Achtung, Handel! #03 – Michael Pfeifer, Geschäftsführer Made out of Trash (MOOT)

Achtung, Handel! – Der Podcast von etailment

Achtung, Handel! #03 – Michael Pfeifer, Geschäftsführer Made out of Trash (MOOT)

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Achtung, Handel! #03 – Michael Pfeifer, Geschäftsführer Made out of Trash (MOOT)

MOOT-Gründer Michael Pfeifer über Upcycling-Mode, Expansion aus Deutschland und faire Preise für Recycling-Kleidung.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
41:45· Aktualisiert am
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Über diese Folge

Vor fünf Jahren war es nur eine Idee, heute ein solider Business Case: „MOOT macht aus alten Textilien schicke Unikate, die sich mit gutem Gewissen tragen lassen“, erklärt Co-Gründer und Geschäftsführer Michael Pfeifer. Wieso Deutschland ein guter Startpunkt für die Expansion ist, warum Recycling-Mode nicht unbedingt billiger ist als Neuware und welche Waren fürs Upcycling infrage kommen, erklärt er im Podcast „Achtung, Handel!“ mit Björn Böer und Fabian Sedlmayr.

Diese Folge stammt aus dem Podcast „Achtung, Handel!“ von etailment. Die vollständige Episode hören Sie im Player oben oder direkt auf SoundCloud.

Automatisch erstelltes Transkript (KI) — kann Erkennungsfehler enthalten.

Guten Tag und herzlich willkommen zu Achtung Handel, dem Podcast vom Magazin der Handel und e-tailment.de. Mein Name ist Björn Böhr und als Gäste begrüße ich heute Michael Pfeiffer, Co-Founder und CEO der Mood Upcycling GmbH in Berlin. Hallo Michael. Hallo, lieben Dank für die Einladung. Gerne.

Und als zweiten Gast haben wir Fabian Sedelmeier, Mitgründer und Geschäftsführer der Digital Logistics GmbH, die unter dem Markennamen Warehousing One das komplette Fulfillment für den E-Commerce anbietet. Hallo Fabian. Hi, freut mich. Der Grund, warum ihr beide heute hier seid, ist der. Warehousing One und e-tailment veröffentlichen regelmäßig die Visibility Charts E-Commerce.

Und einmal jährlich ermitteln wir dabei auch die Top 25 Green Commerce Shops. Und in diesem exklusiven Club der führenden grünen Online-Händler hat es auch Mut geschafft. Herzlichen Glückwunsch dazu, Michael. Ja, vielen Dank. Hat uns sehr gefreut, dass wir da aufgenommen wurden.

Und wie ihr das geschafft habt, aus einer Idee von zwei Best Friends in fünf Jahren einen florierenden grünen Shop auf die Beine zu stellen, das wollen wir gleich genau von dir hören. Aber vorher, Fabian, an dich nochmal die Bitte. Kannst du kurz die Kriterien für die Visibility Charts erläutern? Wie werden die Top 25 Green Commerce Online Shops ermittelt? Sehr, sehr gerne.

Wir haben grundsätzlich erst mal zwei Kategorien definiert, wann ein Shop aus unserer Sicht nachhaltig ist. Wir haben uns angeschaut, entweder werden nachhaltige Produkte verkauft, wie das auch bei Michael der Fall ist. Aber bei Michael trifft auch noch eine zweite Kategorie zu, nämlich das Geschäftsmodell nachhaltig ist. Wir haben, wie ich schon gesagt habe, Unternehmen aus beiden Kategorien in unserem Ranking. Manche erfüllen nur diese eine Kategorie, manche erfüllen beide und manche nur die andere.

Für uns war extrem wichtig, dass das transparent dargestellt wird auf der Webseite. Das heißt, dass wir nachvollziehen können, warum entweder ein Produkt nachhaltig ist oder ein Geschäftsmodell nachhaltig ist. Ich habe in den letzten Jahren oder wir alle haben in den letzten Jahren, glaube ich, gemerkt, dass es eine große Diskrepanz gibt, oft oder manchmal, zwischen ein Unternehmen nennt sich nachhaltig und ein Unternehmen ist wirklich nachhaltig. Ich glaube, spätestens seit Finn Kliemann wissen wir das alle. Und das wollten wir vermeiden.

Für uns war es wichtig, dass die Unternehmen, die in unserem Ranking auftauchen, wirklich nachhaltig sind. Und zu den grünen Unternehmen gehört Mut natürlich auf jeden Fall. Wir wollen ein bisschen diskutieren über die Idee, das Unternehmen und den Erfolg, den ihr gehabt habt. Und wir fangen mal mit der Idee an. Mut steht für Made out of Trash.

Wie kam es denn zu der Idee aus Müll wird Mode? Ja, also das ist ein natürlich provokanter Name, den wir da auch haben. Das ist auch ein bisschen das Ziel, dass man dahinter fragt, was ist eigentlich Müll, was ist eigentlich Abfall und was ist eine Ressource für etwas Neues. Also bei uns geht es ganz platt darum, dass wir nur mit bestehenden Materialien arbeiten. Das heißt, so wie wir jetzt gerade gegenüber sitzen, trage ich ein T-Shirt, das war mal eine Bettwäsche, dann ist es ein bisschen kalt heute, habe ich noch einen Pullover an, der war mal eine Fließdecke.

Das heißt, wir nehmen nur bestehende Materialien und stellen daraus etwas Neues her. Und wir spielen da natürlich auch provokant mit diesem Namen, weil das, was wir verwenden, der "Abfall" eines anderen ist. Also wir schauen eben, wie wir sinnvoll bestehende Ressourcen einsetzen können, um daraus dann etwas Neues zu machen. Und zur Idee kam es vor ein bisschen über fünf Jahren. Einer meiner besten Freunde, Nils, ist Modedesigner.

