
Das Märchen vom kostenlosen Versand
Der Schrei bestimmt das Bewusstein. Dank Zalando entsteht leicht der Eindruck, kostenlose Lieferung sei der Standard im Web. Doch die öffentliche Wahrnehmung hat mit der Realität nichts gemein. Eine Studie gibt nun Entwarnung. Zumindest in der Textilbranche in Deutschland ist Versandkostenfreiheit eher selten.
Laut einer Studie der Shopmacher liefern nur 19 der 127 größten Onlineshops der Branche – knapp 15 Prozent – ihre Ware ohne Mindestbestellwert versandkostenfrei.
„Das ist ein klares Entwarnungs-Signal für alle Online-Händler, das weit über die Textilbranche hinaus wirkt“, kommentiert Shopmacher-Geschäftsführer Marcus Diekmann das Studienergebnis. „Wer seine Produkt-und Preispolitik im Griff hat und in dieser Hinsicht gut aufgestellt ist, kann sehr wohl Versandkosten berechnen. Wenn die sonstigen Parameter stimmen, sind die Kunden bereit, diese zu bezahlen. Die in der Branche häufig gehandelte Aussage, man könne heute als Online-Händler nur versandkostenfrei anbieten, ist damit ins Reich der Märchen verbannt.“ Offenbar werde der Online-Handel auch im Hinblick auf die Erwartungshaltung der Kunden erwachsen.
Übrigens: Keiner der 19 Shops, die ohne Mindestbestellwert kostenfrei versenden, befindet sich unter den ersten 20 in der Top-100-Liste.
Diese und andere Ergebnisse der Studie legen nach Ansicht Diekmanns den Schluss nahe, dass erfolgreiche Unternehmen ihr Online- und Multichannel-Geschäft inzwischen betriebswirtschaftlich genau so solide rechnen wie ihr übriges Geschäft. „Die ganzheitliche Betrachtung der Marketing- und Vertriebswege, ob online oder offline, ist im Begriff, sich zumindest in der von uns untersuchten Textilbranche zu etablieren. Das ist die gute Botschaft.“
Konsequentes Multichannelling – Fehlanzeige
Dennoch ist konsequentes Multichannelling bislang eher selten: Die derzeit angebotenen kanalübergreifenden Multichannel-Services beschränken sich überwiegend auf Lieferung der Waren in die Filiale (23,6 Prozent). Die Möglichkeit, Waren in der Filiale zu retournieren, bieten nur 19,7 Prozent der Onlineshops. Und nur 5,5 Prozent bieten die Bezahloption in einer Filiale. Mehr dazu hier.
Stärker durchgesetzt indes hat sich bereits die Erkenntnis, dass mobile Anwendungen immer wichtiger werden, um die Kunden in ihrer jeweiligen Lebenssituation abzuholen. So hat rund jeder zweite Shop-Anbieter (49 Prozent) seinen Auftritt durch Apps und/oder mobile Sites an das veränderte Kundenverhalten angepasst. Noch deutlicher sind die Spuren, die der Hype um Facebook & Co. hinterlässt: Rund 86 Prozent der Shops unterhalten eine Facebook-Präsenz.
Zur Studie
Für die Shopmacher-Studie wurden 127 Onlineshops der Top 100 Textilhändler analysiert. Ausgangsbasis waren die von der Branchenzeitschrift TextilWirtschaft ermittelten größten Textileinzelhändler in Deutschland. Die Studie „Analyse der Onlineshops der Top 100 Textilhändler in Deutschland“ ist kostenlos bei Shopmacher erhältlich. Anforderungen unter: studie@shopmacher.de.
Einen branchenübergreifenden Überblick über die Versandkosten der Top 20 Onlinehändler hat kürzlich etailment vorgestellt.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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