
Einzelhandel hofft auf EM-Fieber
Knabbern, trinken, Fähnchen schwingen - und das Ganze im Fantrikot vor dem neuen Flachbildfernseher: Von der Fußball-EM erhoffen sich einige Branchen ein gutes Geschäft.
Björn BöerChefredakteurUmsatztreiber Nummer eins
Fußball-Großereignisse seien immer der Umsatztreiber Nummer eins, meint auch ein Sprecher des Verbands Deutscher Sportfachhandel. "Schön wäre es allerdings, wenn wir nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim Gewinn einen Sprung machen würden." Ob das gelingt, sei aber fraglich.
Der fränkische Sportartikelhersteller Adidas peilt in diesem Jahr einen weltweiten Rekordumsatz von 1,5 Milliarden Euro mit fußballspezifischen Produkten an. Als offizieller EM-Sponsor rüstet Adidas sechs Teams aus. "Es läuft gut, mit dem bisherigen Verkauf sind wir sehr zufrieden", sagt ein Unternehmenssprecher.
Auch der Spielwarenhandel setzt darauf, dass die Kunden dank der EM mehr Fußbälle kaufen. Außerdem sollen Aufkleber und dazugehörende Alben nach Angaben des Branchenverbands BVS das Sammelfieber anheizen.
7 Prozent Plus bei Fernsehern
Die Elektronikhändler rechnen mit deutlichen Impulsen durch die EM, die vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine stattfindet. Das Fußballereignis werde vor allem den Absatz von großen Flachbild-Fernsehern ankurbeln und zu vorgezogenen Käufen führen, meint der Bundesverband Technik des Einzelhandels. Bereits im ersten Quartal seien fast 7 Prozent mehr Fernseher verkauft worden als im Vorjahreszeitraum. Der Trend gehe dabei zu Geräten mit Internetanschluss und 3D.
In den Süßwarenabteilungen der Supermärkte gibt es Schokolade, Chips und Fruchtgummi im EM-Design. "Von der Fußball-Europameisterschaft erhofft sich die Branche auf jeden Fall mehr als von den Olympischen Spielen", sagt der Vorstandsvorsitzende des Süßwarenhandelsverbands Sweets Global Network, Hans Strohmaier.
Hitze freut die Brauer, kühles Wetter die Schokoladenhersteller
Händler und Hersteller locken mit Sonderaktionen, Gewinnspielen und speziellen Verpackungen: Gummibärchen in schwarz-rot-gold, eine Doppelpackung Schoko-Riegel - für jede Halbzeit einen -, oder Erdnüsse im extra-großen Party-Beutel. Bei der WM 2010 wurden laut Sweets Global Network etwa 20 Prozent mehr salzige Snacks verkauft als sonst. Inwieweit die Fans sich die Spiele mit Schokolade versüßen, werde sehr vom Wetter abhängen - wenn es heiß ist, wird generell eher wenig Schokolade gegessen.
Das Wetter ist auch ein entscheidender Faktor für den Bierdurst - anders als bei Schokolade heißt es hier allerdings: Je wärmer, desto besser. "Wenn die deutsche Mannschaft dann noch im Turnier weit kommt und es viele Orte fürs Public Viewing gibt, schmeckt das Bier den Fans sicherlich besonders gut", sagt ein Sprecher des Deutschen Brauer-Bunds. "Aber auf das gesamte Jahr gerechnet wird der Einfluss der EM wahrscheinlich eher gering sein."
dd

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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