Tchibo rückt näher an Supermarkt-Apps heran
Tchibo will seine Angebote und das eigene Kundenprogramm künftig stärker in Apps von Supermärkten einbinden. Ziel ist es, Bonusfunktionen und Produktinformationen direkt dort verfügbar zu machen, wo Kundinnen und Kunden ohnehin einkaufen. Wie berichtet Giga.de, sollen Tchibo-Inhalte damit nicht mehr nur über eigene Kanäle laufen, sondern auch in fremden Händler-Apps sichtbar werden. Für Tchibo eröffnet das zugleich die Möglichkeit, genauer nachzuvollziehen, welche Waren in einzelnen Märkten besonders gefragt sind.
Am weitesten ist die Integration bislang beim Online-Supermarkt Picnic. Dort lässt sich das Tchibo-Kundenprogramm bereits verknüpfen, wodurch sich Tchibo-Angebote enger mit dem regulären Einkauf verbinden lassen. Weitere Partner sollen folgen; nach eigener Aussage arbeitet Tchibo bereits mit ersten Händlern zusammen. Mit Edeka wurde demnach ebenfalls eine Grundlage für die Zusammenarbeit geschaffen: Tchibo-Angebote sollen in der App erscheinen, zugleich können Verkaufsdaten übertragen werden.
Diese Daten sind für Tchibo vor allem deshalb relevant, weil sie einen aktuelleren Überblick darüber ermöglichen, welche Artikel an einem bestimmten Standort noch verfügbar sind. Händler können dafür Bon-Daten übermitteln. So soll vermieden werden, dass Apps Produkte anzeigen, die im jeweiligen Markt bereits vergriffen sind. Für Kundinnen und Kunden könnte die App damit verlässlichere Informationen liefern; für Tchibo entsteht ein genaueres Bild über Absatz und Verfügbarkeit im stationären Handel.
Nicht alle Händler gehen den Weg gleichermaßen mit. Bei Kaufland können Kundinnen und Kunden ihre Tchibo-Card zwar bereits beim Einkauf scannen, eine vollständige Verknüpfung mit der Kaufland-Card ist derzeit aber nicht geplant. Auch Rewe sieht aktuell keine Integration des Tchibo-Kundenprogramms in die eigene App vor. Damit bleibt der Ausbau vorerst auf einzelne Partner beschränkt und hängt stark davon ab, welche Händler eine tiefere technische Verbindung zulassen.
Langfristig denkt Tchibo zudem über Sensoren an den Verkaufsregalen nach. Sie könnten erfassen, ob Kundinnen und Kunden am Tchibo-Bereich vorbeikommen, ohne etwas zu kaufen. Eine solche Funktion gibt es im stationären Handel bislang nicht; mögliche Gründe könnten auch im Datenschutz liegen. Der Vorstoß zeigt, wie eng Händler-Apps, Kundenprogramme und Verkaufsdaten künftig miteinander verzahnt werden könnten — zunächst jedoch nur dort, wo Partner wie Picnic oder Edeka die nötige Anbindung ermöglichen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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