Mitarbeiterin prüft Pakete im Fulfillment-Center, verdächtige Sendungen werden aussortiert
© Black Forest Labs / Flux

Temu schließt 16.000 Fälscher-Shops

Temu hat sein System zum Schutz geistigen Eigentums ausgebaut und überwacht inzwischen laut eigenem Bericht über 15.000 Marken, das sind dreimal so viele wie im Vorjahr, meldet Haendlerbund.de. Das Verhältnis proaktiver zu reaktiver Entfernungen sei von 200:1 auf 331:1 gestiegen, man habe über 16.000 Shops wegen Marken- oder Urheberrechtsverstößen geschlossen. Der Zeitpunkt des Berichts spreche Bände: Ende Mai habe die EU-Kommission 200 Mio. Euro Bußgeld wegen mangelhafter Risikobewertung verhängt; bis Ende August müsse Temu einen akzeptablen Aktionsplan liefern.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
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Temu verstärkt Schutz vor Marken- und Urheberrechtsverstößen

Temu meldet einen deutlichen Ausbau seiner Maßnahmen zum Schutz geistigen Eigentums. Laut dem aktuellen Intellectual Property Protection Report 2026, der den Zeitraum von Juni 2025 bis Mai 2026 abdeckt, überwacht die Plattform inzwischen proaktiv mehr als 15.000 Marken. Das entspricht nach Unternehmensangaben einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr.

Auch bei der Entfernung auffälliger Angebote verweist Temu auf eine stärkere Automatisierung und frühere Eingriffe. Das Verhältnis proaktiver Entfernungen zu reaktiven Takedowns sei von rund 200:1 auf 331:1 gestiegen. Die zugrunde liegende Erkennungsdatenbank umfasst mittlerweile mehr als 47 Millionen Bilder und 9,5 Millionen Keywords. Damit habe sich insbesondere die Bildabdeckung binnen eines Jahres mehr als verneunfacht. Beschwerden zu geistigem Eigentum bearbeitet Temu nach eigenen Angaben im Durchschnitt innerhalb von 24 Stunden.

Kontrollen bereits vor der Produktlistung

Ein zentraler Teil der Maßnahmen setzt laut Temu bereits beim Seller-Onboarding an. Mehr als 40 Prozent der neuen Verkäufer-Anträge wurden im Berichtszeitraum wegen nicht bestandener Verifizierung abgelehnt. Zudem schloss die Plattform über 16.000 Shops wegen wiederholter Marken- oder Urheberrechtsverstöße. Jedes Produktangebot werde vor der Veröffentlichung mit der Erkennungsdatenbank abgeglichen und anschließend weiter beobachtet.

Ergänzend blockiert Temu nach eigenen Angaben täglich mehr als 80.000 Suchanfragen nach Begriffen wie „Fälschung“ oder „1:1-Kopie“. Damit will die Plattform Verstöße möglichst früh erkennen und verhindern, bevor Markeninhaber oder Urheber betroffen sind.

Zusammenarbeit mit Marken und Verbänden

Über die 2024 gestartete Brand Guardian Initiative kooperiert Temu nach eigenen Angaben mit mehr als 3.000 Marken, darunter rund 500 kleine und mittlere Unternehmen. Die Zusammenarbeit steht demnach auch Marken offen, die nicht selbst auf Temu verkaufen. Zusätzlich arbeitete Temu im Berichtszeitraum mit mehr als 130 Branchenverbänden zusammen, darunter seit April 2026 auch mit der International Anti-Counterfeiting Coalition.

Bericht erscheint unter wachsendem EU-Druck

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist bemerkenswert. Ende Mai 2026 verhängte die EU-Kommission eine Geldbuße von 200 Millionen Euro gegen Temu. Begründet wurde dies damit, dass das Unternehmen Risiken durch illegale Produkte auf seiner Plattform nicht angemessen bewertet und bekämpft habe. Grundlage waren unter anderem Testkäufe, bei denen ein sehr hoher Anteil geprüfter Ladegeräte grundlegende Sicherheitstests nicht bestand und ein hoher Anteil von Baby-Spielzeug gesetzliche Chemikalien-Grenzwerte überschritt.

Bis zum 28. August 2026 muss Temu der EU-Kommission einen Aktionsplan vorlegen, der die beanstandeten Verstöße gegen die Risikobewertungspflichten adressiert. Vor diesem Hintergrund ist der IP-Bericht nicht nur als Darstellung technischer und organisatorischer Fortschritte zu verstehen, sondern auch als Signal an Regulierer, Markeninhaber und Öffentlichkeit. Temu positioniert sich als proaktiver Akteur beim Markenschutz – zugleich steht die Plattform unter erheblichem politischen und wirtschaftlichen Druck in Europa.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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