
E-Commerce wächst um 3,2 Prozent auf 83,1 Milliarden Euro
Der deutsche E-Commerce ist 2025 nach Angaben des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) und des EHI Retail Institute wieder gewachsen. Erstmals seit 2021 stieg der Brutto-Umsatz mit Waren in allen Quartalen und erreichte 83,1 Milliarden Euro nach 80,6 Milliarden Euro im Vorjahr.
David WöllensteinRedakteurZusammen mit dem Umsatz digitaler Dienstleistungen, der laut bevh um 7,3 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro zulegte, nähert sich die Branche wieder der 100-Milliarden-Euro-Marke. Für 2026 prognostizieren bevh und EHI ein nominales Umsatzwachstum im Warenhandel von 3,8 Prozent.
„Der Onlinehandel ist ein seltener Lichtblick in der deutschen Wirtschaft", sagt bevh-Präsident Gero Furchheim. „Die Menschen konsumieren auch in unsicheren Zeiten weiter, sie tun es aber digital. Die Eskalation geopolitischer Konflikte, innenpolitische Instabilität und die kritische Lage deutscher Schlüsselindustrien schränken ein stärkeres Wachstum ein. Insgesamt wird der E-Commerce sich aber deutlich besser entwickeln als der traditionelle Einzelhandel."
Viel-Käufer bleiben stabil, Bestellwerte steigen leicht
Der Anteil der Viel-Käufer im E-Commerce blieb laut bevh-Umfrage mit 34,2 Prozent stabil – jeder dritte Kunde in Deutschland bestellte demnach durchschnittlich zweimal wöchentlich oder öfter Waren online. Der durchschnittliche Bestellwert stieg von 144,12 Euro (2024) auf 146,19 Euro.
Die Kundenzufriedenheit liegt den Angaben zufolge mit 96,2 Prozent auf unverändert hohem Niveau (2024: 96,0 Prozent). Der Anteil der Kunden, die weniger im E-Commerce ausgeben wollen, sei mit 24,6 Prozent der niedrigste seit vier Jahren, so der Verband.
Mode erholt sich, Medikamente und Lebensmittel führen
Bei den Warengruppen zeigen die bevh-Daten deutliche Verschiebungen: Größte Gewinner-Kategorien waren Medikamente mit einem Plus von 6,0 Prozent und Lebensmittel mit 5,5 Prozent, gefolgt von Tierbedarf mit 5,0 Prozent.
Besonders der wichtige Modehandel entwickelte sich mit einem Wachstum von 3,5 Prozent deutlich besser als im Vorjahr. Auch die Kategorien Haushaltswaren und -geräte legten um 4,8 Prozent zu, Möbel, Lampen und Dekoration um 3,3 Prozent.
Unterdurchschnittlich wuchs der Handel mit Elektronik und Telekommunikation mit 1,4 Prozent – allerdings hatte die Kategorie im Vorjahr noch ein Minus verzeichnet.
Marktplätze dominieren – chinesische Plattformen boomen
Im Vergleich der Versendertypen wuchsen die Umsätze auf Online-Marktplätzen laut bevh und EHI am stärksten mit einem Plus von 4,9 Prozent. Über sie werden mittlerweile 56 Prozent des gesamten Onlinehandels abgewickelt – das entspricht 46,2 Milliarden Euro.
Re-Commerce legt um 21,8 Prozent zu
Der gewerbliche Handel mit gebrauchten Waren wuchs nach bevh-Angaben im vergangenen Jahr um 21,8 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro (2024: 1,61 Milliarden Euro).
„Diese erfreuliche Entwicklung kann sich fortsetzen oder sogar steigern. Voraussetzung ist, dass der Gesetzgeber in Hinblick auf die positiven Nachhaltigkeitseffekte auch auf die Besonderheiten des Handels mit solchen Gütern Rücksicht nimmt", fordert Alien Mulyk, Leiterin Public Affairs Europa & International beim bevh.
KI-Shopping stößt auf große Skepsis
Nur 6,3 Prozent der Online-Kunden würden ihre Einkäufe komplett mit einer KI durchführen, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des bevh ergeben hat. 91,7 Prozent lehnen Shopping-KIs demnach ab. Den Verbrauchern fehle offensichtlich noch das Vertrauen in die neue Technologie, so der Verband.
„Der E-Commerce steht mit neuen KI-basierten Shopping-Erlebnissen an der Schwelle zur nächsten technischen Revolution", sagt bevh-Präsident Furchheim. „Das wirksame Durchsetzen bestehender Regelungen für alle Marktteilnehmer, die tatsächliche Abkehr von der Überregulierung und die Unabhängigkeit von marktbeherrschenden Playern sind die erforderliche Basis für einen Erfolg der Branche in diesem Jahrzehnt."
Alien Mulyk ergänzt: „Bei aller Technologieoffenheit muss der Gesetzgeber dafür sorgen, dass KI-Plattformen nicht zu übermächtigen Gatekeepern im E-Commerce werden, dass ein Level-Playing-Field mit Händlern gewahrt wird, und KI-Agenten die Grundlagen ihrer Kaufempfehlungen transparent machen."

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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