
Auf der Suche nach dem "Kauf-mich-Knopf" im Hirn
Wie lässt sich die Einkaufslust der Konsumenten anheben? Mit Zitronenduft an der Kasse. Klingt nach Zauberei, aber Neuromarketingexperten versichern die positive Wirkung solcher und anderer Tricks.
Björn BöerChefredakteurSteigende Umsätze
"Wer dieses neuropsychologische Wissen nutzt, spürt den Erfolg - meist an steigenden Umsätzen", betont Professor David Scheffer vom Hamburger Institut 180 Grad. Mit seinem Team entwickelte er eine Methode (NeuroIPS), stabile Persönlichkeitsmerkmale zu messen und damit die Erkenntnisse der Hirnforschung praktisch nutzbar zu machen.
Scheffer erarbeitete zudem ein Verfahren, mit dem die Persönlichkeitsmerkmale miteinander verglichen werden. Neu daran ist, dass die Teilnehmer nicht mehr direkt befragt werden, sondern einen einfachen Onlinetest zur Wahrnehmung von Formen, Farben und Bildern beantworten. In seiner jüngsten Studie ermittelte Scheffer die unterschiedlichen Persönlichkeitstypen in sechs Ländern sowie in ausgewählten deutschen Großstädten.
"Der Konsument muss sich wohlfühlen"
Von bis zu 15 Prozent mehr Umsatz geht Hans-Georg Häusel von der Münchner Unternehmensberatung Gruppe Nymphenburg aus. Gerade Einzelhändler spürten es in ihren Kassen, wenn sie ihre Verkaufsflächen optimieren, Wege durch die Geschäfte anders führen oder ihre Waren besser platzieren. "Der Konsument muss sich wohlfühlen, ohne dass er das bewusst merkt", sagt der Experte für Neuromarketing. So könne schon ein leichter Zitronenduft im Supermarkt die Kassen häufiger klingeln lassen.
"Das sind tausend Schräubchen, an denen man drehen muss", betont Häusel. Der Einsatz von millionenteuren Hirnforschungsmaschinen sei nur eine Methode, die sich aber gemessen am Aufwand als zu wenig aussagekräftig herausstellte. So erhofften sich beispielsweise Audi oder der Daimler-Konzern mittels Hirnscannern die Designakzeptanz ihrer neuen Modelle direkt messen zu können. "Diese Hoffnung blieb ein Traum", berichtet Häusel.
Zwar könne man zeigen, ob ein Produkt positive oder negative Emotionen auslöst. Welche Emotionen es genau sind, komme dabei aber nur grob ans Tageslicht.
Ins Gehirn hineinschleimen
Seit mehr als zehn Jahren versuchen Wissenschaftler in Bonn, München, Magdeburg und Münster die Wirkung von Werbung im Unterbewusstsein zu entschlüsseln. Als eine der ersten nutzte der Konsumgüterproduzent Henkel ihre Ergebnisse. Viele Unternehmen hängen es aber aus Wettbewerbsgründen nicht an die große Glocke, dass sie solche Verfahren anwenden. Ärger bekam im vergangenen Herbst die Hamburger Sparkasse, als herauskam, dass sie mit psychologischen Kundenprofilen arbeitet.
Die größte deutsche Sparkasse hatte ihre Kunden in sieben Typen wie "Bewahrer" oder "Abenteurer" eingeteilt, ohne sie darüber zu informieren. Verbraucherschützer verurteilten dieses Vorgehen. "Man versucht, indem man sich ins Gehirn hineinschleimt, den Verbraucher in einer Weise zu beeinflussen, die nicht in seinem Interesse ist", kritisierte die Hamburger Verbraucherzentrale.
Auch eine geschminkte Frau ist Manipulation
Heftige Proteste gab es auch in den Vereinigten Staaten. Dort ging die Sorge um, es sei das Zeitalter des gläsernen Konsumenten angebrochen, der von geldgierigen Konzernen mit Methoden der Hirnforschung durchschaut wird. "Marketing ist immer eine Form der Beeinflussung. Jede Frau, die sich morgens schminkt, betreibt Manipulation", erklärt Häusel.
Verwerflich sei nur, wenn irgendein Instrument angewendet wird, um anderen wissentlich zu schaden.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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