"Bertelsmann-Buchclub hat keine wirtschaftliche Perspektive mehr"

"Bertelsmann-Buchclub hat keine wirtschaftliche Perspektive mehr"

Der Buchclub hat sich nach 65 Jahren überlebt - zumindest bei Bertelsmann: Bis Ende 2015 will der Gütersloher Konzern alle Clubgeschäfte abwickeln, von der Filiale bis zum E-Book-Abo.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Der Konzern kappt damit eine seiner Wurzeln. Reinhard Mohn (1921 bis 2009) hatte den "Bertelsmann Lesering" 1950 gegründet. Der Club wurde zum Wachstumsmotor des Konzerns. Das Prinzip: Viele Menschen bestellen regelmäßig ein neues Buch oder andere Medien und bekommen die Ausgaben billiger, im Schnitt um 10 bis 20 Prozent. Das Geschäft lief, es galt Bücherregale zu füllen. Die erste Filiale wurde unter dem Namen "Bücherstube" am 1. April 1964 in Kiel eröffnet.

Die besten Zeiten hatte der Buchclub nach der Wende Anfang der 1990er Jahre: In Deutschland gab es sieben Millionen Buchclub-Mitglieder und 320 Filialen. Der Umsatz erreichte 700 Millionen Euro.

Knapp eine Million Mitglieder

Heute gibt es nach Angaben der DirectGroup in Deutschland noch 52 Filialen und knapp eine Million Mitglieder. Der Umsatz soll noch bei 100 Millionen Euro liegen. Im Ausland ist das Buchclub-Geschäft nach 2015 nur noch in der Ukraine und Russland und mit einer 50-Prozent-Beteiligung in Spanien vertreten. Für die jetzt noch etwa 520 Beschäftigten soll ein Sozialplan ausgehandelt werden.

"Das Ergebnis der Analyse ist heute auf schmerzliche Weise eindeutig", sagte der Geschäftsführer der Club- und Direktmarketinggeschäfte, Fernado Carro. "Der Club hat keine wirtschaftliche Perspektive. Es gibt keine Aussicht darauf, aus dem Club ein zukunftsfähiges Unternehmen zu machen."

Ähnliches wurde seit Jahren hinter vorgehaltener Hand bei Bertelsmann berichtet. Dabei hatte man vieles versucht: Clubmitglieder mussten seltener ein Buch bestellen, auch Nicht-Mitglieder konnten in den "Zeilenreich"-Läden oder Online einkaufen, wenn auch zum normalen Preis. Es gab einen "digitalen Kiosk" mit Zeitungen und Zeitschriften für Tablets.

Nichts half wirklich

Aber nichts half wirklich, auch der Verkaufserfolg der E-Books nicht. Nach und nach wurden die ausländischen Clubtöchter verkauft. Gründe der Schließung seien letztlich die schwindende Bindungsbereitschaft der Kunden und die Umwälzungen im Buchhandel gewesen, sagte Carro.

Vor einem Jahr hatte das Haus Bertelsmann bereits das Ende des Brockhaus angekündigt. 24.500 Seiten für knapp 3.000 Euro, das wollte kaum noch jemand kaufen. Der "aktuelle" Brockhaus von 2006 hat 300.000 Stichwörter, bei Wikipedia sind allein seit 2001 fast 1,6 Millionen Artikel auf Deutsch entstanden.

Umsatz seit Jahren kaum verändert

Insgesamt hat sich Umsatz des Buchhandels nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert, wohl aber die Vertriebswege. Jahrelang gab es kräftige Wachstumsraten der Internethändler wie Amazon und Co.

Für das Haus Bertelsmann ist das Ende des Buchclubs ein Bruch. Die Familie Mohn als Eigentümerfamilie trage die Entscheidung mit, hieß es. Im März 2015 soll die allerletzte Buchclub-Filiale geschlossen werden, am Stammsitz in Gütersloh.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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