
Die Preise sinken weiter
Das Leben in Deutschland wird immer günstiger: Dank schwindender Energiekosten sparen die Verbraucher Geld. Experten sagen eine sinkende Inflationsrate voraus.
Björn BöerChefredakteurVieles hängt vom Ölpreis ab
Volkswirte begründen die derzeit negative Jahresinflation mit den extrem hohen Energiepreisen vor einem Jahr. Allmählich falle der massive Verfall der Energie- und Nahrungsmittelpreise vom Herbst 2008 aber nach und nach aus dem Vorjahresvergleich, sagte Commerzbank-Analyst Simon Junker: "Dann werden die Preise wieder steigen. Allerdings wird die Inflationsrate wohl bis Ende kommenden Jahres klar unter zwei Prozent liegen."
Da der Ölpreis kürzlich allerdings wieder sank, erwartet Volkswirt Alexander Koch von der UniCredit auch in den kommenden ein bis zwei Monaten noch eine negative Inflationsrate: "Wenn es nicht zu einem deutlichen Rückgang des Rohölpreise kommt, sollte die Inflation dann aber bis zum Jahresende in Richtung der Ein-Prozent-Marke anziehen."
Keine Deflationsrisiken
Die Gefahr einer Deflation, also einer Spirale aus dauerhaft sinkenden Preisen und konjunktureller Krise, bei der die Verbraucher auf noch billigere Produkte hoffen und ihre Einkäufe aufschieben, ist nach Ansicht der Experten endgültig gebannt.
Auch Bundesbank-Präsident Axel Weber hatte kürzlich betont: "Die Deflationsrisiken sind durch die Stabilisierung der Wirtschaft aus dem Weg geräumt - wenn sie überhaupt bestanden haben."
Billigerer Kraftstoff im September
Die aktuelle Inflationsrate liegt weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent. Diese Rate soll Preisstabilität ermöglichen, aber keinen Anreiz zum Horten von Bargeld geben.
Im September gaben die Heizöl- und Kraftstoffpreise einen Teil ihres kräftigen Anstiegs vom August wieder ab und trugen damit maßgeblich zum Rückgang der Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat bei.
Auch Nahrungsmittel werden günstiger
Je nach Bundesland waren Kraftstoffe im September um 2,4 bis 3,6 Prozent günstiger als im August und um 12,4 bis 14,9 Prozent billiger als vor einem Jahr. Auch die Heizölpreise lagen im September um 3,6 bis 6 Prozent unter dem Niveau des Vormonats und um 28,4 bis 35,1 Prozent unter dem des Vorjahres.
Auch die Preise für Nahrungsmittel gingen im Monatsvergleich erneut leicht zurück. Im September kosteten Lebensmittel zwischen 2,7 und 3,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Sommer hatten sich die Händler gegenseitig unterboten mit günstigen Preisen für bestimmte Lebensmittel.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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