Ich habe gar keinen großen Modebezug, sondern bin gelernter Betriebswirt. Ich fand das aber eine total spannende Idee, auch aus dieser, ja, intrinsischen Motivation heraus, dass man sagt, okay, lasst uns achtsamer mit Ressourcen umgehen. Dass wir da dann gesagt haben, okay, das wollen wir jetzt gerne umsetzen. Und jetzt natürlich einige Jahre vorwärtsgesprungen, haben wir, ja, wahrscheinlich das größte Upcycling-Unternehmen in Deutschland aufgebaut. Ihr seid allerdings auch in einer Branche aktiv, die tatsächlich gerade auch von jungen Unternehmen stark, wie magisch angezogen wird.

Und ich frage mal, Fabian, ihr macht ja das Fulfillment. Wie hoch ist bei euch der Anteil von Modefirmen bei Das ist bei uns tatsächlich die größte Kategorie. Da muss man aber auch dazu sagen, dass das nicht zwingend daran liegt, dass alle Shops Mode verkaufen, sondern dass Mode von der Logistikseite, das weiß Michael bestimmt auch, extrem komplex ist. Auf jeden Fall die komplexeste Kategorie. Und wir darin in den Jahren sehr, sehr viel Erfahrung gesammelt haben.

Was natürlich einfach dazu führt, dass verstärkt Modemarken auf uns zu kommen. Hat es Mode denn dadurch schwerer, wenn die ganzen Retouren, ich denke allein schon, was meine Meine drei Töchter so einkaufen und zum Teil eben auch zurückschicken, Retouren, Reklamationen, ähnliches. Macht es das besonders schwer dann für junge Unternehmen da reinzukommen? Ich kann das natürlich nur aus der Logistikbrille beurteilen. Und da auf jeden Fall.

Mode ist logistisch mit das komplexeste, weil du sehr, sehr viele Retouren hast in der Regel. Die Retourenkategorisierung und die Aufarbeitung ziemlich schwierig sein kann. Und das macht auch sehr, sehr große Unterschiede, wie die Ware gelagert wird. Das hast du bei den meisten Produkten auch nicht. Also wenn du für 200 Euro ein Hemd bestellst irgendwo online, dann willst du nicht, dass es zerknittert ankommt.

Dann willst du auch nicht, dass es mit großen Falspuren ankommt. Entsprechend ist das Ganze sehr, sehr komplex und sehr, sehr individuell. Ich glaube nicht, dass es besonders für junge Brands ein wahnsinnig schwieriges Einstiegssegment ist. Ich glaube, es gibt genug Logistiker, die sich sehr, sehr gut darin auskennen. Es ist wahrscheinlich eher eine Kategorie, wo man früher an Outsourcing denkt, als woanders.

Wie sieht es denn bei euch aus, Michael? Was macht ihr noch selbst? Und wo habt ihr innerhalb der fünf Jahre gesagt, nee, komm, also da suchen wir uns einen Partner? Ja, ich glaube, da müssen wir erstmal kurz ausholen, weil unser Konzept ja schon ein bisschen besonders ist. Also den Pullover, den ich gerade anhabe, den gibt es tatsächlich nur ein einziges Mal beziehungsweise vielleicht noch ein zweites oder ein drittes Mal.

Das liegt an dem Konzept oder an diesem besonderen Upcycling-Verfahren, was wir anwenden. Kann man sich einfach vorstellen, wenn man mit bestehenden Materialien arbeitet, dann sind die alle ein kleines bisschen unterschiedlich. Das heißt, da gibt es dann unterschiedliche Farben, Musterungen und so weiter. Und diese Komplexität in den Operations führt auch dazu, dass wir das alles in-house machen. Also wir haben bei uns selbst die Produkte gelagert, die Produkte werden durch uns verschickt.

Und da können wir eben auch nochmal, zumindest in dem Stadion, wo wir eben auch gerade noch sind, einfach sicherstellen, dass wir da immer eine sehr hohe Qualität haben und dass auch dieses Konzept Upcycling dann auch entsprechend transportiert wird. Kleidung aufzubreiten, das ist ja eigentlich so ein alter Hut. Wir sehen die Kleidungssammelcontainer ja an jeder Ecke, geht alles nach Afrika und wird dort an Bedürftige verteilt. So ist ja das Narrativ landläufig. Was ist daran falsch?

Ja, da ist einiges dran falsch, weil einmal ist es aus einer, ja, zentraleuropäischen Sicht, muss man wirklich sagen, ein Märchen, was man sich da selbst erzählt oder was man sich selbst einredet, dass jetzt mein altes T-Shirt eine gut gemeinte Spende für irgendjemand anderen ist. Wenn wir uns das mal so im Detail anschauen: Aussortierte Textilien werden meistens in Altkleidercontainer gegeben. Das ist übrigens auch der einzige wilde bzw. unregulierte Abfallstrom, den wir noch haben. Also wenn ihr daran denkt, euren Biomüll zu Hause oder Plastikverpackungen, die werden alle gesondert zu Hause gesammelt und dann eben entsorgt.

Aber bei Textilien ist es so, dass wir eben immer noch den Eindruck haben, dass das, was wir aussortieren, von so einer tollen Qualität ist, dass andere das ja unbedingt nutzen wollen. Das Gegenteil ist der Fall. Stand heute wird ein einziges Prozent aller Textilien in Europa Faser zu Faser recycelt. Also es gibt ein riesiges Problem mit der Wiederverwertung der Textilien. Ein großer Anteil der Textilien kann zwar noch Second-Hand getragen werden, wird aber eben auch teilweise schon exportiert.

