
Hertie-Pleite und kein Ende
Ein Jahr nach der Hertie-Pleite stehen die meisten Häuser immer noch leer. Der Insolvenzverwalter verhandelt derweil mit Käufern der Namensrechte.
Die meisten Häuser aber stehen nach wie vor leer - und das hat Auswirkungen auf die betroffenen Einkaufsmeilen: In vielen Städten sinken deshalb die Passantenfrequenzen und Zentralitätskennziffern.
Überhöhte Preisforderungen
Der Großteil der Hertie-Immobilien wird von BNP Paribas Real Estate, Berlin, im Auftrag von Dawnay Day vermarktet. Der britische Investor hatte Hertie und die meisten Immobilien im Jahr 2005 übernommen. BNP hat eigenen Angaben zufolge bislang 22 der 64 Häuser verkauft und damit 150 Millionen Euro erlöst. "Damit liegen wir nur 9 Prozent unter den ursprünglichen Erwartungen", zitiert die "TextilWirtschaft" Christoph Meyer von BNP.
Zu Der Handel sagte Meyer vor einiger Zeit: "Wir müssen keine Kaltakquise machen, die Interessenten melden sich bei uns. Per Mailing informieren wir potenzielle Käufer über aktuelle Entwicklungen und welche Häuser noch zu bekommen sind."
Für die Qualität der Standorte spreche, dass BNP die von Dawnay Day gewünschten Verkaufspreise zu 92,4 Prozent erzielen kann, betonte Meyer. "Das ist überdurchschnittlich hoch." Im Durchschnitt werden 714 Euro pro Quadratmeter Mietfläche verlangt.
Überhöhte Preisforderungen
Die Immmobilien sind seit zwei Jahren auf dem Markt. Damals ging BNP davon aus, alle Häuser bis zum Frühjahr 2009 loszuwerden. Insidern zufolge liegt die schleppende Vermarktung an überhöhten Preisforderungen.
Schlecht steht es auch um die norddeutschen Filialen. Dort ist die Flensburger Unternehmensberatung Hansekontor, die acht Häuser in Elmshorn, Cuxhaven, Wilhelmshaven, Stade, Hamburg-Barmbek, Husum, Itzehoe, Rendsburg und Schleswig übernehmen wollte, wegen der gescheiterten Finanzierung aus dem Rennen.
Überaschende Wende im Westen
Nach wie vor in Verhandlungen ist das Buxtehuder Immobilienunternehmen AVW, das unter anderem in Bremerhaven das Einkaufszentrum Mediterraneo betreibt. Eine überraschende Wende gibt es in Dinslaken, Detmold, Kamen und Köln-Chorweiler. Dort soll sich Dawnay Day Insidern zufolge nach fehlgeschlagenen Verhandlungen dazu entschieden haben, die leerstehenden Häuser selbst zu entwickeln, zu vermieten und anschließend zu verkaufen. Dawnay Day will das nicht kommentieren.
Unterdessen hat Hertie-Insolvenzverwalter Biner Bähr bekanntgegeben, über den Verkauf der Hertie-Namensrechte zu verhandeln. "Es gibt mehrere Kaufinteressenten", sagte er. Die meisten Interessenten wollten die Marke im Internet reaktivieren. Laut Bähr dauert es weitere drei Jahre, bis der Fall Hertie abgeschlossen ist. Immer noch seien rund zehn Mitarbeiter seines Teams damit beschäftigt, dann erst werde auch er abrechnen. Bis heute habe Bähr für das Hauptmandat noch kein Geld bekommen.
Namensrechte für einen Euro
Dawnay Day hatte die Warenhäuser vor fünf Jahren aus dem Fundus des damaligen KarstadtQuelle-Konzerns übernommen. Während man für die Immobilien 285 Millionen Euro hinlegen musste, war für die Namensrechte nur ein symbolischer Euro fällig. Die Übernahme wurde zum Reinfall.
Innerhalb von drei Jahren summierte sich der Verlust auf 270 Millionen Euro, gleichzeitig gingen die Umsätze um fast 40 Prozent zurück. Am 31. Juli 2008 erfolgte der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Am 15. August 2009 wurden die letzten der 73 Filialen geschlossen.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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