
Den Kriminellen keine Chance
E-Commerce-Betrüger werden immer gewitzter bei ihren Versuchen, Webshops zu prellen. Onlinehändler sind also gut beraten, dem Thema Betrugsbekämpfung höchste Priorität einzuräumen.
David WöllensteinRedakteurDie Shopbetreiber können ihre Prozesse zwar anpassen und um neue Regeln ergänzen. Aber das ist wie beim Rennen zwischen Hase und Igel: Die Änderungen kommen immer den entscheidenden Schritt zu spät, wenn Betrüger ihre Taktik ändern.
Intelligente Systeme
Deshalb gehen erste Onlinehändler dazu über, "Analytics-Lösungen" zu installieren, die sich selbstständig auf die Suche nach neuen dunklen Machenschaften begeben. Deren größter Vorteil gegenüber dem regelbasierten Vorgehen: Die Daten sprechen für sich - es ist nicht nötig, vorab Listen mit Schwellenwerten, verdächtigen Lieferzielen oder Produktkombinationen zu erstellen und die Bestellungen damit abzugleichen.
Stattdessen nehmen sie den Bestellvorgang als Ganzen unter die Lupe: Sie ermitteln auf Basis aller Kunden- und Kaufdaten einen Scorewert, der die Wahrscheinlichkeit angibt, mit der ein Betrugsversuch vorliegt.
Dies passiert innerhalb von Sekundenbruchteilen, sodass der Händler sofort reagieren kann - etwa, indem er diesem Kunden lediglich die Möglichkeit anbietet, Waren per Nachnahme oder Vorkasse zu bezahlen.
Transaktion stoppen
Analytics-Verfahren sind nicht nur flexibler als regelbasierte, sondern das "Data Mining" stuft auch die Signifikanz eines auffälligen Vorgangs zuverlässig ein. Etwa ob der zu verhindernde Schaden eine Höhe hat, die einen sofortigen Stopp der Transaktion notwendig macht. Oder ob der mögliche Schaden in Kauf genommen werden könnte, um ehrliche Kunden nicht zu verprellen.
Grundsätzlich gilt: Ein Anti-Betrugs-System kann die Kunden und das eigene Unternehmen nur dann wirksam vor Verbrechen schützen, wenn es schlank und flexibel ist und ohne Aufwand eingesetzt und weiterentwickelt werden kann.
Die Autorin: Anette Almer, Senior Business Expert Customer, SAS Deutschland.
Dieser Artikel ist im Sonderheft Online Handel 1/2009 von Der Handel erschienen.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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