Und wenn man von Wiederverwertung von Textilien spricht, dann meint man oftmals auch ein Downcycling. Das bedeutet, Textilien werden geschreddert und dann wird da draußen Putzlappen oder Dämmmaterial. Das heißt, es ist keine gleichwertige Wiederverwertung der Materialien. Aber das zeigt eben auch das Fast Fashion T-Shirt, was ich für fünf Euro gekauft habe, fünfmal getragen habe und dann aussortiere. Da gibt es keinen Markt und da gibt es keine Wiederverwertung für.

Wie kommt ihr denn an eure Grundstoffe für das Upcycling? Ihr stellt ja nicht gerade Container auf. Ich habe es zumindest von Mut noch keinen gesehen bei mir um die Ecke. Ja, also wir haben tatsächlich auch eins, zwei Container und es ist auch möglich, uns direkt Textilien zu spenden. Aber wir arbeiten primär mit Textilsortierungen zusammen.

Das sind mittelbar auch die Organisationen, die diese Textilien sammeln, die in den deutschlandweit präsenten Containern auf den Straßen auch stehen. Das Besondere, was wir machen, ist, dass wir nur bestimmte Materialien aus diesem Kreislauf rausziehen und diese dann eben aufwerten. Also wenn man einmal akademisch drauf schaut, es gibt eben drei Arten von Recycling, Recycling, Plastikflasche wird eine Plastikflasche, Downcycling hatten wir schon gerade. Das bedeutet, mein T-Shirt wird am Ende ein Putzlappen und das, was wir machen, und das ist eben auch das Schöne daran, ist, wir nehmen bestehende Materialien, wie beispielsweise Bett-Fashion, kaputte Lederjacken und durch den Input von Kreativität, Arbeit, haben wir am Ende ein höherwertiges Produkt, wie beispielsweise eine Ledertasche oder eben auch ein T-Shirt. Das musst du noch mal von uns ein bisschen genauer erklären.

Da kommt dann also einmal am Montag ein großer Container an mit dem, was ihr habt selektieren lassen können beim Deutschen Roten Kreuz Sammelcontainer und dann fangen bei euch die Spezialisten an und schauen, daraus wird vielleicht ein schicker Pullover, wie du ihn trägst oder keine Ahnung, eine Tasche, irgendwas. Geht das so tatsächlich? Jein, also ein ganz großes Problem ist, dass den meisten Leuten gar nicht bewusst ist, wie die Textilabfallwirtschaft funktioniert und da unterscheiden wir uns auch von anderen Unternehmen, weil das unser absoluter Fokus ist. Also wir sind ein Start-up, ein Unternehmen im Bereich Textilverwertung, was unter anderem auch eine Modemarke hat. Aber wir bringen da so ein tiefes Verständnis mit für diese Textilsortierung.

Also ihr müsst euch das so vorstellen, wenn ihr jetzt durch Frankfurt lauft und sortiert euren alten Pullover aus, dann gebt ihr den an irgendeinen Container. Da steht dann der Name einer sozialen Organisation drauf. Aber zu einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit wird dieser Container oder der Inhalt des Containers dann gar nicht zu der karitativen Einrichtung gebracht, sondern direkt zu Textilverwertungsunternehmen. Da gibt es in Deutschland so, ja sagen wir mal so ein bis zwei Dutzend Sortierungen, die sind meistens in ländlicheren Regionen. Und wenn man in so eine Halle mal reingeht, kann ich eben wärmstens empfehlen, dann sind es so Flughafen, Hangar, große Hallen, die jeden Tag einmal mit Textilien gefüllt werden.

Die größte Sortierung, mit der wir zusammenarbeiten, die sortieren so um die 90 Tonnen Textilien pro Tag. Und das sind einfach gigantische Mengen. Und wenn man einmal in so eine Sortierung reingeht und wenn man einmal versteht, was für eine Auswirkung Textilkonsum hat, dann überdenkt man das auch. Und wie das bei uns jetzt konkret abläuft ist, wir gehen in diese Sortierung und haben da genaue Sortieraufträge. Das bedeutet, die sortieren dann für uns eine Tonne leinwandbindige Bettwäsche mit bestimmten Qualitätskriterien, eine Tonne Jerseybettwäsche mit bestimmten Qualitätskriterien.

Die kommt zu uns nach Berlin, wird aufbereitet und wird dann in einer Produktion in Berlin oder in Polen dann abgecycelt. Okay, das heißt also, ihr habt schon gewisse Vorgaben. Ihr wisst, das läuft gerade gut hier. Pullover zum Beispiel, die Jahreszeit. Also bitte Sortieranlage in der Mark Brandenburg.

Wir brauchen 10 Quadratmeter Bettwäsche, die wir nutzen können. Genau. Also es sind unterschiedliche Materialien. Für Pullover benutzen wir beispielsweise Decken. Da gibt es Vliesdecken, da gibt es Wolldecken.

Aber das ist eben so der Kern. Bloß es geht da nicht um 10 Quadratmeter, sondern da geht es dann immer um ein paar Tonnen. Wäre eigentlich auch das ideale Geschäftsmodell für euch. Ihr seid jetzt im Liefern von neuer Ware, aber das Abholen von zu recycelnder Ware wäre ja auch etwas, was Warehousing One gut anstehen könnte. Absolut.

