
Low Code verändert die Spielregeln
Wie lassen sich ein Online-Shop und ein ERP-System am besten miteinander verbinden? ERP-Spezialist Udo Hensen schwört auf Low Code. In seinem Gastbeitrag erläutert er, warum: Weil es eine zentrale Datenhaltung bei gleichzeitiger nahtloser Integration ermögliche.
Für professionellen E-Commerce ist die Verbindung von Online-Shop und ERP-System ein entscheidender Schritt. Nur so lassen sich Geschäftsprozesse automatisieren, Lagerbestände aktuell halten und Produktdaten zentral verwalten. Doch die Integration der beiden Systeme ist nicht trivial.
Viele Händler glauben, es reiche, Bestellungen aus dem Webshop ins ERP-System zu importieren. Diese oberflächliche Integration nutzt jedoch nur einen Bruchteil des möglichen Potenzials. Eine vollständige Integration umfasst weit mehr: die Synchronisation von Stammdaten, Preisen, Lagerbeständen und Produktinformationen zwischen den Systemen. Ansonsten entstehen Datensilos, die manuelle Eingriffe erfordern und Fehlerquellen darstellen.Zwei Systeme, zwei Sprachen
Hat man sich für ein ERP-System neben dem Online-Shop entschieden, kommt die erste Herausforderung: Die Systeme „sprechen“ oft nicht die gleiche Sprache. Datenformate und Strukturen unterscheiden sich, was den automatisierten Austausch erschwert. Der Datentransfer erfolgt unvollständig, wichtige Informationen gehen verloren oder werden falsch zugeordnet.
Ein typisches Beispiel: Während ein System Straße und Hausnummer in einem gemeinsamen Feld speichert, verlangt das andere separate Felder – was ohne vorherige Datenaufbereitung zu Problemen führt. Meistens werden hierfür Schnittstellen programmiert. Es gibt aber immer noch Händler, die den Import/Export über „Excel“ nutzen.
Unklare Verantwortlichkeiten bei der Datenpflege
Wer zwei Systeme betreibt, muss klar das für die Datenpflege verantwortliche System festlegen. Führende Shopsysteme verwalten alle Artikeldaten – genau wie ERP-Systeme. Doch nur ein System kann die Datenhoheit besitzen, sonst gibt es Chaos durch doppelte Datenpflege und Inkonsistenzen. Viele Händler schalten deshalb noch ein PIM-System (Product Information Management) dazwischen. Die Aufgabe: alle produktbezogenen Informationen zentralisieren, anreichern, verwalten und konsistent, aktuell und qualitätsgesichert an diverse Vertriebs- und Marketingkanäle auszuspielen.
Auch technische Hürden spielen eine Rolle. Branchenübliche ERP-Systeme lassen sich oft nur mit hohem Aufwand an die Händler-Bedürfnisse anpassen. Die Flexibilität fehlt, wenn individuelle Geschäftsprozesse abgebildet werden sollen.
Low-Code als Gamechanger für die Integration
Moderne Low-Code-Plattformen verbessern die Art und Weise, wie ERP-Systeme und Webshops zusammenarbeiten. Sie bieten eine visuelle Entwicklungsumgebung, in der komplexe Prozesse per Drag-and-Drop vorgefertigter Bausteine zusammengebaut werden. Dies ermöglicht eine vollständige Anpassung des ERP-Systems an die spezifischen Anforderungen des Webshops. Statt sich mit starren Standardlösungen abzufinden, können Unternehmen Prozesse individuell gestalten und in Einzelteile zerlegen, um sie neu zusammenzusetzen.
Mit einem Low-Code-ERP wird die Datenkonkurrenz zwischen Systemen beseitigt. Das ERP übernimmt die zentrale Rolle bei der Datenverwaltung und sogar die Funktionen eines PIM-Systems. Bilder, Videos und detaillierte Produktinformationen finden ihren Platz im ERP-System.
Keine Redundanzen mehr
Das eliminiert Redundanzen und stellt sicher, dass alle Systeme mit konsistenten Daten arbeiten. Durch die zentrale Steuerung im ERP werden auch kritische Geschäftsprozesse wie Rechnungsstellung, Zahlungsverfolgung, Retouren- und Gutschriftenmanagement sowie die gesamte Lagerverwaltung effizienter koordiniert. Änderungen an Produktdaten, Preisen oder Lagerbeständen werden sofort in allen angebundenen Systemen synchronisiert. Bestelldaten werden nicht nur übertragen, sondern automatisch um zusätzliche Informationen angereichert. Die Bestellabwicklung, vom Eingang bis zum Versand, lässt sich automatisieren und mit intelligenten Workflows optimieren.
KI-Funktionen erweitern das Potenzial zusätzlich. KI kann bei der automatisierten Rechnungsverarbeitung eingesetzt werden, indem sie relevante Informationen erkennt und an den Workflow zur Genehmigung und Zahlung übergibt.
Heute werden KI-Systeme bereits bei der Erkennung und Verarbeitung von Bestellungen per Sprachnachricht oder Supportanfragen per Chat eingesetzt. Intelligente Algorithmen erkennen Inhalte, klassifizieren Anliegen und leiten sie an die richtigen ERP-Prozesse weiter. Das bedeutet: Bestellungen, Reklamationen oder Anfragen landen automatisiert im System – ohne manuelles Eingreifen.
Fazit: Low-Code als Schlüssel
Die Integration von Webshop und ERP-System muss keine komplexe Herausforderung mehr sein. Mit Low-Code wird sie sehr einfach, mit zentraler Datenhaltung, nahtloser Prozessintegration und umfassender Automatisierung. Die Flexibilität, Kosteneffizienz und schnelle Implementierung machen Low-Code zur Lösung für Händler, die ihren E-Commerce vollständig in ihre Unternehmensabläufe integrieren möchten, ohne dabei Kompromisse bei der Funktionalität eingehen zu müssen.
Gastautor
Udo Hensen ist Geschäftsführer des Softwareanbieters GEBRA-IT mit Sitz in Aachen.
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