Die Profiteure der Schlecker-Pleite sind Drogerien, nicht Supermärkte

Die Profiteure der Schlecker-Pleite sind Drogerien, nicht Supermärkte

Im Kampf um ehemalige Schlecker-Kunden können Supermärkte mit dm, Rossmann und Co. nicht konkurrieren. Das letzte Wort scheint aber noch nicht gesprochen.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Knapp zwei Jahre nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zeigt eine Zwischenbilanz: Die Hoffnungen von Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl haben sich nicht erfüllt.

"Die Gewinner der Schlecker-Pleite sind dm, Rossmann und Co.", urteilt der Handelsexperte Wolfgang Adlwarth von der GfK. Zwar haben auch Supermärkte und Discounter als Reaktion auf die Schlecker-Pleite ihre Drogeriesortimente aufgerüstet und teils sehr preisaggressiv angeboten. Zunächst hätten sie damit auch einen großen Teil der ehemaligen Schlecker-Kunden anlocken können -  viele von ihnen jedoch auf Dauer nicht gehalten.

Kunden erwarten ein breites Sortiment

Die Gründe für den Erfolg der Drogeriemarktketten sind für die Handelsexpertin Denise Klug vom Marktinformationsdienst Planet Retail offensichtlich. "Die Konsumenten in Deutschland sind ganz einfach an die Kompetenz und Angebotsvielfalt der Drogeriemärkte gewöhnt. Sie wollen nicht nur drei Sorten Shampoos im Angebot, sondern viel mehr."

Das Image der großen deutschen Drogeriemarktketten bei den Kunden ist tatsächlich außergewöhnlich gut. In einer Studie der Unternehmensberatung OC&C wurde dm in diesem Jahr zum beliebtesten Händler Deutschlands gekürt und verdrängte damit den Online-Riesen Amazon vom Spitzenplatz. Aber auch die Rivalen Müller und Rossmann konnten sich unter den Top Ten der Unternehmen mit der größten Kundenzufriedenheit platzieren - auf den Rängen fünf und sechs.

dm & Co. gewinnen neue Käufer

Und das zahlt sich in barer Münze aus. Nach den Untersuchungen der Marktforscher können die Drogeriemärkte aktuell viele neue Käufer gewinnen und nehmen Supermärkten und Discountern Marktanteile nicht nur bei Kosmetik und Körperpflegeprodukten ab, sondern auch bei Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln.

Dabei begannen mit der Schlecker-Pleite für die anderen Drogeriemarktketten zunächst schwierige Zeiten. Denn die Verbraucher nutzten den Ausverkauf im Sommer 2012, um sich billig mit Vorräten einzudecken. Das bremste bis weit ins Jahr 2013 hinein die Nachfrage.

Doch seitdem die letzten Restbestände verbraucht sind, brummt das Geschäft. Allein im Januar steigerten die Drogeriemärkte ihre Umsätze laut GfK im Vorjahresvergleich um 8,4 Prozent.

Kosmetik ist eine "komplizierte Kategorie"

"Der Lebensmittelhandel hatte, als Schlecker pleiteging, ganz einfach noch nicht die Sortimente, um die entstandene Lücke zu füllen", erklärt Handelsexpertin Klug die Entwicklung. Es habe zwar Versuche der Supermärkte gegeben, mehr Kosmetikprodukte ins Angebot zu nehmen. Aber diese seien nicht immer von Erfolg gekrönt gewesen.

"Das ist eine komplizierte Kategorie. Die Kundinnen machen gerne mal die Packungen auf und testen die Produkte. Da ist Beratung notwendig, aber man muss auch ein Auge auf die Ware haben", erklärt die Branchenkennerin.

Doch das letzte Wort im Kampf um die Kunden ist nach ihrer Einschätzung noch nicht gesprochen. Klug ist sicher: "Supermärkte und Discounter werden im Wettbewerb mit den Drogeriemärkten nicht aufgeben, sondern weiter versuchen, Boden gut zu machen." Sie seien dabei, die nötige Fachkompetenz aufzubauen. Die Drogeriemarktketten selber rechneten deshalb damit, dass ihre Wachstumskurven in Zukunft wieder etwas abflachten, berichtet die Branchenkennerin.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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