
Amazon: 7 Gründe, warum der "Washington Post"-Deal von Jeff Bezos auch für Retail ein Paukenschlag ist
Amazon-Gründer Jeff Bezos kauft für 250 Millionen Dollar (Cash) das Traditionsblatt "Washington Post" und einige kleinere Medientitel. Das ist mehr als das spleenige Vergnügen eines Milliardärs. Denn auch wenn Bezos in einem Brief an die Mitarbeiter sagt, er habe noch keinen Plan, dürfte er doch so etwas wie ein langfristige Vision für das defizitäre Blatt haben. Die dürfte sich auch um den Retail ranken. Denn die Chancen und Möglichkeiten sind gewaltig.
Kundenorientierung: Es ist ein bemerkenswerter Satz, den Bezos an die Mitarbeiter richtete. "Our touchstone will be readers, understanding what they care about – government, local leaders, restaurant openings, scout troops, businesses, charities, governors, sports – and working backwards from there."
Und wer weiß besser, was Kunden wünschen, als der Daten-Gigant Amazon. Wem es gelingt, die Datenwelten von Medien und Retail zu verschränken, kann "superschlaue" Algorithmen erzeugen, bekommt Informationen und Prognosefähigkeiten an die Hand (für News und Handel) deren Folgen man sich nur heute ansatzweise vorstellen kann.
"In zwanzig Jahren wird es keine gedruckten Zeitungen mehr geben." Jeff Bezos, Berliner Zeitung
Content: Amazon steigt bereits mit Filmgeschäften in die Content-Produktion ein. Ein eigenes Newsmedium im Bezos-Kosmos rundet da das Bild ab. Die Medien können sich gegenseitig befruchten.
Ökosystem: Die Washington Post könnte das Kindle-System stärken. Nutzer könnnen schon jetzt Bücher ausleihen. Warum nicht auch eine Tageszeitung für Prime-Mitglieder?
Werbung: E-Commerce-Werbung findet immer auch noch in News-Medien statt - von Banner bis Affiliate. Amazon und Washington Post könnten fröhlich Hand in Hand an neuen Werbemodellen für den E-Commerce tüfteln, ohne dabei erstmal auf schwarze Zahlen achten zu müssen. Immer in der Hoffnung, langfristig das (vor allem mobile) Ei des Kolumbus zu finden.
Digital: Die Tage der gedruckten Zeitung mögen gezählt sein. Information aber ist weiter gefragt. Digital. Bezos, der durchaus weiterhin an qualitativ hochwertigen Journalismus glaubt, dürfte festen Glaubens sein, dass sich hier in Verbindung mit der Allgegenwart von Amazon, dem Kindle und der wachsenden mobilen Mediennutzung langfristig Perspektiven zeigen.
"In absehbarer Zeit wird es in jedem Haushalt mehrere Tablets geben. Das wird ganz normal sein. Und diese Entwicklungen wird auch den Zeitungen Rückenwind geben." Jeff Bezos, Berliner Zeitung
Nutzungsfrequenz: Wie oft kaufen Sie eine CD bei Amazon? Wie oft kaufen Sie ein Buch auf dem Kindle? Mit der Washington Post (und anderen Newsangeboten) kann Bezos den Kontakt zur Marke Amazon noch weiter verdichten. Jeden Tag wird ein Tag mit Kontakt zu Amazon. Welcher Händler, außer Ihrem Bäcker beim morgendlichen Brötchen-holen, kann da mithalten?
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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