
Diebstahlprävention: Per Video alles im Blick
Internetfähige Videoanlagen können mehr als nur für Sicherheit sorgen: Das Kaufhaus Lestra misst damit auch die Kundenfrequenz - und hat noch einiges mehr vor.
Thomas RehmRedakteurDoch die Technik schritt voran, die analoge Videoanlage kam in die Jahre: Aufzeichnungen waren nur begrenzt und im Zeitraffer-Modus möglich, die Auflösung der Aufnahmen war grobkörnig und lieferte keine Details.
Aus der Ferne zugreifen
"Von einer Erneuerung der Videoüberwachung erwarteten wir uns vor allem drei Vorteile", erläutert der Lestra-Geschäftsführer. "Wir benötigten Kameras mit einer hohen Auflösung, um im Kassenbereich Unregelmäßigkeiten leichter feststellen zu können. Aufzeichnungen in Echtzeit sollten es uns zudem ermöglichen, Vorfälle in der Vergangenheit zu überprüfen, beispielsweise wenn Differenzen in den Regalen festgestellt werden. Und schließlich war uns der Fernzugriff wichtig, mit dem wir im Alarmfall schnell überprüfen können, was tatsächlich vor sich geht."
Also entschied sich der Händler für die neue Videoüberwachungsanlage mit internetfähigen, sogenannten IP-basierten Kameras. Inzwischen sind auf den 3.000 Quadratmetern Marktfläche mehr als 100 solcher Kameras im Einsatz.
Detailgenauigkeit im Kassenbereich
Als sinnvoll habe sich hier vor allem die Mischung der unterschiedlichen Kameramodelle erwiesen: "Für die Gänge oder das Lager genügt uns ein relativ grober Überblick, damit wir bei Vorfällen erkennen können, was überhaupt passiert", berichtet Strangemann. "Im Kassenbereich ist uns jedoch Detailgenauigkeit wichtig, deshalb setzen wir hier Kameras mit einer hohen Auflösung von fünf Megapixeln ein und können so beispielsweise Trickbetrügern leichter auf die Spur kommen."
Auch für große Flächen wie etwa den Parkplatz mit rund 200 Stellplätzen ist demnach eine hohe Auflösung von Vorteil: "Hier genügt jetzt eine einzelne Kamera, wo früher mehrere analoge Kameras nötig waren", so der Händler.
Das Konzept für die Videoüberwachung entwickelte die Lestra-Geschäftsführung in enger Zusammenarbeit mit der Belegschaft. "Wir haben die Überwachung intern sehr transparent gestaltet", erläutert Strangemann. An eigens eingerichteten Anzeigestationen können die Mitarbeiter verfolgen, was überwacht wird: "Das erleichtert ihnen die Arbeit", ist der Händler überzeugt. "Denn so können beispielsweise die Mitarbeiter im Kassenzählbüro auf den Monitoren direkt sehen, wie hoch die Frequenz an den Kassen ist und ob neue Kräfte benötigt werden."
Trickbetrüger überführen
Auch bei Trickbetrügern an den Kassen wissen die Mitarbeiter die Überwachung zu schätzen: Die Aufnahmen entlasten demnach nicht nur die Kassierer von einem eventuellen Betrugsverdacht, sie zeigen auch, wie die Trickbetrüger vorgehen. "Das hilft so sehr, dass unsere Kassenkräfte inzwischen teilweise selbst die Installation zusätzlicher Kameras einfordern", berichtet Strangemann. "Wir legen großen Wert auf einen offenen Umgang mit dem Thema Überwachung: Unsere Mitarbeiter wissen, wo die Kameras sind und welchen Zwecken sie dienen. Deshalb ist auch die neue Anlage deutlich besser von den Mitarbeitern akzeptiert werden als die frühere analoge Lösung."
Die Videokameras können mit der passenden Software zudem inzwischen weit mehr, als nur für die Sicherheit von Mitarbeitern und Ware zu sorgen: Über das sogenannte Heat-Mapping findet der Händler auch heraus, welche Bereiche des Kaufhauses wie oft frequentiert werden und kann analysieren, wie sich die Kunden durch den Markt bewegen.
Mit Hilfe von Farbmarkierungen - ähnlich einem Wärmebild - kann die Geschäftsführung das Marketing und die Produktpräsentation optimieren. So konnten die Umsätze bei den Schreibwaren dadurch gesteigert werden, dass die Produkte anders positioniert wurden. "Der Schreibwarenbereich befindet sich optisch mitten im Markt. Die Heat-Mapping-Analysen haben ergeben, dass sich in diesem Bereich zu wenig Kunden bewegten, weil die meisten den Weg außen herum nahmen", erläutert Strangemann. "Wir haben deshalb die Regalhöhen abgesenkt und den Bereich optisch aufgewertet - mit spürbarem Erfolg."
Einbindung in Steuerung des gesamten Marktes
Im praktischen Einsatz haben sich die Kameras nach Meinung des Händlers bisher gut bewährt: "Sie sind kaum anfällig für technische Probleme, außerdem ist es von Vorteil, dass die bei uns installierten Kameras mehrere Streams gleichzeitig senden können", berichtet er. "So lassen sich die Aufzeichnungsserver und die verschiedenen Anzeigestationen gleichzeitig bedienen, ohne das Netzwerk zu überlasten. Auch die sogenannte H.264-Komprimierung direkt in den Kameras nimmt Last von den Servern."
Aktuell arbeitet man bei Lestra daran, die Videoüberwachung in eine intelligente Steuerung des gesamten Marktes einzubinden. Das Gebäudemanagement soll in Zukunft auch Energiemanagement sowie die automatische Steuerung von Temperatur, Lüftung, Kühlanlagen und Ähnlichem umfassen. Denn: "Alles, was einen Stromanschluss besitzt, kann künftig zentral angesteuert werden", erklärt Strangemann. "Die Videoüberwachung ist ein wichtiger Bestandteil dieses Systems."
Sybille Wilhelm
Dieser Artikel ist in der September-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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