Wir machen auch tatsächlich nicht nur Endkundenauslieferungen, sondern im Endeffekt die ganze Bandbreite in und um ein Lager. Das heißt auch Distribution, auch Reverse Logistics. Von daher ist das etwas, was für uns natürlich auch sehr, sehr spannend ist. Wobei das eher die Retouren dann sind zum tatsächlich identischen Versender wahrscheinlich hin, während es bei euch ja dann in eine ganz andere Richtung geht. Also nicht in die nächsten Schritt schreddern, sondern nächster Schritt Upcycling.

Absolut. Und das ist natürlich was, was man sich auch erst mal überlegen muss. Ihr habt ja auf eurer Website auch eine richtige Vision stehen. Wie kam es denn wahrscheinlich bei einer guten Flasche Wein dazu, dass ihr die entwickelt habt? Du und Nils.

Ja, ich hatte das eben schon ein bisschen anklingen lassen. Nils, den du auch gerade ansprichst, der ist Modedesigner. Ich selbst habe eigentlich gar keinen großen Bezug zu Textil, geschweige denn zu Mode. Also ich würde mich auch immer noch als unmodische Person bezeichnen. Was ein bisschen kurios ist, wenn ich jetzt ein Modeunternehmen eben mitgegründet habe.

Aber die Motivation, die wir da haben, die ist wirklich extrem intrinsisch. Also wer einmal sich intensiv mit der Textilindustrie beschäftigt und wer dann versteht, was für soziale und ökologische Kosten externalisiert werden, so wie wir Textilien konsumieren. Das bedeutet Personen, die unsere Textilien fertigen von Fast Fashion Unternehmen, die werden in aller Regel nicht gut bezahlt. Es gibt mehrere Umweltprobleme, die unterwegs nicht in eine Kalkulation mit einberechnet werden. Und wenn man dann einmal in so eine Textilsortierung geht und wirklich sieht, was für Mengen an Textilien da rumliegen, dann stellt man sich eigentlich die Frage: Brauchen wir noch neue Textilien?

Also brauchen wir neue Fasern? Muss irgendwo noch weiter Baumwolle angepflanzt werden? Oder können wir nicht die bestehenden Materialien, die es schon hier in Deutschland gibt, lokal wiederverwerten? Und darauf fokussieren wir uns eben. Und so kam es dann eben auch zu der Idee, dass wir einfach gesagt haben, das ist so eine dreckige Industrie.

Wir haben eine ganz coole Idee gefunden, wie wir skalierbar abzeichnen können. Lass uns das mal machen. Also du hast quasi die Chance gehabt, auch in jede andere Branche zu gehen, aber hast gesagt: Okay, nun nehmen wir mal die Mode, weil es dich einfach als Überzeugungstäter reizt, da was Gutes zu tun. Wie geht ihr denn mit euren Mitarbeitern um? Haben die auch das gleiche Mindset?

Ist das dann eher so ein bisschen sektenähnlich? Also sektenähnlich ist das nicht, aber das sind natürlich viele Leute, die hinter dieser Idee ja nicht nur sehr stark stehen, sondern die sich damit eben auch identifizieren können. Also es gibt glücklicherweise auch eine immer größere Anzahl an Menschen, die in ihrer Arbeit auch einen Sinn finden wollen und die an sinnvollen Dingen arbeiten. Und wenn man sich mit Wiederverwertung von Materialien und mit Ressourceneffizienz so greifbar auseinandersetzt, dann sind wir tatsächlich in der glücklichen Situation, dass es da wirklich sehr viele Leute gibt, die sich dafür interessieren. Also wenn wir Stellenausschreibungen haben, dann gibt es da immer sehr viele Bewerbungen.

Wir kriegen auch immer viele Initiativbewerbungen und das freut uns natürlich und das ist natürlich auch ein schönes Zeichen, dass wir da offensichtlich an der Sache arbeiten, die für viele auch einen höheren Stellenwert hat als in Anführungszeichen nur Arbeit. Also die goldene Währung, den Purpose zu haben, das hilft natürlich in so einem umkämpften Markt, auch wie wir ihn jetzt in Deutschland, was Fachkräfte angeht, sehen. Wie ist das bei euch, Fabian? Aus deiner Erfahrung heraus, braucht man so eine Art Spirit, so ein Community-Feeling, um die Leute bei der Stange zu halten, die Mitarbeiter? Logistik ist ja ein bisschen weniger sexy verglichen mit Nachhaltigkeit, aber insgesamt sehe ich, dass sich die Arbeitswelt einfach verändert hat und Arbeitnehmer ganz andere Anforderungen haben als vielleicht noch vor fünf Jahren oder vor zehn Jahren.

Das ist etwas, was sehr viel kritisiert wird, viel von über 40 Männern auf LinkedIn, das hat sicher jeder schon mal gesehen. Ich finde, eigentlich ist es eine sehr, sehr gute Entwicklung. Es ist im Endeffekt eine Entwicklung in die Richtung, dass man sich auf Augenhöhe begegnet, Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Und das schafft aus meiner Sicht Raum für konstruktive Kritik, das schafft Raum für Kreativität. Das macht es natürlich manchmal schwieriger als Arbeitgeber, muss sich mehr Gedanken machen, gerade wenn man vielleicht aus einem konventionellen Geschäftsbereich kommt, wie eben der Logistik, wie man sich gegenüber Mitarbeitern verkauft, was man Mitarbeitern für Mehrwert gibt, für eine Vision gibt.

Aber das ist auch wichtig und das führt insgesamt zu, würde ich sagen, langfristig besseren Unternehmen. Und zufriedenere Mitarbeiter, Michael, die sind bei euch also mit dem Purpose gut bedient. Wie sieht es denn mit der typischen Kundschaft aus? Kommen wir mal zu eurem eigentlichen Unternehmen und dem täglichen Business. Es ist ja ein umkämpfter Markt, ihr müsst auch um Kunden werben.

