
Insolvenz von Max Bahr: "Wir geben die Hoffnung nicht auf"
Die Regale leeren sich allmählich, Kunden können nicht mehr umtauschen - doch das Personal ist optimistisch. Die Filiale in Eschborn könnte beispielhaft stehen für den derzeitigen Alltag in der Baumarktkette Max Bahr.
Thomas RehmRedakteurDie Hoffnung stirbt zuletzt
Insgesamt stehen bei Praktiker und Max Bahr 4.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Doch es gibt auch Hoffnung: Am Dienstag verkündete Insolvenzverwalter Christopher Seagon laut "FAZ" vor Journalisten in Hamburg, dass es mehr als zehn Anfragen von Interessenten für Praktiker gäbe. Diese bezögen sich sowohl auf den Konzern, als auch auf einzelne Tochtergesellschaften, darunter auch Max Bahr.
Vielleicht liegt es auch an dieser Botschaft, dass in Eschborn bisher von Resgination nichts zu spüren ist. "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Baumarkt wird weiterleben. Es ist noch ein bisschen Zeit", sagt ein junger Angestellter. Von der Insolvenz hat er daheim übers Radio erfahren - auf dem Weg ins Badezimmer.
So optimistisch das Personal auch ist - die Kundenfrequenz an diesem Nachmittag ist alles andere als erbaulich. Während im Erdgeschoss noch Betrieb herrscht, ist die obere Etage wie ausgestorben. Hier gibt es unter anderem Wandfarben und Tapeten - doch kein Kunde, nirgends. Eine Mitarbeiterin harrt trotzdem am Info-Point aus. "Eigentlich ist die Stimmung noch ganz gut, wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt sie. Auf der Verpackung einer Vliestapete wirbt Dieter Bohlen mit strahlendem Gesicht mit dem Spruch "It's different". Vor allem aber ist es hier still, weil niemand Malerbedarf einkaufen möchte.
Umtausch ausgeschlossen
Für die Kunden ist die Insolvenz von Max Bahr freilich schon zu spüren. Vor dem Markt in Eschborn informiert ein Schild darüber, dass der Umtausch gegen Geld derzeit nicht mehr möglich ist. Weil jedoch in der Eschorner Filliale gelten gar noch strengere Regeln gelten, wird das Schild eilig fortgeschafft. Hier kann nämlich nicht einmal mehr Ware gegen Ware umgetauscht werden. Denn es handelt sich um einen sogenannten "Markt II", der erst im Januar von einem Praktiker- in einen Max Bahr-Markt umbenannt wurde.
Wer also hier etwas Falsches gekauft hat, der hat schlichtweg Pech gehabt. Zumindest für die nächsten Tage. Einige Kunden seien sehr ungehalten, weil sie die gekaufte Ware nicht mehr zurückgeben dürften, erzählen Mitarbeiter. Die Reaktionen auf die drohende Insolvenz seien gemischt, Stammkunden bedauern die drohende Schließung, andere dagegen pochten auf ihre Rechte. "Es gibt schon einige Baumärkte: Obi, Hornbach, Toom. Die Streuung ist breit", sagt ein Kunde ohne viel Sentimentalität. "Ich denke auch an die Angestellten", betont jedoch ein anderer.
Warten und hoffen
Im Eschborner Markt arbeiten 55 Mitarbeiter. Auch an diesem Dienstagnachmittag sind einige im Verkaufsbereich anzutreffen, mehr als Kunden, so scheint es fast. "Warten, hoffen - ich habe meinen Kopf noch nicht in den Sand gesteckt", sagt ein Angestellter. "Wir sind alle niedergeschlagen, aber wir sind guter Dinge", ergänzt eine Mitarbeiterin. Die Stimmung scheint optimistisch, dennoch ist die Anspannung des Personals spürbar.
"Wir treffen den richtigen Ton: Baumarkt seit 1879", verkündet der Lautsprecher - es bleibt abzuwarten, wie lange noch.
Annette Sandhop, Eschborn

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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