Vietnam verschärft Zollregeln für den grenzüberschreitenden Onlinehandel
Vietnam stellt den grenzüberschreitenden Handel über digitale Plattformen neu auf: Ab dem 1. März 2027 werden Waren, die über den Onlinehandel importiert oder exportiert werden, Zöllen, Kontrollen und der Überwachung unterworfen. Das berichtet Vietnam.vn. Grundlage ist ein von der Nationalversammlung am 23. August verabschiedetes Änderungsgesetz zum Zollrecht, das mit 471 Ja-Stimmen bei 474 anwesenden Delegierten angenommen wurde.
Kern der Reform ist die Einbeziehung von Waren aus dem E-Commerce in die reguläre Zollkontrolle und -überwachung. Organisationen und Privatpersonen in Vietnam, die Waren mit dem Ausland über Plattformen kaufen oder verkaufen, müssen sich künftig elektronisch identifizieren und authentifizieren. Betreiber von E-Commerce-Plattformen werden verpflichtet, ihre Systeme an das Datenverarbeitungssystem der Zollbehörde anzubinden und die erforderlichen Daten bereitzustellen. Für ausländische Plattformen ohne Hauptsitz in Vietnam soll die Regierung gesonderte Regeln zur Datenanbindung festlegen.
Die Details bleiben zunächst offen: Schwellenwerte für zollpflichtige Waren, konkrete Verfahren sowie der Zeitplan für die elektronische Identitätsprüfung werden von der Regierung bestimmt. Finanzminister Ngo Van Tuan betonte, das Gesetz formuliere zunächst Grundprinzipien. Damit soll das Management angesichts der rasanten Entwicklung digitaler Handelskanäle flexibel bleiben. Für Unternehmen mit Bezug zu Auslandsmärkten entsteht damit ein neuer Rechtsrahmen, dessen praktische Auswirkungen maßgeblich von den noch ausstehenden Durchführungsbestimmungen abhängen.
Die Reform reagiert zugleich auf Besonderheiten des Onlinehandels. Delegierte hatten darauf hingewiesen, dass identische Inspektions- und Überwachungsverfahren für E-Commerce-Waren und klassische Waren zu Staus an Grenzübergängen führen könnten. Hintergrund sind hohe Bestellmengen, niedrige Einzelwerte und kurze Bearbeitungszeiten, die typisch für diesen Vertriebskanal sind. Das Gesetz sieht deshalb auch eine stärkere Digitalisierung und einen erweiterten Datenaustausch über den nationalen Single-Window-Mechanismus vor.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf effizienteren Prozessen. Bereits ausgetauschte Daten sollen nicht erneut als Papierkopien eingereicht oder vorgelegt werden müssen. Zudem sollen Risiko- und Compliance-Management stärker datenbasiert funktionieren: Hochrisikogüter und -unternehmen werden gezielter kontrolliert, während gesetzeskonforme Unternehmen günstigere Bedingungen erhalten. Nach Darstellung des Finanzministers schafft das Gesetz damit eine Grundlage, um Zollabwicklungsprozesse neu zu gestalten, Datenverbindungen zu verbessern und Kosten sowie Verfahren für Unternehmen zu reduzieren.
Ergänzend regelt das Gesetz, dass Zollanmeldungspflichtige innerhalb von 60 Tagen nach der Abfertigung ergänzende Anmeldungen für bereits abgefertigte Waren einreichen können. Dies gilt nur, solange die Zollbehörde noch keine Maßnahmen wie eine Sperre, Nachkontrolle, Prüfung oder Untersuchung nach der Abfertigung eingeleitet hat. Ausgenommen sind bestimmte Bereiche, etwa Ausfuhr- und Einfuhrlizenzen sowie spezielle Inspektionen zu Produktqualität, Gesundheit, Kultur, Tier- und Pflanzenquarantäne und Lebensmittelsicherheit.
Auch bei Nachkontrollen wird das Regelwerk angepasst: Die Verjährungsfrist beträgt künftig fünf Jahre, während die maximale Prüfdauer von 20 Tagen beibehalten wird und nach dem Steuerverwaltungsgesetz um weitere 20 Tage verlängert werden kann. Insgesamt markiert die Reform einen deutlichen Schritt hin zu digitaler Zollabwicklung und stärker datengetriebener Kontrolle im vietnamesischen Außenhandel.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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