
"Wir sind vom Weihnachtsmann nicht enttäuscht worden"
Was für ein fulminantes viertes Adventswochenende für den Einzelhandel. Die Verbraucher zeigten sich in bester Kauflaune, als ob es keine Wirtschaftskrise geben würde.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentJuweliere und Parfümerien profitieren
Mit dem bisherigen Verlauf des Weihnachtsgeschäftes zeigen sich die Händler nach HDE-Angaben weiterhin zufrieden. Hoffnungsvoll blickten sie auf die verbleibenden Verkaufstage bis Heiligabend, an denen neben Geschenken erfahrungsgemäß vor allem Lebensmittel gekauft würden.
Von guten Geschäften hätten Juweliere, Sport- und Spielwarenhändler sowie Unterhaltungselektronikläden und Parfümerien profitiert. Verhaltener zeigte sich den Angaben zufolge der Bekleidungshandel, der unter der milden Witterung leide. Am vierten Adventswochenende seien Bücher, Markenuhren, teurer Schmuck, Küchengeräte und Elektronikartikel Verkaufsschlager gewesen. An der Umfrage des HDE hätten sich 500 Einzelhandelsunternehmen beteiligt.
"Ein versöhnlicher Jahresabschluss"
Der Präsident des hessischen Einzelhandelsverbandes und Frankfurter Parfümeriehändler Frank Albrecht sagte, der Trend müsse nun in das kommende Jahr hinüber gerettet werden. "Der Dezember bescherte uns ein leichtes Umsatzplus und ist ein versöhnlicher Abschluss für ein schwieriges Jahr", bilanzierte der Vorsitzende des Thüringer Einzelhandelsverbandes, Arnold Senft. Er kritisierte die immer neuen Horrorszenarien für die Finanzkrise. "Wenn man immer alles noch schlechter redet, glauben es die Menschen gegen ihr eigenes Empfinden irgendwann."
Der Geschäftsführer des Landesverbands des Bayerischen Einzelhandels (LBE), Bernd Ohlmann, sagte in München: "Wir haben an den Weihnachtsmann geglaubt und sind bislang nicht enttäuscht worden." Die Bayern seien trotz aller Unkenrufe nicht in den Geschenke-Streik getreten. "Weihnachten ist immer noch ein Fest, an dem die Leute sich ein Stück weit von der Realität entfernen und sich etwas gönnen", betonte der Magdeburer Karstadt-Filialleiter Rolf Lay.
Finanzkrise, aber keine Konsumkrise
Auch in anderen Städten freuten sich die Händler über volle Geschäfte am Wochenende. Die Geschäftsleitung der Galeries Lafayette an der Friedrichstraße war zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft. "Der Umsatz ist wie im Vorjahr", sagte Geschäftsleiter Christopaö Carbon der "Berliner Morgenpost". Ähnlich fiel die Bilanz im Elektronikfachmarkt Saturn im Europa-Center aus. Geschäftsführer Asmir Suceska: "Es ist besser als im Vorjahr."
Diese Kauflaune herrschte auch im Norden Deutschlands. "Die Finanzkrise ist noch nicht zur Konsumkrise geworden", bilanzierte der Geschäftsführer des Hamburger Einzelhandelsverbands, Ulf Kalkmann. "Insbesondere der Start ins Weihnachtsgeschäft in den ersten 14 Tagen war deutlich besser als erwartet", sagte Hans Frick, Präsident des Einzelhandelsverbands Nord für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Zum Monatsende hätten sich die Umsätze ein wenig abgeschwächt. Die Chancen seien aber gut, dass man das Ergebnis des Vorjahres wieder erreichen werde, wird Frick auf dem Internetportal "MWregio" zitiert.
Leicht über Vorjahresniveau
Auch kleinere Fachhändler beendeten das letzte Adventswochenende mit einer positiven Bilanz. "Wir sind sehr zufrieden. Was wir uns vorgenommen hatten, konnten wir erreichen. Unsere Umsätze dürften leicht über Vorjahresniveau liegen", sagte Naser Selmanaj zu Der Handel, der zusammen mit Michaela Niemczyk in der Darmstädter Innenstadt das Modegeschäft Mamacita betreibt.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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