
Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann immer wahrscheinlicher
Drei Stunden lang redeten Edeka, Tengelmann und Rewe unter Moderation von Verdi über die Zukunft der Kaiser's Supermärkte. Das Ergebnis? Kein Ergebnis. Immerhin will man einen neuen Anlauf unternehmen. Dass Edeka die Kaiser's-Märkte komplett übernehmen wird, scheint aussichtslos.
Thomas RehmRedakteurDie Zeichen stehen auf Zerschlagung
Ziel sei es, "eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann tragfähige, gemeinsame Lösung zu finden." Inhalte des Treffens drangen nicht nach außen. Doch schon vor dem Treffen standen die Zeichen für die Supermarktkette auf Zerschlagung - der Komplettverkauf an Marktführer Edeka schien immer unwahrscheinlicher.
Rewe-Chef Alain Caparros, der das Geschäft vor Gericht hatte stoppen lassen, warb zuvor noch einmal für eine Aufteilung der über 400 Standorte unter den Wettbewerbern. Die Arbeitsplätze könnten trotzdem erhalten werden, und die wettbewerbsrechtlichen Bedenken wären vom Tisch. Auch andere Konzerne wie Tegut oder der Discounter Norma äußerten erneut Interesse an Kaiser's-Filialen.
Betriebsrat ist hoffnungsvoll
Der Betriebsrat von Kaiser's Tengelmann fordert den Erhalt der defizitären Supermarktkette. "Statt Zerschlagungsszenarien brauchen wir ein Fortführungskonzept das trägt, bis die Gerichte entschieden haben, oder es eine Einigung aller Beteiligten gibt", sagte Manfred Schick, Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratsvorsitzender der Region München/Oberbayern, der "Wirtschaftswoche". Für die Lage macht Schick auch Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub verantwortlich: "Klar trägt der Eigentümer Verantwortung für die Lage."
Der Berliner Betriebsratsvorsitzende Volker Bohne stuft den Ausgang des Krisengipfels als hoffnungsvoll ein: "Dass die Teilnehmer gesagt haben, sie treffen sich wieder, ist ein positives Zeichen. Es heißt eigentlich, dass es heute nicht zu einem endgültigen Aus kommt." An diesem Freitagvormittag kommt der Aufsichtsrat von Tengelmann zusammen, um über die Lage zu beraten.
Nach wie vor hofft der Betriebsrat auf eine Komplettübernahme des Konzerns durch Edeka, "weil es die einzige Möglichkeit ist alle Arbeitsplätze zu erhalten", wie es Bohne formulierte.
Hohe Kosten und Personalschwund bei Kaiser's
Branchenführer Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Das Bundeskartellamt legte wegen Wettbewerbsbedenken sein Veto ein, das Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über eine sogenannte Ministererlaubnis aushebelte. Unter anderem Rewe hatte beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Erlaubnis eingelegt und vorläufig recht bekommen. Damit liegt der Deal auf Eis und droht wegen langwieriger juristischer Auseinandersetzungen zu platzen.
Haub hat wegen des langen Tauziehens um die Übernahme mit einem Aus für Kaiser's Tengelmann gedroht. Die Kette verbucht hohe Verluste, Personal geht von Bord, Vermieter verlängern Verträge nicht.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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