Zwei Freunde teilen beiläufig eine Zahlung per Smartphone-Nachricht im Café
© Black Forest Labs / Flux

Tiktok will auch Bezahldienst werden

Tiktok bastelt an einer Funktion, mit der sich Nutzer per Direktnachricht Geld schicken können, berichtet Techcrunch.com. Entsprechende Hinweise seien im Code der aktuellen amerikanischen iPhone-App entdeckt worden. Ähnlich wie bei Venmo könnten Empfänger Zahlungen per Fingertipp annehmen und Absender eine Notiz anhängen. Technisch werde sich das Angebot wohl auf Tiktok Pay stützen, das in Südostasien bereits im Einsatz sei.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
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TikTok prüft Geldtransfers per Direktnachricht

TikTok arbeitet offenbar an einer Funktion, mit der Nutzer einander Geld direkt über Nachrichten schicken könnten. Hinweise darauf wurden im Code der aktuellen US-Version der iPhone-App entdeckt, berichtet Techcrunch.com unter Verweis auf Bloomberg. Der mögliche Dienst würde sich demnach auf TikTok Pay stützen, ein Angebot, das in Südostasien bereits für Käufe im TikTok Shop eingesetzt wird. Für die Plattform wäre das ein weiterer Schritt in Richtung Payment und Finanzdienstleistungen.

Der im App-Code gefundene Funktionsumfang deutet auf ein niedrigschwelliges Modell hin: Empfänger könnten Zahlungen per Fingertipp annehmen, Absender zusätzlich eine kurze Nachricht an die Zahlung anhängen. Damit erinnert das Konzept an etablierte Peer-to-Peer-Dienste wie Venmo, bei denen Geldtransfers eng mit Kommunikation verknüpft sind. Ob und wann TikTok diese Funktion tatsächlich ausrollt, ist jedoch offen. TikTok erklärte gegenüber Bloomberg, die Funktion werde derzeit nicht getestet. Das spricht dafür, dass sich das Projekt noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet.

Strategisch würde ein solcher Dienst gut zu TikToks breiterer Entwicklung passen. Die Plattform wird zwar weiterhin vor allem als Social Media-Anbieter wahrgenommen, hat ihr Angebot aber schrittweise erweitert: Neben TikTok Shop kamen unter anderem leistungsfähigere Suchfunktionen, eine lokale Entdeckungskarte, Spiele, Hotelbuchungen und weitere Dienste hinzu. Peer-to-Peer-Zahlungen würden diese Ausweitung um einen besonders sensiblen Bereich ergänzen: Finanztransaktionen direkt innerhalb der App. Damit könnte TikTok versuchen, Nutzer länger im eigenen Ökosystem zu halten und alltägliche Interaktionen stärker mit kommerziellen Funktionen zu verbinden.

Der Vorstoß wäre nicht der erste Hinweis darauf, dass TikTok stärker in Finanzdienstleistungen drängt. Reuters berichtete bereits, dass TikTok bei der brasilianischen Zentralbank eine Genehmigung beantragt habe, um als Finanztechnologie-Unternehmen Kredit- und Zahlungsdienste anbieten zu können. Auch andere Plattformen verfolgen ähnliche Ansätze: X, ehemals Twitter, hat mit X Money jüngst eine Funktion eingeführt, mit der Nutzer einander Geld senden können. Sollte TikTok Peer-to-Peer-Zahlungen breit verfügbar machen, träte die Plattform in direkte Konkurrenz zu Diensten wie Venmo und Zelle.

Noch bleibt der Befund auf Code-Hinweise und Medienberichte beschränkt. TikTok reagierte laut TechCrunch nicht unmittelbar auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Entscheidend wird daher sein, ob aus der internen Entwicklung ein marktreifes Produkt wird und in welchen Märkten TikTok eine solche Funktion freischaltet. Klar ist: Eine Zahlungsfunktion in Direktnachrichten würde die Rolle der App deutlich erweitern — von einer Unterhaltungs- und Handelsplattform hin zu einem Dienst, der auch private Geldtransfers in den Kommunikationsfluss integriert. Für TikTok wäre das ein strategisch folgenreicher Schritt, für den Markt für digitale Zahlungen ein weiteres Signal, dass soziale Plattformen Finanzfunktionen zunehmend als Teil ihrer Kernangebote betrachten.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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