
HelloFresh - oder mit welchen Kniffen ein Startup von Rocket Internet seriös wird
Abo-Commerce mit Rundum-Sorglos-Paketen für das zeitsparende Kochen daheim ist quasi das Pizza-Taxis 2.0 und ein zunehmend hart umkämpfter Markt, nachdem Kommtessen mit mächtigem Presse-Echo den Markt bereitet hat. Da poppt nun „Unsere Schlemmertüte“, ein Tochterunternehmen von Linas Matkasse aus Schweden auf, das mit einem landesweiten Lieferservice zu den erfolgreichsten Startup-Unternehmen in Schweden gehört und auch Rocket Internet hebt mit Hello Fresh einen Service aus dem Klon-Labor der...
Da poppt nun „Unsere Schlemmertüte“, ein Tochterunternehmen von Linas Matkasse aus Schweden auf, das mit einem landesweiten Lieferservice zu den erfolgreichsten Startup-Unternehmen in Schweden gehört und auch Rocket Internet hebt mit Hello Fresh einen Service aus dem Klon-Labor der Samwer-Brüder. Hello Fresh belegt gleich mal wie hart die Bandagen in dem Segment schon sind und mit welchen Tricks man ein Startup aufpeppen kann, um es vertrauenswürdiger wirken zu lassen.
Clever sind die kleinen Details mit denen Hello Fresh auf der Startseite arbeitet. Clever, weil nicht falsch, aber für den flüchtigen Betrachter durchaus irreführend. Manche der Tricks waren wohl selbst den Machern um Dominik Richter und Arnt Jeschke nicht ganz geheuer.
Da wurde beispielsweise zum Start gleich mal prominent auf der Hauptseite ein eigenes Bio-Siegel in Anlehnung an das offizielle Bio-Siegel des deutschen Verbraucherschutzministeriums präsentiert. Erstmal nicht weiter dramatisch, denn neben dem staatlichen Siegel haben auch etliche Supermärkte und Hersteller ihre eigenen Bio-Siegel. Doch auch dann müssten meines Wissens Produkte und Sortiment Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung entsprechen. Nun, das Siegel ist nach wenigen Tagen wieder verschwunden.
Wie erzeugt man Vertrauen und Seriosität? In dem man seine Reputation mit Beiträgen in Film, Funk und Fernsehen belegt. Nun hat ein Start-up selten direkt die Aufmerksamkeit etablierter und glaubwürdiger Medien. Das Konzept, schließlich ist man ja nicht der erste mit der Idee, aber schon. Und so kann man dann doch als vertrauensbildende Maßnahme die Logos renommierter Medien einblenden, wenn man nur geschickt genug formuliert: „Konzept bekannt aus“.
Und: Man muss schon genaue Text-Exegese betreiben, damit klar wird, dass mit „3x Tüte jetzt bestellen“ gleich auch ein fortlaufendes Abo eingerichtet wird. Eine Nachlässigkeit an der auch andere Abo-Commerce-Anbieter kranken.
Macht aber vermutlich nichts: Denn wie auch andere Systeme von Rocket Internet ist vermutlich auch Hello Fresh weniger auf langfrsitige Kundenbindung denn auf schnelles Wachstum ausgelegt.
Ausführlich stellt Deutsche Startups http://www.deutsche-startups.de/2011/12/21/hellofresh-zutaten-rezepte/ Hello Fresh vor.
Nico Lumma http://lumma.de/2011/10/12/familienspeisung-mit-kommtessen/ über KommtEssen und ein Interview mit der Gründerin Lisa Rentrop
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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