Habt ihr so eine Art Stammkundschaft, wie sieht der typische Kunde aus? Ja, also als wir ganz am Anfang gestartet sind, vielleicht auch so ein bisschen blauäugig, haben wir gedacht, ja, das wird ja sowieso direkt einschlagen, weil es irgendwie so ein cooles Konzept ist. Aber wir haben auch schnell gelernt und ich glaube, da sind wir auch sehr gut umgesetzt, dass bei aller Diskussion über Purpose und Nachhaltigkeit das Wichtigste ist, dass man ein geiles Produkt hat. Es muss ein geiles Produkt sein, was nachhaltig ist, aber es muss in allererster Linie einfach ein geiles Produkt sein. Und das bedeutet in dem Fall von Textil oder von Bekleidung, es muss gut aussehen, es muss sich gut anfühlen, es muss langlebig sein.

Und nur dann schafft man es eben auch zufriedene Kundinnen und Kunden zu haben, die dann natürlich auch die Produkte wieder kaufen. Und das sehen wir bei uns eben auch, dass es da einmal einen sehr hohen Kundenstamm gibt, weil Leute dann natürlich auch all das, was dahinter steht, extrem toll finden. Die gehen dann zu Hause, wenn sie mit Freundinnen und Freunden darüber sprechen, setzen sich dann hin und sagen dann, hey, schau mal, meine Jacke, das war vorher mal eine Wolldecke. Oder hättest du gedacht, dass diese Tasche vorher mal eine Lederjacke war? Da steckt so viel Emotionalität drin.

Deshalb gibt es da viele Leute, die da wiederkennend bei uns sind. Es ist bei uns tatsächlich sehr modetypisch. Bei uns zwei Drittel der Personen, die Modprodukte kaufen, sind weiblich. Wir haben eigentlich so zwei Unterschiede in Altersklassen. Das ist einmal ein bisschen eine jüngere Zielgruppe und dann eine Zielgruppe ab 45, weil die das Verständnis eben mitbringen, dass so eine Qualität und so eine Aufbereitung vielleicht auch ein bisschen was kostet.

Aber die natürlich sich das auch leisten können und leisten wollen. Stichwort Kosten: Wie setzt ihr denn eure Preise? Guckt ihr, was es bei Shine oder Temu kostet, von wegen billig? Oder guckt ihr, wie es bei den Top-Marken kostet und orientiert euch daran? Also ich glaube, mit Fast Fashion oder mit Ultra-Fast Fashion kann und sollte man auch gar nicht mithalten.

Weil das, wie gesagt, ganz viele Kosten in sozialer und ökologischer Natur außen vor lässt. Und genau das wollen wir ja nicht. Das heißt, wie wir unsere Preise berechnen, ist jetzt nicht, dass wir schauen, was machen die anderen links und rechts. Sondern wir schauen uns eben an, okay, was haben wir für Produktionskosten, was haben wir für Aufwände? Und dann natürlich auch, wie finden wir einen guten Preispunkt, damit wir da auch den entsprechenden Absatz haben.

Bei uns gibt es Produkte von 9 Euro, das sind beispielsweise Scrunchies, also Haargummis aus Bettwäsche und FFP2-Mastengummis. Wenn ich da bei uns in die Runde gucke, wären wir drei da jetzt nicht die richtige Zielgruppe für. Und Mentel aus Wolldecken, die kosten 289 Euro, also da sind wir so zwischendrin. Es ist unser erklärtes Ziel, massen- und alltagstauglich zu sein und das findet sich auch in der Preisgestaltung wieder. Und wie läuft das Geschäft?

Wie hat sich der Umsatz entwickelt? Das Geschäft entwickelt sich glücklicherweise gut, sonst hätten wir es ja auch gar nicht in die Visibility-Charts von euch beiden geschafft. Das ist natürlich eine Entwicklung, die uns sehr freut. Also was man erstmal nochmal festhalten muss, dieses Konzept Upcycling, was wir machen, das ist keine Raketenwissenschaft und das ist auch nichts etwas, was wir irgendwie erfunden haben, sondern das ist etwas, wo wir vielleicht einfach nochmal so einen kleinen extra Twist gegeben haben, damit das eben auch skalierbar ist. Und das Ganze wird skalierbar, wenn man das groß denkt, wenn man tonnenweise Textilien eben upcyclet, und das machen wir.

Und wir haben zwei Geschäftsbereiche. Das eine ist, dass wir B2C-Produkte verkaufen, vornehmlich über unseren Online-Shop. Wir hatten auch eine Zeit lang einen Laden gehabt. Das hat aus verschiedenen Gründen, haben wir den Laden vor kurzem in Berlin eingestellt, sondern wir fokussieren uns B2C auf Online. Aber ein zweiter, auch sehr großer Bereich ist, dass wir auch direkt mit Unternehmen zusammenarbeiten und eigentlich Upcycling as a Service anbieten.

Das heißt, mit großen Unternehmen wie DHL, der Deutschen Bahn, Fisherman's Friends, vielen Fußballvereinen, mit denen arbeiten wir auch zusammen, um direkt Upcycling-Produkte und Konzepte mit denen zu entwickeln. Du hast schon gesagt, und ich hatte es auch auf der Website gesehen, der Flagship-Store in Berlin nach einem Jahr eingestellt. Jetzt müsstest du, Fabian, als erklärter Online natürlich sagen, habe ich doch immer schon gewusst, es geht halt nur noch online. Wie ist das so aus deiner Erfahrung? Ehrlich gesagt überhaupt nicht.

