
Xiaomi überrumpelt den Smartphone Markt - mit E-Commerce pur
Die Positiv-Meldungen über den chinesischen Mobilgeräte-Konzern reißen nicht ab. Das Geschäft boomt und Xiaomi-Chef Lei Jun wird nicht nur in der Heimat als Steve Jobs von China betitelt. Der Erfolg basiert dabei vor allem auf einer klugen E-Commerce-Strategie.
Ende letzten Jahres erst wurde bekannt, dass das Unternehmen in einer Finanzierungsrunde rund eine Milliarde Dollar sammeln konnte. Die Bewertung stieg demnach nach eigenen Aussagen auf 45 Milliarden Dollar. Damit wäre Xiaomi mehr wert als die Taxi-Alternative Uber, die gerade weltweit expandiert. Im neuen Jahr folgte jetzt die Meldung, dass 2014 dreimal so viele Smartphones verkauft wurden als im Jahr zuvor. In Zahlen: 2013 waren es 19 Millionen verkaufte Geräte, 2014 schon 61 Millionen. Man darf davon ausgehen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Nach Apple und Samsung ist Xiaomi damit quasi von Null auf Platz drei gerückt. In fünf bis zehn Jahren will der chinesische Smartphone-Hersteller weltweit die Nummer eins sein, so Firmenchef Lei Jun.
Die Erfolgsstrategie: Billigpreise und E-Commerce pur
Aber warum ist der Hersteller, der mit Apple-Klonen die Massen begeistert, so erfolgreich? Natürlich liegt es einerseits am Preis: Das Smartphone mit dem Android-basierten Betriebssystem Miui, das sich nicht vor den Samsung Galaxy-Geräten oder dem iPhone verstecken braucht, kostet mit circa 300 Dollar nicht mal die Hälfte. Die Billig-Smartphones und -Tablets zielen somit auf eine noch größere Zielgruppe ab, die beispielsweise Apple aufgrund einer stolzen Preiskultur nicht erreicht. Und weil die Geräte ja so billig sind, könnte man auch gleich noch zu einem mobilen Akkuladegerät (Powerbank), zu Kopfhörern oder anderem Zubehör greifen. Das zumindest ist die Strategie von Xiaomi. Der Haken an den Billig-Preisen: Obwohl sich der Umsatz im letzten Jahr mehr als verdoppelt hat (knapp 10 Milliarden Euro), kann der Gewinn noch nicht vollends überzeugen. Er wird auf 50 Millionen Euro geschätzt. Dabei soll es selbstverständlich nicht bleiben. Die Einnahmen sollen etwa Werbung oder kostenpflichtige Zusatzangebote weiter sprudeln.
Wenn Xiaomi seinen Wachstumskurs fortsetzen will, dann muss die globale Expansion auf die Agenda. Davon hat auch CEO Lei Jun schon gesprochen. Die Frage ist nur, ob die geklonten Geräte einer Firma, die keine oder kaum Patente besitzt, in anderen, reicheren Ländern eine Chance hat. Erste Klagen wegen einer Patentverletzung haben die Chinesen schon erreicht. Und wer die Verkaufszahlen kennt, der weiß, dass Apple- und Samsung-Geräte in westlichen Gegenden nicht nur aufgrund ihrer technischen Reize begehrt sind. Sie sind gerade bei den jungen Menschen zum Lifestyle-Produkt geworden. Xiaomi-Geräte stehen allerdings bisher weniger für Lifestyle als für eine günstige Alternative, die einen hungrigen chinesischen Markt befriedigt.