Arcandor-Insolvenzabwicklung dauert noch Jahre

Arcandor-Insolvenzabwicklung dauert noch Jahre

Die Insolvenz des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor ist inzwischen mehr als sechs Jahre her. Doch aufgearbeitet ist die Pleite noch lange nicht. Die Gläubiger dürften ihr Geld jedoch kaum wiedersehen.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Der Zusammenbruch von Arcandor 2009 war eine der größten Pleiten in der Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik. Tausende Arbeitsplätze gingen verloren. Und Tausende Gläubiger blieben auf ihren Forderungen sitzen, die zusammen Milliardenhöhe erreichen. Auch juristisch geht die Aufarbeitung der Pleite noch weiter. Die Staatsanwaltschaft Bochum erhob erst in diesem November beim Landgericht Essen Klage gegen insgesamt 15 frühere Verantwortliche des pleitegegangenen Handelskonzerns. Über eine Zulassung der Klage ist noch nicht entschieden.

Kaum Hoffnung für Gläubiger

Jauch machte den Gläubigern von Arcandor, Karstadt und Quelle kaum Hoffnung, durch das Insolvenzverfahren noch nennenswerte Summen zurückzuerhalten. Bei der Arcandor AG in Liquidation hätten 1.077 Gläubiger Forderungen in Höhe von 443 Millionen Euro angemeldet. Doch die zu erwartende Quote liege maximal bei 0,5 Prozent. Von jedem Euro, den ihnen Arcandor schuldet, werden die Gläubiger also wohl nur einen halben Cent wiedersehen.

Die 11.585 Quelle-Gläubiger, die Forderungen von 894 Millionen Euro angemeldet haben, können nach Angaben des Insolvenzverwalters mit einer Quote von 3,4 Prozent rechnen. Die Quote bei Karstadt Warenhaus - dort fordern 37.500 Gläubiger rund 1,2 Milliarden Euro - liege nach Plan derzeit bei 4 Prozent.

Der Insolvenzverwalter ist nach wie vor darum bemüht, Geld für die Konkursmasse aufzutreiben. So verklagte er erst vor wenigen Monaten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften des Arcandor-Konzerns auf Schadenersatz in Höhe von fast 100 Millionen Euro. Er wirft ihnen vor, 2008 pflichtwidrig unterlassen zu haben, den Konzern auf seine bereits damals bestehende Zahlungsunfähigkeit hinzuweisen. Auch gegen zahlreiche Ex-Manager des Konzerns laufen Schadenersatzklagen. Doch selbst wenn auf diese Weise noch etliche Millionen in die Konkursmasse kämen: Gemessen an den Schulden seien diese Beträge gering, betonte Jauch.

Verkauf an Berggruen "richtige Entscheidung"

Ausdrücklich verteidigte der Manager den Verkauf von Karstadt an den später unglücklich agierenden Investor Nicolas Berggruen. "Das war die richtige Entscheidung." Damals seien drei Bieter im Rennen gewesen, die alle nur einen Euro hätten zahlen wollen. Der von Berggruen angebotene Kaufvertrag habe für den Insolenzverwalter und die Gläubiger deutlich weniger Haftungsrisiken beinhaltet als die anderen Angebote. Außerdem habe Berggruen damals bei den Verhandlungen keinen schlechten Eindruck gemacht. Später habe man "mit Staunen beobachtet, wie schwach Herr Berggruen agiert hat".

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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