Enterprise Application Integration - ein Fremdwort?

Enterprise Application Integration - ein Fremdwort?

Nach einer Untersuchung der MetaGroup besteht kein Verständnis für EAI als fundamentale Voraussetzung für E-Business bei deutschen IT- und Business-Verantwortlichen

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
4 Min.· Aktualisiert am
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Als Hauptgründe für das geringe Interesse sieht die META Group zum einen den hohen Marktdurchdringungsgrad von SAP in Deutschland, zum anderen den wenig ausgereiften EAI-Markt. Nach Meinung der META Group ist es aber bereits heute möglich, die optimalen Integrationstechnologien abhängig vom jeweiligen Szenario auszuwählen. Diese Möglichkeiten sollten Anwender auch nutzen, um sich dadurch gegenüber ihren Wettbewerbern zu differenzieren. Von insgesamt 1.018 befragten deutschen Anwenderunternehmen setzen sich nur 15% aktiv mit dem Thema EAI auseinander. Das Thema Enterprise Application Integration (EAI) wird in deutschen Anwenderunternehmen erschreckend selten adressiert. Analysiert man diese Firmen nach dem tatsächlichen Einsatz einer Integrationsplattform, minimiert sich der Anteil sogar auf nur knapp 6%.

Die restlichen EAI-bewussten Unternehmen befinden sich zu gleichen Anteilen von jeweils 4,5% entweder in der EAI-Projektdurchführungs- oder in einer konkreten EAI-Planungsphase. Die große Mehrheit der Unternehmen, nämlich 85%, sieht zur Zeit keinen Bedarf, eine EAI-Plattform kurz- bis mittelfristig einzusetzen. Diese Situation kann in zweierlei Hinsicht interpretiert werden. Insbesondere in Deutschland spielt vor allem der mit 70% im Vergleich zu anderen Ländern extrem hohe Marktdurchdringungsgrad von SAP ein Rolle. Da SAP grundsätzlich ein integriertes System darstellt, sieht die SAP-Klientel derzeit keinen hohen Integrationsbedarf. Selbst wenn ein Migrations-/Integrationsbedarf unter verschiedenen SAP Release-Ständen auftreten sollte, können Schnittstellen mit der SAP-Workbench gestaltet werden.

Mit weiter gehenden Integrationsanforderungen rückte dieses Thema auch im Hause SAP auf der Prioritätenliste nach oben. Speziell im Umfeld der Inter-Enterprise Integration (IEI), also der unternehmensübergreifenden Integration sowie der Front-End-Integration, entstand Handlungsbedarf. Als erste Reaktion darauf ging SAP eine strategische Partnerschaft mit dem EAI-/IEI-Anbieter webMethods ein und bietet basierend auf dessen Technologie die SAP Business Connectors an. Sie verbinden SAP mit anderen, auch externen Anwendungen.

Neben der bemerkenswerten SAP-Penetrationsrate in Deutschland kann als weiterer Grund für den geringen Einsatzgrad von EAI der noch nicht ausgereifte EAI-Markt angeführt werden. Obwohl das Thema Integration mindestens genauso alt ist, wie die Tatsache, dass in einem Unternehmen zwei verschiedene Applikationen eingesetzt werden, befindet sich der EAI-Anbietermarkt noch in einer frühen Marktreifephase. META Group sieht den EAI-Markt im Jahr 2001 als einen von der Kindheitsphase (Infancy, 1999-2001) in die Jugendphase (Adolescence, 2001-2003) überwechselnden Markt. Während EAI in der Kindheitsphase hauptsächlich durch den Einsatz von Messaging-Middleware-Lösungen charakterisiert wurde, setzen sich in der Jugendphase die Message Broker (klassische EAI-Tools) als Best Practice im EAI-Umfeld durch. Der Anbietermarkt hierfür zählt momentan etwa 70 bis 80 Marktteilnehmer weltweit. Heranreifende Technologien, aufkommende Integrationsstandards und zusätzliche Integrationsanforderungen (Inter-Enterprise- und Front-End-Integration) der Anwenderunternehmen steigern den Komplexitätsgrad für EAI-Lösungen täglich. Dies mündet einerseits in die derzeit stattfindende Marktkonvergenz unter EAI- und IEI-Anbietern und andererseits in die für die letzte EAI-Marktphase, das Erwachsensein (Adulthood, 2003-2005), prognostizierte Marktkonvergenz von Integration-Server- und Application-Server-basierten Integrationslösungen.

Die aktuellen und noch bevorstehenden Veränderungen im EAI-Markt lösen bei den Anwendern eine gewisse Verunsicherung aus, die sich in der momentanen abwartenden (Zurück-) Haltung wiederspiegelt. Anita Liess, Consultant für Enterprise Applications bei der META Group, sieht jedoch keine Rechtfertigung für diese Einstellung. Weder SAP noch die gegenwärtigen EAI-Anbieter können in absehbarer Zeit eine ganzheitlich leistungsfähige Integrationsplattform bereitstellen oder ein Rundum-sorglos-Paket für Anwenderunternehmen schnüren. Vielmehr liegt es jetzt an den Anwendern zu handeln. Nach einer umfangreichen Geschäftsprozessanalyse und der im Anschluss daran klaren Festlegung des Integrationsbedarfs ist es bereits heute möglich, die optimalen Integrationstechnologien abhängig vom jeweiligen Szenario auszuwählen. Anwenderorganisationen können schlichtweg nicht darauf warten, bis sich der EAI-Anbietermarkt soweit entwickelt hat, dass eine einheitliche, standardisierte Lösung für jegliche Integrationsanforderung verfügbar ist.

Im Gegenteil, heute sind Anwenderunternehmen in der Lage, aus einer Vielzahl an Anbietern und EAI-Technologien zu wählen, um eine individuelle, häufig technologisch heterogene Integrationsplattform zu realisieren. Diese Möglichkeiten sollten Anwender auch nutzen, um sich dadurch gegenüber ihren Wettbewerbern zu differenzieren, so Liess weiter. Je nach Integrationsanforderung empfiehlt es sich, eine Integrationstiefe und -breite zu definieren, die neben der Synchronisationsart auch den Umfang der zu integrierenden Systeme bestimmt. Anwender müssen sich, so konstatiert Anita Liess, mit EAI/IEI eine unternehmensübergreifende Infrastruktur schaffen, mit der sie flexibel auf unvorhersehbare Marktentwicklungen reagieren können. Diese EAI-Annäherung kann von drei Seiten geschehen: IT-seitig (technologisch), durch neue Business-Initiativen und durch Geschäftsprozessoptimierung.

Die aktuelle umfassende Studie der META Group ist ab Mitte November 2001 erhältlich.

Mehr zum Thema EAI und der Integration von E-Business-Systemen lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von CYbiz! (JR)


KONTAKT:

Meta Group Deutschland GmbH
Saalburgstraße 157
61350 Bad Homburg
Internet: www.metagroup.de

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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