
Drogerie-Giganten kämpfen um Schlecker-Erbe
Von der Schlecker-Pleite profitieren viele: Mancher Kunde kauft sein Shampoo jetzt im Lebensmittelgeschäft. Doch den größten Teil vom Erbe bekommen die Drogerie-Konkurrenten dm und Rossmann.
David WöllensteinRedakteurKurze Wege entscheidend
Der Kampf um die Schlecker-Kunden werde zum Teil durch kurze Wege entschieden, meinte Ralf Weustermann von der Marktforschungsfirma Nielsen. "Es gibt einen erkennbaren Anteil an Shoppern, für die Nähe ein Kriterium ist." Innerhalb von 400 Metern rund um die 2.200 geschlossenen Schlecker-Filialen findet sich 600 mal ein Verbrauchermarkt, 950 mal eine andere Drogeriekette und 2000 mal ein Lebensmitteldiscounter.
Die Umsätze mit Drogeriewaren auf anderen Vertriebswegen haben messbar angezogen. Selbst Aldi oder Penny hübschen mittlerweile die Regale für Körperpflegemittel auf. Doch werden die Kunden künftig vermehrt ihr Duschgel und ihre Zahnpasta zusammen mit Wurst und Gemüse im Lebensmittelhandel kaufen?
So einfach ist es nicht. Gerade bei der Körperpflege, die die Hälfte der Drogeriewarenumsätze ausmache, sei die Markentreue hoch, erklärte Professor Thomas Roeb von der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. Doch die Discounter setzten weder auf Marken, noch könnten sie die bei den Kundinnen gefragte Beratung leisten. Also werde der Weg eher zu anderen Drogeriemärkten führen.
Kosmetik aus der Drogerie, Putzmittel vom Discounter
"Beim sehr gewichtigen Segment Körperpflege werden die Drogeriemärkte als Sieger hervorgehen", gab sich auch GfK-Konsumforscher Wolfgang Adelwarth in einer Fachzeitschrift überzeugt. "Bei Putz-, Wasch- und Reinigungsmitteln werden eher die Discounter und SB-Warenhäuser gewinnen."
Dass der kranke Erbonkel Schlecker noch einmal zu Kräften kommen sollte, schien den Experten in Wiesbaden unwahrscheinlich. "Ich weiß nicht, wer Schlecker eigentlich übernehmen soll", sagte Roeb. "Das muss ein Optimist sein." Selbst eine Rettung durch Investoren werde das Aus nur verzögern. Die einstige Stärke von Schlecker, nämlich der billige Einkauf, sei verloren. Mittlerweile sei der Einkauf so klein, dass er keinen Vorteil mehr biete, sondern sich zu einem Handicap entwickele, erklärte der Experte.
Lieferanten sollten sich mit dm und Rossmann gut stellen
Den anwesenden Lieferanten riet Roeb deshalb, alle Vertriebswege zu bedienen und sich mit beiden Drogeriemarktführern dm und Rossmann gutzustellen. Bei Rossmann, der Nummer zwei, sei die Kostenstruktur allerdings ungünstiger als bei dm. Deshalb dürfte die Kette eher geneigt sein, Druck an die Lieferanten weiterzugeben. dm hat im ersten Geschäftshalbjahr 2011/12 den Umsatz auf 3,3 Milliarden Euro gesteigert. Rossmann knackte 2011 erstmals die Marke von fünf Milliarden Euro Umsatz.
Beide Ketten dürften weiter wachsen, sagte der Forscher. Und dann?
"In weniger als zehn Jahren wird es zu einem heftigen Kampf zwischen dm und Rossmann kommen, für den Rossmann meiner Meinung nach nicht optimal aufgestellt ist."
Friedemann Kohler, dpa

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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