Baur: Twitter zum Abgewöhnen

Baur: Twitter zum Abgewöhnen

Baur verdient Respekt. Die Otto-Tochter experimentiert im Digitalen, ist mobil sogar gut aufgestellt, verbandelt mit "Joy" Content und Commerce, betreibt Blogs, erprobte sogar einen Facebook-Shop und verschweigt Fehler im dortigen Konzept nicht. Manche hätten sich sicher von vorne herein vermeiden lassen. Handwerklich aber komplett im Anfänger-Modus agiert der Versender gerade bei Twitter. Ein Lehrbeispiel.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Handwerklich aber komplett im Anfänger-Modus agiert der Versender gerade bei Twitter. Ein Lehrbeispiel.

Nun dürfte die Baur-Zielgruppe wahrlich seltener bei Twitter zu finden sein, trotzdem nutzt man den Dienst. Spült dort Schlagzeilen hinein. Für SEO, heißt  es.  Taugen dürfte das alles wenig. Nutzen bringt es auch nicht.

"BAUR Mode Blog News: Elegantes Büro-Outfit a la Heidi Klum" heißt es dazu in einen Tweet.

Kein Link, kein Hinweis, wie und wo der Klum-Stil im Blog oder gar auf der Website bei Baur zu finden ist.

Seit Mitte März ist der Twitter-Account eine Link-freie Zone*.

Verschenkte Chance. Schlimmer noch: Tweets, die von Qwertzitis zeugen, Testläufen oder einem schlechten Twitter-Automaten: "BAUR Mode Blog News: hghg jgjhgjhgj" Für solche Gaga-Tweets gibt es nicht nur bei Baur keine Zielgruppe.

Solche inhaltsleeren Tweets zeigen aber auch: Bei Baur schaut da niemand so genau hin, was da eigentlich vertwittert wird. Ein Nachteil: Was wenn ein Kunde das Dialogangebot bei Twitter plötzlich ernst nimmt, reden will, eine Frage hat? Reagiert Bauer dann überhaupt? 795 Follower hat Baur bei Twitter. Eine vernachlässigbare Größe sicherlich - zumal die Mehrheit automatische Bots sein dürften. Aber jeder Kunde könnte wichtig sein. Im Netz kennt heute jeder jeden um drei Ecken.

Was also, wenn dort ein echter Baur-Fan plötzlich Twitter nutzt, um sich zu informieren? Der kann dann in Abwandlung nur twittern @BAUR: HILFE! Ich bin im Twitterdschungel, holt mich hier raus!!! Nutzen dürfte es wenig. Denn Baur betreibt den Account nach eigenen Angaben ja vor allem mit Blick auf die SEO-Verwertung. Mit Google muss man aber nicht reden.  

Doch selbst dann ist der Account ein stumpfes Instrument. Zwar sind Links, die man bei Twitter veröffentlicht, auf NoFollow gesetzt und zahlen sich so direkt nicht aus. Aber werden Webseiten überdurchschnittlich oft erwähnt, wirkt sich das positiv auf die Google-Ergebnisse aus.

Umso eher, je mehr Follower man hat und je mehr brauchbare Links weiterempfohlen werden. Es kann sich also lohnen,  in gute Tweets, gute Inhalte zu investieren, um echte Follower zu erreichen. Es gibt reichlich Wege, mehr aus Twitter zu machen. 

So tauchen manchmal sogar Tweets einfach so in der Google-Suche auf. Eigentlich sogar häufig. Suchen Sie beispielsweise mal nach Büro-Outfit a la Heidi Klum. Der Twitter-Account von Baur erscheint dabei auf der ersten Suchergebnis-Seite.

Doof, wenn es dann keine Links zum Angebot gibt.

Twitter ist nicht nur für Baur in Sachen Social Commerce ein Nebenkriegschauplatz. Wichtiger sei Facebook. Wie relevant Facebook wirklich ist, sieht man beispielsweise bei Baur auf der Homepage. Das Logo zur Fanpage ist - zusammen mit dem Twitter-Logo - rechts unten, also ganz rechts unten. Womit wir wieder bei den handwerklichen Fehlern rund um Facebook wären. Aber das ist ein anderes Thema.

*Nachtrag: Nachdem ich dieser Tage mit einem Baur-Mitarbeiter sprach, entdecke ich heute erstmals wieder Tweets mit Link. Wahrscheinlich hat sich bei Baur zuletzt wirklich niemand für diesen Kanal interessiert. Warum sollten es die Kunden dann jemals tun?

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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