
Deutsche Unternehmen zahlen ziemlich pünktlich
Die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen hat sich Ende 2008 leicht verbessert - trotz Finanzkrise. Nur bei der gebeutelten Automobilindustrie kommt es häufiger zu Beanstandungen.
Finanzkrise: Unternehmen verlängern Zahlungsziele
Auswirkungen der Finanzkrise seien jedoch auch bei der Zahlungsmoral spürbar: Unternehmen nutzten verstärkt Lieferantenkredite, um die eigene Liquidität zu erhalten.
Sie handeln in diesem Zusammenhang bei Geschäftspartnern längere Zahlungsziele aus. Dieses Phänomen ist nach Angaben von D&B derzeit vor allem in Branchen festzustellen, die wirtschaftlich stark angeschlagen sind, wie beispielsweise die Automobilindustrie und deren Zulieferer.
Zahlungsmoral in vielen Branchen verbessert
In neun von zwölf untersuchten Branchen verbesserte sich jedoch die Zahlungsmoral
gegenüber dem dritten Quartal – trotz der Krise. Der Groß- und Einzelhandel legte um 1,1 Prozent zu: Knapp 83 Prozent der Rechnungen wurden im vierten Quartal 2008 pünktlich beglichen.
An der Spitze liegen nach wie vor Pharmaunternehmen und Banken, auch wenn beide Branchen kleine Einbußen hinnehmen mussten. Mit mehr als 94 und 87 Prozent vereinbarungsgemäß bezahlter Rechnungen liegen sie aber immer noch weit über dem deutschen Durchschnitt. Dritte Branche mit Verlusten im vierten Quartal war die Verlagswirtschaft. Hier war die Veränderung von 82 auf 80,5 Prozent mit Abstand am größten.
Viele Problemfälle in der Automobilbranche
Die größten Veränderungen bei den ernsthaften Beanstandungen gab es bei Verlagen, Banken, Versicherungen und der Automobilindustrie – Branchen, die aktuell schon von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen sind.
Allein für die Automobilbranche hat sich die Zahl der ernsthaften Beanstandungen in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt. Das unterstreicht auch die Insolvenzquote im Automobilbereich. Mit 1,45 Prozent liegt sie weit über dem Durchschnittswert der deutschen Wirtschaft (1,18 Prozent).
Bundesländer: Bayern wieder top, Bremen Aufsteiger
D&B konnte im vierten Quartal 2008 für Unternehmen aller Bundesländer eine Verbesserung der Zahlungsmoral verzeichnen. Mehr als 82 Prozent aller Zahlungen leisteten die Bayern vereinbarungsgemäß. Damit belegt Bayern wieder Platz eins dicht gefolgt von Baden-Württemberg.
Sachsen konnte mit knapp 80 Prozent Platz drei weiter festigen und liegt damit unangefochten an der Spitze der ostdeutschen Bundesländer. Bremen ist mit einer Verbesserung um acht Plätze der Aufsteiger 2008. Bei einem Zahlungsverzug von nur 7,9 Tagen hat Bremen sogar die beste Quote aller Bundesländer.
Am anderen Ende der Rangliste rangieren wie im Quartal zuvor die Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Berlin bleibt das Schlusslicht. Hier zahlen nur 72 Prozent der Unternehmen ihre Rechnungen fristgerecht. Damit ist das Zahlungsverhalten Berliner Unternehmen das erste Mal seit zwölf Monaten wieder gestiegen.
Über D&B Deutschland
D&B Deutschland (früher Dun & Bradstreet) ist ein Unternehmen der Bisnode Gruppe, eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer für Wirtschaftsinformationen und Firmenbewertungen.
Die D&B Datenbank umfasst Informationen von rund 4,3 Millionen deutschen und 140 Millionen internationalen Unternehmen. In die Bonitätsbewertung der Firmen fließt auch deren Zahlungsverhalten ein. Dazu wertet D&B beispielsweise in Deutschland jährlich mehr als 540 Millionen Rechnungsinformationen aus.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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