Ich komme natürlich aus dem Online-Handel in gewisser Weise, aber ich bin immer mehr der Überzeugung, dass der Einzelhandel bestehen bleibt. Ich glaube nicht, dass wir das 10. Einkaufszentrum in einem Stadtviertel brauchen und ich glaube auch, dass das langsam aussterben wird. Aber der Einzelhandel als Kanal, um Kunden physische Produkte zu zeigen und zu präsentieren, das wird es aus meiner Sicht auch noch in 10, 20, 30 Jahren geben. Und das wird nicht so schnell verschwinden.

Und das sieht man aus meiner Sicht auch daran, wenn wir große Online-Brands anschauen, wie das ja als Erfolg gefeiert wird, wenn man mal im DM gelistet wird, im REWE gelistet wird. Also Einzelhandel ist einfach auch selbst für die Brands, die von Anfang an aus dem Online-Bereich kommen, immer noch ein großer Faktor. Also es lebe der Omnichannel und trotzdem, Michael, hat es bei euch nicht geklappt. Woran lag das? Ich würde nicht sagen, dass das, also Omnichannel ist ja das richtige Stichwort, man muss es immer holistisch betrachten und genau das haben wir eben auch gemacht.

Bei uns waren es am Ende zu viele Aufwände für zu wenig Ertrag, die wir bei uns im Einzelhandel gesehen haben. Das eine ist Miete, Personal, aber das andere ist natürlich auch die ganzen extra Aufwände da drumherum, die Planung, die Erstellung von irgendwelchen Schichtplänen. Dann fallen vielleicht kurzfristig Leute aus. Und wir sind gerade in einer Phase, in der wir einfach andere Opportunitäten haben und uns dann betriebswirtschaftlich die Frage stellen müssen: Macht das jetzt Sinn, dass wir uns mit solchen "Kleinigkeiten" rumärgern oder sollen wir nicht lieber uns darauf fokussieren, online weiter auszubauen und gleichzeitig noch mit weiteren großen Unternehmen Upcycling-Projekte umzusetzen? Und das war dann ab einem gewissen Punkt für uns eine sehr klare Entscheidung, weshalb wir gesagt haben, wir werden das Thema Einzelhandel vorerst beenden.

Nichtsdestotrotz sind wir natürlich ein Unternehmen mit physischen Produkten, die erlebbar sind und die ja auch eine Geschichte haben. Und deshalb ist es auch nach wie vor ein Anliegen, dass wir auch eine gewisse physische Präsenz haben und das werden wir auch umsetzen. Wir haben in Berlin/Neukölln einen Standort, in dem ist unser Lager, unser Atelier, unser Fotostudio. Aber da gibt es eben auch einen Showroom, den wir immer wieder jetzt für Events auch nutzen, um dann eben mehr in Pop-up-Konzepte zu gehen und da dann auch Leute vor Ort zusammenzubringen. Also aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Und wir können damit rechnen, dass es auch weiter sich lohnt, mal physisch das Ganze anzufassen und zu betrachten, wenn man Termine erlangt bei euch im Laden oder im Lager besser gesagt und im Showroom, wo man dann das Ganze sich mal vorführen lassen kann. Was ist denn der nächste Schritt, den ihr dann im Online-Handel plant? Also eine riesen Thematik rund um das Konzept Upcycling ist, ich hatte das eingangs kurz erwähnt, dass wir mit einigen Unikaten auch handeln. Und das sind große Herausforderungen einfach in den Operations. Also müsst ihr euch vorstellen, wenn wir jetzt einen tollen Mantel haben, der aus einer Wolldecke hergestellt ist, dann kann ich diesen Mantel einmal online verkaufen und dann ist er ausverkauft.

Und das ist eine große Skalierungsfrage, wie man bei wachsender Anzahl an Produkten diese Operations weiterhin eben umsetzen kann. Wir fokussieren uns gerade auch sehr stark auf etwas, was wir in Anführungszeichen "Massenunikate" nennen. Das sind beispielsweise Taschen aus schwarzen Lederjacken oder das sind Produkte aus LKW-Plan. Die haben den Vorteil, dass diese Produkte zwar alle minimale Unterschiede haben, weil da irgendwo mal eine Naht anders ist aufgrund des Upcycling-Ansatzes. Aber an sich sind die Produkte eben zu 99 Prozent gleich und da fokussieren wir uns vor allem auch gerade produktseitig darauf, noch weitere sehr ähnliche "Massenunikate" zu entwickeln.

"Massenunikate" finde ich einen sensationellen Begriff. Wie läuft das dann? Nils sitzt dann da und überlegt: Mensch, wie können wir, welches Produkt brauchen wir? Also LKW planen und dann könnten wir daraus super Taschen oder ähnliches machen. Oder habt ihr da eine eigene Abteilung, die da nur sitzt und die Senierbrillen auf habt und überlegt: Was können wir als nächstes als Grundstoff nehmen, um daraus was Schönes als Endprodukt zu machen?

Genau, also da gibt es natürlich ein ganzes Team, was sich darum kümmert. Also wir haben ein eigenes Produktteam, das besteht aus vier Personen. Die kümmern sich nur darum, wie wir dieses Upcycling-Konzept eben weiterentwickeln können. Und um dann nochmal zu diesem Purpose-Thema zu gehen: Die sind dann natürlich auch maximal motiviert, weil die eben merken: Wenn wir diese Sachen nicht verwerten, dann werden die entsorgt. Also wir haben Produkte, Sofakissenbezüge, die wir in Beutel dann upcyceln.

Denn jeden Beutel oder jeden Sofakissenbezug, den wir upcyceln, den retten wir damit aktiv vor der Verbrennung. Diese Materialien, die werden sonst in großen Ofen geworfen. Also das ist natürlich auch eine riesige Motivation. Und um da auf die Frage von dir einzugehen: Die Produktentwicklung bei uns erfolgt ein bisschen anders. Die erfolgt nicht auf einem weißen Blatt Papier.

