überwachung: Das Eigentum und die Kontrolle über Lager und Logistik ermöglichen es, die gesamten Prozesse nicht nur zu überwachen, sondern auch punktgenau anzupassen, um den spezifischen Bedürfnissen des Unternehmens zu entsprechen.
- Schnelle Reaktionszeit: Ein eigenes Lager kann im Falle von plötzlichen Nachfragespitzen schneller reagieren. So können Bestände schnell aufgestockt oder Sonderangebote eingelagert werden.
- Qualitätskontrolle: Mit einer eigenen Lagerhaltung kann sichergestellt werden, dass die Lagerungsprozesse hohe Qualitätsstandards erfüllen.
- Kostenkontrolle: Obwohl eine eigene Lagerhaltung zunächst teuer erscheint, lassen sich die Kosten langfristig senken - durch die Kontrolle und Optimierung von Prozessen.
- Kundenservice: Lieferprozesse sind maßgeschneidert. Nur so kann eine hervorragende Kundenerfahrung gewährleistet werden. Beispielsweise wird so ermöglicht, spezielle Verpackungen oder andere individuelle Dienstleistungen anzubieten.
- Schutz vor Lieferkettenunterbrechungen: Dank eigener Lagerhaltung herrscht weniger Abhängigkeit von externen Lieferketten; somit ist eine zeitnahe Reaktion auf Unterbrechungen gewährleistet.
Differenzierung statt Einheitsstrategie
Parallel dazu wird auch die Frage nach Beschaffungsregionen neu bewertet. Globale Lieferketten bieten weiterhin Vorteile, insbesondere bei standardisierten Produkten. Gleichzeitig gewinnen regionale Strukturen dort an Bedeutung, wo Reaktionsgeschwindigkeit, Qualitätssicherung und Prozessstabilität entscheidend sind.
Die Herausforderung besteht darin, diese Faktoren nicht isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenspiel. Ein niedriger Einstandspreis verliert an Bedeutung, wenn er mit höheren Risiken oder zusätzlichem Steuerungsaufwand einhergeht.
Zwischen kurzfristigem Impuls und langfristiger Struktur
Preis bleibt im B2B-Handel ein zentrales Wettbewerbsinstrument – und Rabattmechaniken werden auch künftig eine Rolle spielen. Entscheidend ist jedoch, ob sie weiterhin als primäres Steuerungsinstrument eingesetzt werden oder sich in ein stabiles, effizientes Gesamtsystem einfügen.
Der Aufbau solcher Strukturen ist anspruchsvoll: Er erfordert Zeit, Investitionen und die Bereitschaft, bestehende Prozesse konsequent zu hinterfragen. Gleichzeitig zeigt sich, dass kurzfristige Maßnahmen zwar Impulse setzen können, die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit jedoch maßgeblich von der Qualität der zugrunde liegenden Prozesse abhängt.
Unternehmen, die ihre Wertschöpfung konsequent auf Effizienz und Stabilität ausrichten, reduzieren nicht nur Kosten, sondern auch ihre Abhängigkeit von kurzfristigen Preismaßnahmen. Preis wird damit weniger zum Mittel der Reaktion – sondern zunehmend zum Ergebnis einer durchdachten, belastbaren Struktur.

CEO Schäfer Shop Group
Andreas Reuter ist CEO der Schäfer Shop Group und blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung im B2B-Handel zurück. Nach seiner Ausbildung zum Handelsfachwirt war er über zehn Jahre bei Staples tätig, zuletzt als Geschäftsführer, und führt seit 2012 die SSI Schäfer Shop GmbH.
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