
Wetterkapriolen setzten Spargelbauern zu
Die Spargelerzeuger in Deutschland blicken auf ein durchwachsenes Geschäft. Fein raus waren diejenigen, die das Edelgemüse früher aus der Erde und damit auf den Markt brachten.
Björn BöerChefredakteurMichael Koch von der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI hat ein ähnliches Bild. So hätten die Verbraucher in diesem Mai rund zehn Prozent weniger Spargel eingekauft als vor einem Jahr. Die AMI beobachtet die Spargelpreise bundesweit. Mit im Schnitt 7,20 Euro pro Kilogramm weißen deutschen Spargel kostete das Edelgemüse demnach diese Saison so viel wie wohl nie zuvor. Damit lagen die Kosten für die Verbraucher im Vergleich zum Vorjahr 50 Cent (8 Prozent) höher.
Gespaltene Saison
Doch auch Koch berichtet von der gespaltenen Saison nach Pfingsten. Vieles habe am durchwachsenen Wetter gehangen. Fred Eickhorst von der Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen - dem wichtigsten Land der Branche - warnt aber: 7,20 Euro seien ein Durchschnittswert, der für Verbraucher nur bei einem über die Saison konstanten Konsum realistisch sei. Aus Erzeugersicht gäben Preis mal vermarktete Menge den Ausschlag. Viele hätten versucht, die Mengen zu Pfingsten zu steigern, was oftmals erst für die Zeit danach glückte, wo dann aber der Absatz in den Keller ging und große Erntemengen blieben.
Auch die Festtage spielen eine wichtige Rolle als Termine, die stets Absatz-Höhepunkte der Saison markierten. Gemüsebau-Fachmann Winkhoff sagt, dass Ostern Ende März diesmal so früh lag, dass praktisch noch kaum ein Landwirt liefern konnte. Generell sei die Saison zudem wegen der Temperaturen später gestartet. "Die Witterungsverhältnisse richten sich ja nicht nach dem Kirchenjahr." Klar sei, dass Erzeuger mit Dreifachfolie diesmal die Gewinner gewesen seien - sie bauen eine Art Treibhauseffekt auf, der den Spargel früher aus der Erde treibt.
Örtlich habe der Starkregen den Spargelkulturen verheerende Schäden gebracht. "Vor allem in Westfalen", sagte Winkhoff. Wie riskant das Wetter ist, zeigte sich auch in Franken: Die Hitzewelle im August des Vorjahres - nach dem Ende der Saison - habe den Pflanzen mit extremen Temperaturen so zugesetzt, dass sich das bei der Ernte 2016 rächte.
Arrangiert haben sich die Erzeuger laut Winkhoff übrigens mit dem Mindestlohn. "Ich habe keine großen Klagen vernommen." Aber die Lohnuntergrenzen dürften Nebeneffekte haben: mehr Mechanisierung und mehr Tempo für den Trend zu größeren Betrieben. "Der Mindestlohn wird den Strukturwandel eher befördern." Kleinere Betriebe, für die neue Investitionen schwieriger seien, hörten deswegen womöglich eher auf.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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