
Wero, Douglas, Wachstum, Amazon Now, China, Tiktok, KI-Agenten, Luftfracht, Youtube, Glasfaser
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteurHANDEL NATIONAL
Zwei Millionen Wero-Nutzer suchen nach Buttons
Die Sparkassen erreichen demnächst zwei Mio. registrierte Wero-Nutzer, berichtet Platow.de. Die Anbindung von Online-Shops verlaufe allerdings holprig: Zwar habe die European Payments Initiative fast 150 Händler angeschlossen, bei vielen Shops fehlten jedoch die entsprechenden Wero-Buttons. Kunden könnten das europäische Bezahlsystem deshalb noch nicht nutzen. Der übliche IT-Freeze zum Jahresende habe die technische Integration zusätzlich gebremst.
Douglas spürt die Schnäppchenjagd im Geldbeutel
Preisbewusste Kunden haben bei Douglas im Weihnachtsquartal die Gewinnmarge schrumpfen lassen, wie Fashionnetwork.com berichtet. Der Umsatz sei im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember um 1,7 Prozent auf 1,67 Mrd. Euro gestiegen, die operative Marge aber auf 19,9 Prozent gefallen – Analysten hätten 20,8 Prozent erwartet. Singles‘ Day und Black Week hätten zwar funktioniert, aber Käufe vorverlagert. CEO Sander van der Laan halte trotzdem an der Jahresprognose von 4,65 bis 4,8 Mrd. Euro Umsatz fest.
IWF hebt Deutschland-Prognose an
Der Internationale Währungsfonds erwartet für Deutschland 2026 ein Wachstum von 1,1 Prozent, berichtet ZDFheute.de. Damit korrigiere der IWF seine Oktober-Prognose um 0,2 Prozentpunkte nach oben. Staatliche Milliardenausgaben würden kurzfristig Auftrieb geben und drohende US-Zölle abfedern. Die Bundesrepublik verlasse damit das Schlusslicht der G7-Gruppe. Als Risiko für die Weltwirtschaft nenne der IWF allerdings eine mögliche KI-Blase, deren Platzen zu Investitionsrückgang und Marktkorrekturen führen könne.
HANDEL INTERNATIONAL
London: Amazon Now startet now
Amazon hat in London seinen Quick-Commerce-Service „Amazon Now“ gestartet, berichtet Ecommercenews.eu. Alltagsprodukte würden dort binnen 30 Minuten ausgeliefert. Der Service sei vollständig in die Amazon-Plattform integriert – anders als der Vorgänger „Prime Now“. 57 Teams hätten in sechs Monaten das Fundament für die weitere Expansion gelegt, allerdings sei noch ein dichtes Netz kleinerer Fulfillment-Standorte für die europaweite Expansion nötig.
Chinas Wirtschaft ist im vierten Quartal 2025 mit 4,5 Prozent so langsam gewachsen wie seit dem Ende des Corona-Lockdowns vor drei Jahren nicht, meldet das Manager-Magazin. Für das Gesamtjahr werde die Regierung mit 5,0 Prozent dennoch ihr Ziel erreichen, gestützt durch robuste Exporte. Fallende Immobilienpreise, ein angespannter Arbeitsmarkt und überschuldete Lokalregierungen bremsten jedoch die Kauflaune der Verbraucher. Die Weltbank prognostiziere für 2026 ein Wachstum von 4,4 Prozent, Goldman Sachs zeige sich mit 4,8 Prozent etwas optimistischer – warne aber, der Umbau zu einer konsumgetriebenen Wirtschaft dauere Jahrzehnte.
Tiktok Shop baut lokale Fulfillment-Zentren in Spanien, Deutschland und Italien auf, wie Retail-News.de berichtet. Händler könnten ihre Waren dort einlagern, die Plattform übernehme dann Lagerung, Versand und Retouren. Das Modell richte sich vor allem an chinesische Anbieter, für die Europa bislang wegen langer Lieferzeiten und komplizierter Mehrwertsteuerregelungen ein schwieriger Markt sei. Die Teilnahme erfolge nur auf Einladung und setze Lagerbestand in Europa sowie gültige Umsatzsteuerregistrierungen voraus.
