Fachkraft geht durch Lagerhalle mit hohen Palettenreihen für B2B-Großhandel
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B2B dreimal größer als B2C

Der globale B2B-Online-Handel übertrifft den Verkauf an Endkunden um mehr als das Dreifache, meldet Marketscale.com unter Berufung auf DHL. Fast die Hälfte aller Beschaffungsentscheidungen des Marktes träfen inzwischen Millennials, die mit dem E-Commerce aufgewachsen seien und hohe Erwartungen mitbrächten. Wer aber schlicht einen Konsumenten-Checkout nachbaue, werde an Palettenware, Staffelpreisen und mehrstufigen Freigaben scheitern. Schneller als markeneigene Portale wie beispielsweise Boeings Modification Marketplace wüchsen horizontale Marktplätze wie Amazon Business und Alibaba.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
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B2B-Commerce wird zum digitalen Leitmarkt

Der globale B2B-Online-Handel ist deutlich größer als der digitale Verkauf an Endkunden: Laut DHL übersteigen B2B-Transaktionen im Netz den klassischen Onlinehandel mit Konsumenten um mehr als das Dreifache. Das berichtet Marketscale.com. Damit verschiebt sich der Blick auf den E-Commerce: Nicht Konsumentenplattformen allein prägen das Wachstum, sondern zunehmend digitale Beschaffung, Lieferantenrecherche und Produktverifikation in Unternehmen.

Für Einkaufs- und Supply-Chain-Teams ist diese Entwicklung mehr als ein Kanalwechsel. Digitale Beschaffung wird vom Komfortangebot zur operativen Grundlage. Nach den im Beitrag genannten Zahlen nutzen Unternehmen Onlinekanäle immer stärker, um neue Lieferanten zu finden, Produktinformationen zu prüfen und Bestellungen effizienter abzuwickeln. Der Wandel betrifft längst nicht mehr nur Bürobedarf: DHL verweist unter anderem auf GE Electrical Grid Solutions, das schwere Komponenten für Stromnetze über einen eigenen Onlineshop anbietet, sowie auf Boeings Modification Marketplace für zertifizierte Luftfahrtteile. RS Components bedient über seine Plattform rund 500.000 Produkte für mehr als eine Million registrierte Unternehmenskunden.

Millennials verändern die Erwartungen im Einkauf

Ein zentraler Treiber ist der Generationswechsel in den Beschaffungsabteilungen. Von DHL zitierte Google-Daten zeigen, dass inzwischen nahezu die Hälfte aller B2B-Kaufentscheidungen von Millennial-Käufern getroffen wird. Diese Zielgruppe ist mit digitalen Einkaufsprozessen aufgewachsen und erwartet auch im Geschäftskontext schnelle Suche, klare Preise und unmittelbare Bestellbestätigung. Anbieter, die weiterhin auf umständliche manuelle Abläufe, Medienbrüche oder langsame Freigaben setzen, geraten dadurch im Wettbewerb um Budgets und Aufmerksamkeit ins Hintertreffen.

Gleichzeitig reicht es nicht, einen Konsumenten-Checkout in die Unternehmenswelt zu übertragen. B2B-Bestellungen folgen anderen Strukturen: Es geht häufig um Palettenware, schwere Fracht, verhandelte Staffelpreise und vertragliche Konditionen. Hinzu kommen mehrstufige Freigaben durch Einkauf, Compliance und Finanzen, bevor eine Bestellung ausgelöst werden kann. Ein einfacher Checkout mit einzelner Nutzerrolle, Sofortzahlung und nur einer Freigabe schafft in solchen Prozessen eher Reibung als Effizienz. Entscheidend sind Plattformen, die komplexe Rollen, Konditionen und Freigabewege sauber abbilden.

Zwei Plattformmodelle prägen den Markt

DHL beschreibt zwei dominante Modelle im digitalen B2B-Handel. Auf der einen Seite stehen markeneigene Portale, die Hersteller für bestehende Kunden entwickeln. Sie bieten Kontrolle über Sortiment, Zugriff, Compliance und Produktinformationen, erfordern aber hohe Investitionen in Aufbau und Betrieb. Beispiele sind die Plattformen von GE und Boeing. Auf der anderen Seite wachsen horizontale Marktplätze, auf denen mehrere Anbieter um dieselbe Unternehmensnachfrage konkurrieren. Besonders sichtbar sind Amazon Business und Alibaba, die breite Sortimente, Vergleichsmöglichkeiten und gebündelte Beschaffung anbieten.

Für Einkaufsteams können solche Marktplätze Transparenz und Bündelung schaffen, während Lieferanten ihre Kataloge, Preisstufen und Servicezusagen präzise steuern müssen. Die Anforderungen reichen dabei bis in die Logistik: B2B-Fulfillment muss schwere oder palettierte Sendungen, vertragliche Lieferbedingungen und belastbare Service-Level abbilden. Wer digitale Beschaffung strategisch ausbauen will, muss daher nicht nur die Nutzeroberfläche modernisieren, sondern Prozesse, Daten, Freigaben und Erfüllung zusammen denken. Der entscheidende Maßstab ist nicht ein möglichst einfacher Checkout, sondern ein belastbarer B2B-Prozess, der die Realität industrieller Beschaffung digital abbildet.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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