"Wir haben zu viel Warenhausfläche"

"Wir haben zu viel Warenhausfläche"

Joachim Stumpf, Chef der Handelsberatung BBE München, über seine Sympathien für die neue Karstadt-Chefin Sjöstedt sowie die Zukunft von Warenhäusern.

Steffen GerthSteffen GerthRedakteur Der Handel und etailment
3 Min.· Aktualisiert am
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Karstadt hatte schon vor Jahren den Filialleitern mehr Eigenständigkeit versprochen. Passiert ist freilich nichts.
Das stimmt. Bisher hatte das Thema aber offensichtlich nicht diese Gewichtung.

Sie erwarten jetzt regelrechte unternehmerische Freiheiten für die Filialleiter?
Diese werden zur Umsetzung der regionalen Ausrichtung zwangsläufig nötig sein, ohne würde es nicht gehen. Im Prinzip könnte Karstadt künftig wie eine Verbundgruppe agieren, als eine große Dachmarke, unter der viele kleine Unternehmer, in dem Fall Filialleiter, zusammengeschlossen sind.

Verbundgruppen tun sich wiederum sehr schwer, Onlinemodelle zu entwickeln, die das stationäre Kerngeschäft nicht gefährden.
Die Verzahnung von online und offline ist auch für Karstadt eine eigene Herausforderung. Von Vorteil ist, dass Frau Sjöstedt in ihrer vorherigen Tätigkeit bei Ikea bereits ein Multichannelkonzept umgesetzt hat. Diese Erfahrungen sind auf alle Fälle vorteilhaft.

Frau Sjöstedt sagt auch, dass keine Schließungen von Karstadt-Filialen bevorstünden. Glauben Sie das?
Nein. Wir haben in Deutschland immer noch zu viele Warenhausstandorte. Das betrifft Karstadt und Kaufhof gleichermaßen. Es gibt jede Menge Standorte, wo aufgrund der Wettbewerbssituation - etwa durch innerstädtische Center-, Warenhäuser einfach keinen Sinn mehr ergeben. Zumindest nicht mehr in der Anzahl. Denn vielerorts liegen ja Kaufhof und Karstadt Tür an Tür.

An welche Städte denken Sie?
Dazu möchte ich mich lieber nicht äußern, das würde zu viel Unruhe erzeugen. Aber vielleicht ein Beispiel aus München: Hier gibt es den Karstadt am Bahnhof mit mehr als 40.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Wenige Meter weiter, am Marienplatz, ist ein Kaufhof mit 23.000 Quadratmeter. Am Stachus residiert wieder ein Kaufhof. Und das Karstadt-Premiumkaufhaus Oberpollinger liegt mittendrin. Gut 20 Prozent der innerstädtischen Einzelhandelsfläche entfallen in München auf Warenhäuser. Aber, bundesweit betrachtet, haben die Warenhäuser nur noch 1,8 Prozent Marktanteil am Einzelhandel. Also müssen diese Flächen zukünftig nicht mehr in dieser Anzahl als Warenhaus betrieben werden.

Würde man diese Häuser schließen, wäre das aber ein Desaster für die Mitarbeiter.
Wieso? Das sind doch alles gute Standorte, an denen künftig neue, aber attraktivere Handelsformate mit den entsprechenden Arbeitsplätzen entstehen können. Es wird zu einer Reduzierung der Warenhäuser kommen, aber es gibt für die meisten gute Nachnutzungskonzepte.

Frau Sjöstedt räumt ein, dass Karstadt nicht viel investieren kann. Die aktuellen Zahlen zum Geschäftsjahr 2011/2012 sind desaströs. Die Frau ist zu bemitleiden. Welche Chancen hat sie eigentlich noch?
Es kommt darauf an, welche Geschwindigkeit sie an den Tag legen kann, um ihre Veränderungen durchzusetzen. Aber sie steht einem Apparat vor, der schwer zu bewegen ist.

Und sie muss die demoralisierten Mitarbeiter mitnehmen. Doch die hoffen ja erst einmal, dass sich das Unternehmen mit Verdi auf einen neuen Tarifvertrag einigt.
Frau Sjöstedt muss jetzt schnell messbare Erfolge erzielen. Beim Sortiment, beim Umsatz. Es gab früher zu viele leere Versprechungen bei Karstadt, und deswegen sind die Mitarbeiter jetzt extrem misstrauisch.

Interview: Steffen Gerth
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Steffen Gerth
Geschrieben vonSteffen Gerth

Redakteur Der Handel und etailment

Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.

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