Da setzt sich keiner hin und sagt: Jetzt könnten wir vielleicht das, das und das machen. Sondern wir gehen dahin, wo eigentlich alle hingehen sollten. Wir gehen in eine Textilsortierung, wir schauen uns eben an, was gibt es für Materialien, in welcher Stückzahl, in welchen Qualitäten schon vor Ort. Und wie können wir daraus, das ist ganz wichtig, sinnvolle Produkte eben herstellen. Das heißt, unsere Produktentwicklung, die beginnt in der Textilsortierung.

Und da identifizieren wir aus 400 verschiedenen Kategorien upcyclingfähige Produkte. Jetzt schreibt ihr ja auch in eurer Vision: Wir wollen für ethischen Konsum sensibilisieren. Das ist ja nicht nur Mode. Was kommt denn als nächstes dran? Wohnen, Essen, wo skaliert ihr hin, wenn nicht mehr im Bereich Textil, wo ihr dann Marktführer seid?

Also es gibt, das fand ich ja ganz spannend, bei unserem Laden hatten wir beispielsweise auch Sitzelemente aus geschredderten Textilien. Beziehungsweise aus gepressten Textilien. Da gab es dann immer wieder Anfragen von Leuten, die gesagt haben: Das ist ja total cool, dass ihr hier so eine kleine Bank oder so einen kleinen Ballen habt, wo man sich hinsetzen kann. Kann ich das kaufen? Da war ich total verwirrt.

Das ist wirklich Schrott. Also das sind 50 Kilo gepresster Müll. Das ist ein großes Grillbrick. Das kannst du eigentlich nur noch verfeuern. Aber es gab eine Nachfrage und Leute haben gesagt: Das ist ja total cool.

Ich will mir sowas zu Hause hinstellen. Das heißt, das könnte eben eine gute Möglichkeit sein, dass man sich in diesem Bereich auch nochmal weiter ausprobiert. Ist aber im Moment nicht wirklich unser Fokus, sondern wir haben noch ganz viel vor bei Textil. Da gibt es eine Menge zu tun und da kommen wir dann später sicherlich auch nochmal in andere Bereiche vordringen. Also die Planung erstmal bei Textil bleiben und vielleicht ins Ausland expandieren?

Auf jeden Fall. Also die Textilindustrie ist eine sehr globale Industrie, hat eine unheimlich komplizierte Lieferkette. Wir verkaufen einen Großteil unserer Produkte natürlich in Deutschland. Wir schalten beispielsweise aber auch Werbeanzeigen in Österreich. Das heißt, wir bekommen auch aus Österreich einige Bestellungen.

Wir kriegen auch, ohne dass wir das aktiv bewerben, aus dem naheliegenden europäischen Ausland auch Bestellungen. Und das ist natürlich auch spannend für uns zu sehen, dass dieses Konzept und so wie wir Upcycling betreiben, da offensichtlich auch noch einen Markt im mindestens europäischen Ausland hat. Die Landesgrenze wird es dann natürlich auch logistisch wieder eine neue Herausforderung. Was würdest du sagen, Fabian, wo wird es einfach sein? Wo müsste Michael dann schon eine Null hinten dranhängen bei den Transport- und Logistikkosten?

Ja, generell kann man sagen, alles innerhalb der EU ist einfach. Alles außerhalb der EU wird ein bisschen komplexer und ein bisschen teurer. Ich würde trotzdem empfehlen, wenn man expandiert, sich vielleicht erstmal nicht nur auf die Logistik zu konzentrieren, sondern auf das Geschäft im neuen Land und aus Deutschland heraus zu verschicken, bis man eine gewisse kritische Menge erreicht hat. Und dann kann man sich Gedanken machen, ob man mal vielleicht ein Lager aufmacht in dem Zielland. Nun habt ihr ja nicht nur Environmental im Blick, sondern ihr seid ja die Guten.

Ihr wollt auch die Mitarbeiter fair entlohnen und ihr wollt auch letztlich die Social-Aspekte bei euch leben. Die Vorbildlichen, weil ihr die Guten seid. Ja. Wie weit seid ihr damit gekommen in den fünf Jahren? Ja, also du hast es jetzt gerade so über Schwitz formuliert, wir sind die Guten.

Das impliziert ja eben auch immer, die anderen sind die Bösen. Mir geht es gar nicht um so eine Zeigefinger-Mentalität, sondern das ist mir wirklich wichtig, das zu betonen. Alles was wir machen, das machen wir zwar aus einer Überzeugung heraus, aber wir wollen am Ende auch immer über die Produkte überzeugen. Aber natürlich ist das Konzept, das Upcycling, so wie wir das ökologisch und sozial vorleben, der Unternehmenskern. Was machen wir im sozialen Bereich?

Wir arbeiten mit sozialen Partnern zusammen. Das bedeutet, wenn karitative Organisationen Textilien bekommen, die sie nicht verwenden können. Jetzt nehmen wir mal ein ganz einfaches Beispiel. Berliner Stadtmission, mit der arbeiten wir zum Beispiel zusammen. Das ist in Anführungszeichen die Obdachlosenorganisation in Berlin, kümmert sich sehr viel um soziale Belange hier in der Stadt.

Die kriegen auch Bettwäsche gespendet. Das Problem ist bloß, obdachlose Menschen haben per se kein Bett. Das heißt, es gibt da einen sehr geringen Bedarf an Bettwäsche, was zur Folge hat, dass das am Ende für die Berliner Stadtmission Kosten sind, wenn sie diese Bettwäsche als Spenden erhalten. Das heißt, wir nehmen karitativen Organisationen, wir kaufen karitativen Organisationen Textilien ab, die wir weiterverwenden können. Die können die Erlöse dann wieder sinnvoll einsetzen.

