Selbständiger Handwerker wartet in leerer Werkstatt auf neue Aufträge
© Black Forest Labs / Flux

Jeder fünfte Kleinstunternehmer bangt ums Überleben

Fast jeder zweite Selbständige in Deutschland klagt über fehlende Aufträge, zeigt eine Ifo-Umfrage. Kunden hielten sich bei der Projektvergabe zurück, während die private Konsumnachfrage gedämpft bleibe. Jeder fünfte Solo-Selbständige sehe seine Existenz akut gefährdet, oft wegen fehlender Reserven für längere Durststrecken. Immerhin: Der Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex sei im Juli leicht von minus 25,9 auf minus 22,6 Punkte gestiegen.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
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Selbständige in Deutschland bleiben unter Druck

Die Lage vieler Selbständiger in Deutschland ist weiterhin angespannt. Etwa jeder zweite Befragte berichtet von ausbleibenden Projekten: Laut ifo-Umfrage klagen 47,3 Prozent der Selbständigen über fehlende Aufträge. Besonders deutlich wird die Zurückhaltung auf Kundenseite bei der Vergabe neuer Projekte. Zugleich bleibt die private Konsumnachfrage schwach, was die Geschäftsaussichten zusätzlich belastet. Damit zeigt sich ein Umfeld, in dem viele Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen ihre wirtschaftliche Planung nur schwer stabilisieren können.

Die Zahlen verdeutlichen, dass der Auftragsmangel nicht nur ein vorübergehendes Stimmungsproblem ist, sondern für zahlreiche Betriebe eine konkrete Belastung darstellt. 47,3 Prozent melden fehlende Aufträge, während mehr als ein Fünftel der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen die eigene wirtschaftliche Existenz akut gefährdet sieht. Der Anteil liegt bei 21,2 Prozent. Als zusätzlicher Risikofaktor kommen Finanzierungsprobleme hinzu: Jeder zehnte Selbständige berichtet davon. Gerade kleinere Einheiten verfügen häufig nicht über ausreichende Reserven, um längere Durststrecken abzufedern.

ifo-Expertin Katrin Demmelhuber ordnet die Entwicklung als Folge zurückhaltender Projektvergaben und gedämpfter Nachfrage ein. Viele Selbständige spüren demnach, dass Kunden bei neuen Aufträgen vorsichtiger agieren. Gleichzeitig fehlt in Teilen der privaten Nachfrage der Schwung, der für eine breitere Erholung notwendig wäre. Für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen verschärft sich die Situation dadurch, weil Einnahmerückgänge unmittelbar auf Liquidität und Planungssicherheit durchschlagen. Akut gefährdet sehen sich vor allem jene, denen finanzielle Puffer für anhaltend schwache Phasen fehlen.

Ein leicht positives Signal liefert der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex. Er stieg im Juli von minus 25,9 auf minus 22,6 Punkte. Die Selbständigen bewerteten ihre laufenden Geschäfte weniger negativ als zuvor, und auch bei den Erwartungen nahm der Pessimismus ab. Dennoch bleibt das Niveau sehr niedrig. Die Verbesserung deutet daher nicht auf eine Entspannung der Gesamtlage hin, sondern eher auf eine vorsichtige Aufhellung innerhalb eines weiterhin schwierigen Umfelds. Für die Konjunktur der Selbständigen bleibt entscheidend, ob sich Auftragseingänge und Konsumnachfrage nachhaltig stabilisieren.

Der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex wird seit August 2021 vom ifo Institut für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen mit weniger als neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern berechnet. Wie im Gesamtindex sind alle Sektoren abgebildet, der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Dienstleistungssektor. Die aktuellen Ergebnisse zeigen damit ein breites Stimmungsbild aus einem Bereich, der besonders empfindlich auf Nachfrageschwankungen reagiert. Trotz der leichten Verbesserung bleibt die zentrale Botschaft: Fehlende Aufträge, schwache Konsumnachfrage und begrenzte finanzielle Reserven prägen weiterhin die wirtschaftliche Lage vieler Selbständiger in Deutschland.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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