Erst ins Netz, dann in den Laden

Erst ins Netz, dann in den Laden

Fast jeder dritte europäische Verbraucher investiert heute mehr Zeit für den Kauf eines Produkts als vor fünf Jahren, zeigt eine Studie. Deutsche Verbraucher prüfen demnach TV-, HiFi- und Videogeräte genau.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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"Der Faktor Zeit beeinflusst im Wesentlichen das Verbraucherverhalten", ist Anja Wenk, Bereichsleiterin Vertriebsmanagement bei Commerz Finanz, überzeugt. "Die Verbraucher sind nicht nur bereit, sich Zeit für Käufe zu nehmen. Sie würden sich gerne noch länger umsehen und informieren. Dies gilt sowohl für den stationären Handel als auch für das Internet."

Zeitvorteil beim Onlineshopping

Fast jeder dritte Verbraucher (31 Prozent) gibt an, grundsätzlich mehr Zeit für Käufe zu investieren als 2009. Das gilt demnach besonders für das Internet. Knapp jeder Zweite recherchiert vor dem Kauf ausgiebig online. Mehr als jeder dritte Europäer (37 Prozent) verbringt dagegen weniger Zeit in Geschäften. "Das Stöbern in Onlineshops hat sich zu einer Art digitaler Freizeitbeschäftigung entwickelt", erläutert Susanne Wigger-Spintig, Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München. "Mit steigendem Konsumbewusstsein gehen demzufolge auch zeitlich intensivere Such- und Bewertungsprozesse einher."

Selbstbestimmter Konsum

Obwohl die Verbraucher der Studie zufolge mehr Informationen zu den Produkten recherchieren, möchte die Mehrheit ihre Käufe so schnell wie möglich abschließen. Dies gilt sowohl im Internet (50 Prozent) als auch im Geschäft (61 Prozent). Verbraucher, die angeben, sie haben sich beim letzten Kauf schneller entschieden als zuvor, führen dies vor allem auf den Preis und besondere Angebote zurück. Für eine langsamere Entscheidung sind der Wunsch, die richtige Kaufentscheidung zu treffen, und das Warten auf besondere Angebote ausschlaggebend.

Zeitersparnis ist demnach neben finanziellen Aspekten besonders beim "Click & Collect" (online bestellte Artikel in der Filiale abholen) und bei Käufen im Internet die wichtigste Motivation. Mehr als 40 Prozent der Verbraucher nutzten diese Konsumoptionen für einen schnellen Kauf. Der stationäre Handel biete dagegen die Möglichkeit, sich vor Ort von der Qualität der Produkte zu überzeugen. Als zweitwichtigsten Grund für Neukäufe in Geschäften nennen die Europäer die Freude am Konsum.

Zeitmanagement verschiedener Konsumtypen

Die verschiedenen Konsumtypen teilen ihre Zeit für den Einkauf unterschiedlich ein. Verbraucher, die heute weniger als vor fünf Jahren konsumieren, zeichnen sich durch zwei Kaufstrategien aus: Entweder investieren sie weniger Zeit in Käufe, oder sie gehen auf Schnäppchenjagd, vor allem im Internet.

Verbraucher, die genauso viel wie vor fünf Jahren konsumieren, nehmen sich demzufolge einerseits mehr Zeit. So bereite jeder Zweite die Kaufentscheidung online länger vor als zuvor. Andererseits nehme die im stationären Handel verbrachte Zeit ab.

Kunden, die heute mehr kaufen als vor fünf Jahren, nutzen verstärkt das Internet. Zwei von drei Verbrauchern geben an, länger als früher online zu recherchieren.

Produktwahl beeinflusst Einkaufsdauer

Die Europäer treffen je nach Produkt ihre Kaufentscheidung unterschiedlich schnell. Anderthalb bis zwei Stunden benötigen sie für Kleidung, Heimwerker- oder Gartengeräte. Deutlich mehr Zeit nehmen sich die Verbraucher für Einrichtungsgegenstände (2,5 Stunden) oder Elektrohaushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik (länger als 3 Stunden).

Vor allem deutsche Verbraucher prüfen demnach TV-, HiFi- und Videogeräte vor dem Kauf ganz genau. Für Recherche und Kauf benötigen sie länger als fünf Stunden. Am schnellsten entscheiden sie sich dagegen bei Heimwerker- oder Gartengeräten. Nach knapp einer Stunde ist der Kauf abgeschlossen.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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