Das ist einmal in der Materialbeschaffung, wie wir uns sozial engagieren, aber auch in der Produktion arbeiten wir mit eins, zwei, aber nicht ausschließlich sozialen Nähereien zusammen, wo Leute, die vielleicht irgendwelche kleineren Beeinträchtigungen haben, in einem sehr sicheren Arbeitsumfeld eben auch Produkte fertigen können. Da gibt es zwei Einrichtungen in Berlin, mit denen wir seit Anfang an auch zusammenarbeiten und die dann sehr einfache Produktfertigung auch für uns übernehmen können. Dann schauen wir jetzt zum Abschluss unseres Podcasts nochmal in die Zukunft würde ich von euch beiden gerne wissen, wie ihr da den Ausblick wagt. Ich nehme mal noch einen Satz aus eurer Vision. Wahrhaftig nachhaltige und fair produzierte Kleidung sollte der Standard sein, schreibt ihr da.

Fangen wir mal mit dir an, Fabian. Du trägst noch ein Marken-Shirt, schätze ich mal. Ja, hier die Designer-Jeans. Nein, stimmt nicht. Aber wann schwenkst du so um, dass du beim Einkaufen tatsächlich das als Standard ansiehst?

Ich würde vielleicht nochmal eine neue Perspektive reinbringen. Es ist natürlich wichtig, dass Konsumenten ethisch handeln. Um wirklich Nachhaltigkeit zu erreichen, müssen wir es aber auch schaffen, dass auch die Konsumenten, denen das völlig egal ist, denen Nachhaltigkeit völlig egal ist, im Endeffekt nachhaltig kaufen müssen. Ich bin ehrlich gesagt sehr, sehr optimistisch, wenn ich in den nächsten Horizont von vielleicht 10, 20 Jahren blicke, einfach weil wir aktuell sehen, dass die weltweiten Lieferketten insgesamt nachhaltiger werden. Das hängt auch mit strukturellen Effekten zusammen.

Wenn wir uns China anschauen, China war, als ich jung war, noch das absolute Billiglohnland. Jetzt langsam geht das in eine andere Richtung und das ist so der allgemeine Trend, den wir haben. Ich bin der Überzeugung, dass in 20 Jahren selbst eine Brand, deren Nachhaltigkeit egal ist, zu einem gewissen Grad und deutlich mehr als aktuell nachhaltig beschaffen muss und deswegen sehe ich das Ganze sehr positiv. Natürlich auch dank Unternehmen wie das von Michael wird Nachhaltigkeit allgemein, ja man könnte es fast einen Modetrend nennen und auch das spielt da natürlich mit rein. Und der Modetrend speziell bei dir in der Modebranche, wann wird es dazu kommen, dass ihr eure Ziele erreicht habt?

Marktabdeckung 100 Prozent, alles nur noch Mut, ist vielleicht ein bisschen utopisch, aber was ist dein realistisches Ziel? Wann habt ihr diesen Standard aus deiner Sicht erreicht und du kannst beruhigt in die Rente gehen? Also das Ziel ist nicht, dass wir mit Mut eine Marktabdeckung von 100 Prozent erreichen, aber es ist eigentlich total greifbar. Das nächste Mal, wenn wir uns sehen, dann ist meine Hoffnung, dass ihr beispielsweise ein Hemd an habt, das vorher mal eine Bettwäsche war oder ihr habt vielleicht einen Beutel dabei, der vorher ein Sofakissenbezug war. Das heißt Upcycling soll nicht mehr und nicht weniger als alltäglich werden und man kann das ganz gut vergleichen mit Second Hand.

Second Hand war vor sieben, acht Jahren zwar auch schon da, aber damals war Second Hand eine absolute Nische. Das war sogar schambehaftet, wenn jemand gesagt hat, oh, ich trage ein Stück Bekleidung aus zweiter Hand, weil damit ist ein bisschen mitgeschwungen, oh, kannst du dir nichts richtiges leisten? Also hast du denn Textilien von jemand anderem an und wir sehen dieses Thema Remanufacturing bzw. Upcycling sehr ähnlich. Ich würde nämlich sagen, das ist noch ein langer Weg, es ist eine absolute Nische noch gerade, aber es wird immer mehr Einzug in den Alltag erhalten und dann werden wir das nächste Mal zusammensitzen und dann zeigt einer von euch vielleicht, hey, schaut mal meine Laptop-Pülle, die ich gerade dabei habe, die war vorher eine LKW-Planer oder meine Jacke, die war vorher meine Brülldecke.

Ganz herzlichen Dank, lieber Michael, für die Einblicke. Mit dieser Vision werden wir uns auf den Weg machen und spätestens vor unserem nächsten Zusammentreffen dann nochmal schauen, wo es die für uns greifbaren Upcycling-Produkte in der Nähe gibt. Ich fange mal wahrscheinlich an tatsächlich mit meinem Rucksack, der als nächstes ansteht zur Erneuerung. Dir ganz herzlichen Dank, dir auch Fabian, dass ihr beide hier sein konntet und auch an euch, liebe Hörerinnen und Hörer, vielen Dank für eure Zeit. Mehr Informationen zum Thema Handel erhaltet ihr auf e-tailment.de und dort findet ihr auch die aktuellen Visibility-Charts kostenfrei zum Download.

Alles Gute und bis zur nächsten Ausgabe von Achtung, Handel! Untertitelung des ZDF, 2020

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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