Modernes Büro mit vereinzelt leeren Arbeitsplätzen als Sinnbild für KI-bedingten Wandel der Bürojobs
© Black Forest Labs / Flux

200 Ökonomen zur KI: Jetzt handeln, nicht abwarten

Fast 200 Wirtschaftswissenschaftler, darunter 16 Nobelpreisträger. sowie die Chefökonomen von OpenAI und Anthropic, warnen in der Erklärung „We Must Act Now“ vor einer unvorbereiteten wirtschaftlichen Transformation durch KI, berichtet Golem.de. Die Technologie verbreite sich womöglich schneller als jede frühere Neuerung, weshalb die Politik zügig gegensteuern müsse. Kurzfristig drohe die Verdrängung von Millionen Bürojobs, für die soziale Sicherungssysteme kaum gerüstet seien.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
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Ökonomen warnen vor unvorbereiteter KI-Transformation

Fast 200 Wirtschaftswissenschaftler und Forscher warnen in einer gemeinsamen Erklärung vor den wirtschaftlichen Folgen einer rasch voranschreitenden künstlichen Intelligenz. In dem am Montag veröffentlichten Papier mit dem Titel We Must Act Now betonen die Unterzeichner, dass KI sich schneller verbreiten könnte als jede bisherige technologische Neuerung. Die Politik müsse deshalb ebenso entschlossen und zügig reagieren, um die Transformation der Wirtschaft nicht unvorbereitet geschehen zu lassen.

Nach Einschätzung der Autoren dürfte KI in den kommenden zehn Jahren radikal leistungsfähiger werden. Daraus ergeben sich erhebliche Risiken, insbesondere für Beschäftigte in Büro- und Dienstleistungsberufen. Die Erklärung warnt vor einer möglichen massenhaften Verdrängung von Arbeitsplätzen. Zugleich verweist sie auf die Chance, Produktivität und Lebensstandard deutlich zu steigern, sofern die Technologie politisch und wirtschaftlich in eine gesellschaftlich vorteilhafte Richtung gelenkt wird.

Breite Unterstützung aus Wissenschaft und Technologiebranche

Zu den Unterzeichnern gehören 16 Nobelpreisträger sowie die Chefökonomen der KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic. Auch prominente Vertreter der Technologiebranche wie Anthropic-Mitbegründer Jack Clark, der frühere Google-Chef Eric Schmidt und Risikokapitalgeber Vinod Khosla haben das Dokument unterzeichnet. Bemerkenswert ist zudem, dass sich frühere Skeptiker der Warnung anschließen, darunter die MIT-Professoren Daron Acemoglu und Simon Johnson, die 2024 den Wirtschaftsnobelpreis erhielten.

Während Technologieentscheider schon länger vor einem schnellen Wegfall menschlicher Arbeitskraft warnen, reagierten Ökonomen bislang häufig zurückhaltend. Historisch verliefen technologische Umbrüche oft langsamer, als es Branchenvertreter vorausgesagt hatten. Nun wächst jedoch auch in der Wirtschaftswissenschaft die Sorge, dass KI sich deutlich schneller und breiter durchsetzen könnte als frühere Innovationen. Die Erklärung geht so weit, die möglichen Auswirkungen als größer als jene der Industriellen Revolution zu beschreiben – allerdings in einem wesentlich kürzeren Zeitraum.

Produktivitätschancen und soziale Risiken

Viele Ökonomen halten KI langfristig für potenziell vorteilhaft. Sie verweisen auf frühere technologische Entwicklungen wie die Dampfmaschine oder den Personal Computer, die zwar bestehende Berufsfelder verdrängten, letztlich aber neue Tätigkeiten und zusätzliche Arbeitsplätze entstehen ließen. Kurzfristig könnten die Verwerfungen jedoch erheblich ausfallen. Besonders gefährdet erscheinen Tätigkeiten, die bislang von Angestellten in administrativen, serviceorientierten oder wissensbasierten Bereichen ausgeführt werden.

Experten warnen, dass bestehende soziale Sicherungssysteme wie die Arbeitslosenversicherung auf eine mögliche Welle von Arbeitsplatzverlusten nicht ausreichend vorbereitet sind. Acemoglu betont, eine so schnelle Entwicklung könne den Lebensunterhalt vieler Menschen gefährden, wenn sich Erfahrungen aus dem Bereich der Industrierobotik in verdichteter Form wiederholen. Er plädiert dafür, dass KI-Labore Systeme entwickeln, die menschliche Arbeit ergänzen, statt sie vollständig zu ersetzen.

Forderung nach besserer Steuerung und verlässlichen Daten

Die Erklärung ruft Ökonomen, politische Entscheidungsträger und Wirtschaftsführer dazu auf, unverzüglich zu handeln. Ziel sei es, die ökonomischen Auswirkungen transformativer KI besser zu verstehen und politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die Nutzen ermöglichen und Risiken begrenzen. Konkrete Handlungsempfehlungen enthält das Papier nicht.

Als eine der dringendsten Aufgaben nennt Mitorganisator Erik Brynjolfsson von der Stanford University die Entwicklung besserer Messmethoden für Verbreitung und Folgen von KI. Der Mangel an verlässlichen Daten habe die Forschung bislang erheblich erschwert. Unterschiedliche Messansätze führten teils zu widersprüchlichen Ergebnissen darüber, in welchem Umfang KI bereits reale Arbeitsplatzverluste verursacht. Die Unterzeichner sehen darin einen zentralen Grund, die wirtschaftliche Forschung und politische Vorbereitung deutlich zu beschleunigen.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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