Zwischen Pathos und Patriotismus

Zwischen Pathos und Patriotismus

Die Fußball-Europameisterschaft beginnt. Von dem sich nun ausbreitenden Gemeinschaftsgefühl können Händler mit passenden EM-Liedern, die sie im Laden spielen, profitieren.

SRSybille RoemerRedakteurin
3 Min.· Aktualisiert am
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"Ganz besonders der Sportfachhandel und der Lebensmitteleinzelhandel haben meist thematisch passende Angebote und Fußball-Editionen im Regal", erläutert Stefan Gill von Mood Media, der für die Musikkonzepte an mehr als 20.000 Verkaufsstellen in Deutschland verantwortlich ist. "Sie nutzen den Schwung solcher Tracks, um ihre Konsumenten in Fußball- und Kauflaune zu bringen."

Zunächst wird die von den UEFA-Verantwortlichen vorgegebene Lied in diesem Fußballsommer auch oft im Handel zu hören sein, prognostiziert der Musikexperte: "Der offizielle EM-Song des französischen DJs David Guetta hat sich bereits früh durch einen geschickten Schachzug die Sympathien gesichert", erläutert er. "Unterstützt durch einen Chor aus Millionen Fußballfans, die im Vorfeld über eine App ihre Gesangskünste eingeschickt haben, zielt "This One’s For You" vor allem auf das Wir-Gefühl unter den Fans ab."

"Wir sind groß" und "Jeder für Jeden"

Wie üblich werden auch die deutschen TV-Sender ARD und das ZDF jeweils Titel von deutschen Interpreten zur Untermalung der Spielberichte verwenden, um die die Händler vermutlich auch nicht drum herumkommen. Das ZDF setzt auf Mark Forster und den Song "Wir sind groß", der bereits jetzt in den oberen Rängen der Charts vertreten ist, und die ARD auf das Generationentreffen zwischen Herbert Grönemeyer und Felix Jaehn mit "Jeder für Jeden".

Absolutes EM-Hitpotenzial hat nach Überzeugung von Gill auch "Ego" von Willy William, der den Soundtrack zu den EM-Spielen auf Sat.1 liefert. "Durch die massive mediale Präsenz in den Zwischensequenzen, Zusammenfassungen und Werbepausen schleichen sich die Nummern der TV-Sender von allein ins Ohr der Fans", so der Musikexperte. "Damit haben diese Titel beste Voraussetzungen für eine gute Chartplatzierung und eine hohe Frequenz in den Playlisten am Point of Sale."

Markenartikler mischen auch noch mit

Dank der reichweitenstarken Präsenz im Werbeblock landen aber häufig auch die Songs aus den EM-Kampagnen bekannter Marken einen Volltreffer. In diesem Jahr konnte Sponsor Coca-Cola den schwedischen Start-DJ Avicii und Sänger Conrad Sewell gewinnen. "Taste The Feeling" habe große Chancen, einer der Gewinner-Songs dieser EM zu werden.

Und was macht einen guten Fußball-Song genau aus? "Wer es schafft, eine ausgeglichene Balance
zwischen Pathos und Patriotismus zu transportieren, der punktet auch beim Publikum", so Gill. "Ein weiterer Pluspunkt ist ein einprägsamer Text, der mit wenigen Worten auskommt und sich vortrefflich beim Public Viewing als auch in der Fankurve mitsingen lässt."

So wie sich die Spielergebnisse nicht vorhersagen lassen, seien aber auch Überraschungserfolge
nicht ausgeschlossen. Neben spaßig-schrägen Kompositionen für das Fanfest am Ballermann gebe es immer mal wieder unerwartete Abräumer, die es nachhaltig zu einer großen Popularität bringen. "Dieser Weg" von Xavier Naidoo sei so ein Beispiel: Er ist untrennbar verbunden mit dem  Sommermärchen 2006 und verdankt seinen Erfolg angeblich dem damaligen Nationalspieler Gerald Asamoah, der für die Musikauswahl in der Umkleide-Kabine zuständig war.

"Und auch bei „'54, '74, '90, 2006“ von den Sportfreunden Stiller hörte man, dass die Liebe zum Fußball mit im Tonstudio war", sagt Gill. Es bleibe also spannend, welcher Titel sich dieses Jahr durchsetzt und nicht nur zum kommerziellen Erfolg, sondern auch zum Song der Herzen wird.

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SR
Geschrieben vonSybille Roemer

Redakteurin

Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.

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