Amazon bleibt Amerikas Produktsuchmaschine Nummer eins
Amazon bleibt in den USA die dominante Produktsuchmaschine, doch der Vorsprung schrumpft, berichtet Practicalecommerce.com. Eine Jungle-Scout-Umfrage zeige, dass nur noch 56 Prozent der US-Shopper ihre Produktsuche auf Amazon starteten – 2022 seien es noch 61 Prozent gewesen. Grund für die bisherige Dominanz seien Prime-Mitgliedschaft, über 600 Mio. Produkte von Drittanbietern, Vertrauen und die Menge an Bewertungen. KI-Commerce und Social-Plattformen wie Tiktok höhlten jedoch Amazons Position aus: KI-Assistenten erstellten Produktlisten aus verschiedenen Quellen, während jüngere Käufer auf Instagram und Youtube fänden, was sie suchten, um danach Amazon nur zur Abwicklung zu nutzen.
TRENDS & TECHNOLOGIE
KI-Agenten bleiben Pilotprojekte: Nur elf Prozent produktiv
Fast drei Viertel der Unternehmen sehen eine Kluft zwischen Vision und Realität beim Einsatz von KI-Agenten, zeigt eine Studie von Camunda. Obwohl 71 Prozent der 1.150 befragten Entscheider aus Deutschland, USA, Großbritannien und Frankreich angäben, KI-Agenten zu nutzen, erreichten lediglich elf Prozent dieser Anwendungen die Produktionsreife. Dabei setzten 80 Prozent hauptsächlich einfache Chatbots ein, während geschäftskritische Prozesse gemieden würden. Dieses mangelnde Vertrauen bremse die Umsetzung: 84 Prozent befürchteten geschäftliche Risiken ohne ausreichende IT-Kontrollmechanismen, 80 Prozent vermissten Transparenz bei der KI-Nutzung.
Unternehmen investieren hunderte Stunden wöchentlich in die Korrektur mangelhafter KI-Inhalte, zeigt eine Untersuchung von Zapier laut Techradar.com. 58 Prozent der Befragten würden mehr als drei Stunden pro Woche mit Nachbearbeitung verbringen, 35 Prozent sogar über fünf Stunden. Nur zwei Prozent der Mitarbeiter könnten KI-Outputs ohne Revision verwenden. Die fehlerhaften Ergebnisse hätten bereits zu abgelehnten Projekten, Sicherheitsvorfällen und Kundenbeschwerden geführt. Die Lösung liege in verpflichtendem Training: 94 Prozent der geschulten Mitarbeiter sähen Produktivitätssteigerungen, bei den Ungeschulten seien es nur 69 Prozent.
Luftfracht: E-Commerce wächst schneller als Sicherheitsstandards
E-Commerce macht bereits ein Fünftel der globalen Luftfracht aus und könnte sich bis Mitte der 2030er verdoppeln, berichtet Internationalairportreview.com. Glyn Hughes von der „International Air Cargo Association“ warne, das explosive Wachstum überfordere die Infrastruktur: Es gebe weder einheitliche Prozessstandards noch ausreichende Sicherheitsprotokolle. Lithium-Batterien beispielsweise verursachten mittlerweile über die Hälfte aller Frachtbrände, Cyber-Angriffe auf Tracking-Systeme nähmen jährlich um 15 Prozent zu.
Das Fernsehen macht Youtube zum neuen Fernsehen
RTL startet ab Ende Februar die neue „Let’s Dance“-Staffel parallel auf Youtube, berichtet Heise.de. Der Sender baue gezielt eigene Kanäle auf der Plattform auf, um neue Erlösquellen zu erschließen. In Deutschland verwenden monatlich über 70 Mio. Nutzer Youtube, in Amerika seien es bereits 90 Prozent aller 18- bis 34-Jährigen. Selbst die Oscar-Verleihung – ein klassisches Fernsehereignis – werde künftig zuerst auf Youtube laufen. Auch die Öffentlich-Rechtlichen setzten auf Youtube, um jüngere Zielgruppen zu gewinnen – ARD-Programmdirektorin Christine Strobl warne allerdings vor wachsender Abhängigkeit von Googles Algorithmen und Geschäftsinteressen.
Glasfaser schafft 430 Terabit pro Sekunde
Forscher der britischen Aston University und des japanischen „National Institute of Information and Communications Technology“ erreichten experimentell eine Datenübertragungsrate von 430 Terabit pro Sekunde, berichtet Techradar.com. Die auf der „European Conference on Optical Communication“ in Dänemark vorgestellte Methode bleibe mit bestehenden Netzen kompatibel und zeige, dass installierte Infrastruktur mehr Kapazität biete als ursprünglich vorgesehen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Geschwindigkeit im deutschen Festnetz liegt laut Speedgeo.net bei etwa 100 Megabit pro Sekunde.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge