
Automobilkrise trifft auch Caravans
Selbst die Abwrackprämie konnte nicht helfen. Der Jahresauftakt für Händler und Hersteller von Reisemobilen und Caravans war "katastrophal". Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt.
Björn BöerChefredakteurSo schlugen sich die wenigen Aufträge nicht einmal bis zu den Produzenten durch. Selbst die im absatzfördernde staatliche Abwrackprämie in Höhe von 2.500 Euro, die auch für Reisemobile gezahlt wird, vermochte den Markt nicht zu beleben.
Kundschaft immer anspruchsvoller
Die Handelsbetriebe stehen einerseits vor großen Investitionen, da die in der Regel wirtschaftlich gut gestellte Reisemobil-Kundschaft immer anspruchsvoller wird und ihre Lebensträume für teils 100.000 Euro und mehr nicht auf staubigen Schotterparkplätzen ausleben will.
Andererseits bewegen sich die Margen bestenfalls bei 20 Prozent. Wer da mit üppigen Nachlässen locken muss, hat kaum mehr finanziellen Spielraum. Zudem: Angesichts von rund 40.000 in Deutschland verkauften Freizeitfahrzeugen pro Jahr bleiben pro Händler durchschnittlich nur 80 Einheiten. "Das ist zu wenig. Ein Händler muss wenigstens eine nennenswerte, dreistellige Anzahl an Fahrzeugen absetzen, um über die Runden zu kommen", sagt Verbandschef Sternberg.
"Leichte Belebung"
Immerhin entspannt sich die Lage inzwischen etwas. Im Mai wurden mit 2.634 Einheiten sogar 0,8 Prozent mehr Wohnwagen zugelassen als im Vergleichsmonat 2008. Das Minus im Fünf-Monats-Vergleich beträgt bei 8.833 Zulassungen lediglich noch 10,8 Prozent.
Auch bei den Reisemobilen (10.006 Einheiten) sieht die Lage mit minus 18,3 Prozent ein wenig freundlicher aus. "Wir registrieren eine leichte Belebung. Ich denke, dass wir in diesem Jahr mit einem Minus von insgesamt 15 Prozent abschneiden", erwartet Sternberg. Erst für 2011 sei wieder mit einer spürbaren Nachfragesteigerung zu rechnen.
Hohe Anschaffungskosten
Dabei wird der Trend zum Reisemobil aufgrund des demografischen Wandels der Bevölkerung anhalten, während die Caravans in der Käufergunst weiter sinken.
Die zahlungskräftige Generation 50 plus gönnt sich auch beim Camping-Urlaub Komfort, junge Familien als klassische Wohnwagen-Käufergruppe können sich die Gefährte dagegen immer weniger leisten und schrecken vor den hohen Anschaffungs- und Folgekosten zurück.
Keine Rabattschlacht mehr bei Bürstner
Der Aus- und Aufbauspezialist Bürstner, der in dieser Woche noch vor der Konzern-Mutter Hymer und der -Schwester Dethleffs zur traditionellen Händler-Jahrestagung lädt, hat sich auf die Marktlage entsprechend eingestellt: 200 Mitarbeiter mussten das Unternehmen verlassen, Fahrzeuge werden nur noch nach Kundenauftrag und nicht mehr fürs Lager produziert, die Fertigung von Mobilheimen wurde ganz eingestellt, aus der Rabattschlacht will man sich verabschieden. Schließlich stiegen die Preise zum Modelljahr 2010 um rund drei Prozent - bei verbesserter Serienausstattung.
"Unsere Produktpalette haben wir aber, im Gegensatz zu manchem Wettbewerber, noch nicht gekürzt. Wir verstehen uns als Vollsortimenter und bieten den Golf der Reisemobil- und Wohnwagenklasse", sagt Bolz.
Fiat statt Ford
Bei den vier Caravan-Baureihen Premio, Averso, Belcanto und Trecento reicht die Preisspanne von 11.690 bis 25.800 Euro. Im Reisemobil-Bereich stehen gleich zehn Varianten zur Wahl. Hier reichen den Preise von 30.380 Euro für das City Car, ein im vergangenen Jahr erstmals vorgestellter Kastenwagen-Ausbau, bis zum 92.720 Euro teuren Elegance i 810 G, einem vollintegrierten Luxusliner mit 9,19 Meter Gesamtlänge.
Ins Nobelsegment stoßen die Badener auch mit dem neuen Aero Van vor. Der teilintegrierte Mercedes-Benz Sprinter steht ab 69.930 Euro in der Liste.
Ansonsten setzt Bürstner auf Fiat als Basisfahrzeuge. Die Liaison mit Ford ist nach nur vier Jahren beendet. "Die haben uns ständig neue Pakete aufgedrückt und jedes halbe Jahr die Preise erhöht. So geht das nicht", schimpft Bolz.
Bernd Nusser

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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