Hyperscaler gewinnen, KI-Euphorie wird selektiver
Nach den jüngsten Quartalszahlen der großen Tech-Konzerne zeigt sich an den Börsen ein klareres Bild: Anleger:innen investieren weiter massiv in den KI-Sektor, folgen aber nicht mehr jeder Wachstumsstory. Besonders profitieren die drei größten Hyperscaler Amazon, Microsoft und Alphabet. Zusammen legten sie beim Marktwert um knapp 1,5 Billionen Dollar zu, berichtet T3N.de unter Berufung auf CNBC.
Als Hyperscaler gelten Anbieter von Cloud-Diensten mit großer Server-Infrastruktur und weltweiten Rechenzentren. Genau diese Kapazitäten bilden die technische Grundlage für den aktuellen KI-Boom. Microsoft gewann rund um die Veröffentlichung der Quartalszahlen Ende Juli 2026 mehr als 600 Milliarden Dollar an Marktwert. Amazon und Alphabet steigerten ihren Börsenwert jeweils um mehr als 400 Milliarden Dollar. Amazon überzeugte Investor:innen dabei nicht nur mit kräftigen Zuwächsen im Cloud Computing, sondern auch mit einer höheren Prognose für KI-Infrastrukturinvestitionen: Statt 200 Milliarden Dollar sollen 2026 rund 220 Milliarden Dollar ausgegeben werden.
Deutlich anders reagierten die Märkte auf Apple und Meta. Apple verlor mehr als 350 Milliarden Dollar an Marktwert, obwohl der Konzern die Erwartungen bei Gewinn, Umsatz und iPhone-Verkäufen übertraf. Belastend wirkten Lieferprobleme bei Speicherchips, bereits erhöhte Preise für Macs und iPads sowie die Erwartung steigender iPhone-Preise. Zudem lag der prognostizierte Umsatzzuwachs von neun bis elf Prozent leicht unter den Analystenerwartungen von zwölf Prozent. Allein am 31. Juli 2026 fiel die Apple-Aktie um sieben Prozent. Gleichzeitig hatte Apple im laufenden Jahr bereits um 23 Prozent zugelegt und galt zuletzt als Alternative für Anleger:innen, die hohe KI-Ausgaben anderer Konzerne skeptisch sahen.
Auch Meta musste spürbare Verluste hinnehmen: Der Marktwert sank Ende Juli 2026 um 85 Milliarden Dollar. Die von CEO Mark Zuckerberg angekündigte KI-Investmentstrategie überzeugte die Anleger:innen offenbar nicht. Damit verschiebt sich die zentrale Frage am Markt. Laut Jeffries-Analyst Jason Greenberg zweifeln Investor:innen weniger daran, dass Nachfrage nach Chips und Rechenkapazität für KI-Anwendungen besteht. Entscheidend sei vielmehr, ob die hohen Ausgaben langfristig wieder eingespielt werden können.
Für die kommenden zwölf Monate summieren sich die geplanten KI-Ausgaben der großen Tech-Konzerne auf fast 800 Milliarden Dollar. Die Börsenreaktionen deuten deshalb nicht auf ein Ende des KI-Booms hin, sondern auf eine strengere Bewertung seiner Geschäftsmodelle. Während Hyperscaler mit Infrastruktur und Cloud-Umsätzen Vertrauen gewinnen, geraten Unternehmen unter Druck, deren Investitionspläne oder operative Risiken weniger überzeugend wirken. Zugleich warnen prominente Investor:innen wie Michael Burry vor dem Platzen einer KI-Blase; Kritiker:innen verweisen auf mögliche versteckte Schulden der KI-Konzerne in Höhe von 1,65 Billionen Dollar.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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